landtag.ltsh.de ↗

Birte Pauls

SPD 19.06.2026 Sitzungen 20/122

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe mir noch einmal die Mühe gemacht und nachgearbeitet, was passiert ist. Also, eine moderne, solarbetriebene Fähre für 2,5 Millionen Euro – das hörte sich nach einem guten Plan an Das klang super, und da hörte es dann auch schon auf. Mit zweijähriger Verspätung und 1,4 Millionen Euro Mehrkosten kam ein vollkommen überdimensionierter Koloss an der schmalsten Stelle der Schlei an. Die Gesamtkosten lagen bis dato bei 3,9 Millionen Euro. Wäre die Fähre dreimal so lang, dann hätten wir eine Brücke gehabt, was angesichts der Situation an der Lindaunis-Brücke eine echte Alternative gewesen wäre. (Beifall SPD und SSW – Lachen SPD) Heiner hat die Brücke auch schon einmal kennenlernen dürfen. Auf jeden Fall hat jemand vergessen, dem Konstruktionsbüro zu sagen, dass an der Schlei Wind weht und dass es an der engsten Stelle so eines Gewässers meistens eine Strömung gibt. Deshalb musste das Ding sofort wieder in die Werft; es fuhr nämlich nicht. Für weitere 1,3 Millionen Euro wurden vier Querstrahlruder und eine extra Batterie nachgerüstet. Kosten bis dato 5,2 Millionen Euro. Zwischenzeitlich musste die Landesregierung die alte Missunde II, die sie vorher für 17.000 Euro verscherbelt hatte, für über 100.000 Euro zurückkaufen und reaktivieren. Ostern sollte die Fähre dann in Betrieb gehen. Mit vier Wochen Verspätung – ausgestattet mit einem vorläufigen Fährzeugnis, einer langen Mängelliste und vielen Einschränkungen – nahm sie dann am 29. April 2026 den Betrieb auf. Einen Plan B brauchte man auf meine Nachfrage im Ausschusses laut Staatssekretärin Henckel nicht; das Ding würde ja fahren. (Beifall SPD und SSW – Martin Habersaat [SPD]: Wenn du das so sagst, klingt das ganz schön peinlich! – Heiterkeit) Da fragt man sich: Wozu ist die Missunde II noch im Eigentum des Landes? Ist sie nun eine Rückversicherung, oder ist sie es nicht? Das widerspricht sich. Keine vier Wochen später, nämlich zu Pfingsten und bei bestem Ausflugswetter in einer Region voller Gäste – weil es bei uns so schön ist –, kam die nächste Hiobsbotschaft: Es gab einen Totalausfall mitten im Saisongeschäft. Die anliegenden Gastronomen verzeichneten massive Umsatzeinbußen. Die Marina hatte weniger Kunden. Die Touristen, die wegen der gesperrten Lindaunis-Brücke ohnehin im Kreis fahren, standen frustriert am Ufer und mussten weite Umwege in Kauf nehmen. Die Kosten lagen bis dato bei 6,5 Millionen Euro. Das, meine Damen und Herren, ist kein Märchen; das ist Realsatire, und sie hat es sogar in das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft. Das Satire-Magazin extra 3 und Mario Barth sowie ständig und immer wieder die überregionale Presse haben berichtet. Über die plötzliche Berühmtheit konnte sich vor Ort allerdings niemand freuen. Die Einschränkungen für die Menschen sind erheblich: Keine Verlässlichkeit, monatelange Umwege von 40 Kilometern waren neben den Einnahmeausfall für den Pächter und anliegende Betriebe die teure Folge. Gleichzeitig wurde uns im Ausschuss vom Minister Madsen erklärt, dass Umbaumaßnahmen, um die Missunde II wieder fahren zu lassen, Monate dauern würden. Die Experten vor Ort, die die Missunde II bestens kennen, sprechen von nur 14 Tagen. Die wären jetzt um, hätte man nach dem Ausfall am Pfingstsonntag pragmatisch gehandelt. (Birte Pauls) Übrigens wissen wir nicht, ob die Wirtschaftlichkeit der Missunde III richtig berechnet wurde. Weil die Riesensolarfähre so schwer zu bändigen ist, braucht sie nämlich aus Sicherheitsgründen zwei Fährleute statt früher nur einen. Zudem braucht die Fähre doppelt so lange, um die Schlei zu überqueren. Kein Wunder, dass der Pächter in dritter Generation, Rüdiger Jöns, ankündigt, unter diesen Bedingungen rechne sich das für ihn nicht. Als wir das Thema Missunde zuletzt im Ausschuss hatten, wurde noch groß verkündet, der Wirtschaftsminister werde diese Woche einen VorOrt-Termin gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten durchführen. Nun waren sie nicht vor Ort; sie haben sich hier getroffen. Denn der Ministerpräsident – immerhin Wahlkreisabgeordneter auf der Schwansener Seite der Schlei – hat sich bisher nicht vor Ort blicken lassen. Er war auch bei diesem Gespräch nicht dabei. Das ist eigentlich keine gute Nachricht für die Region. Denn wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, ist es das: Nur wenn es zu 100 Prozent gute Nachrichten und nette Bilder gibt, lässt sich der Ministerpräsident einmal blicken. Für mich steht daher zu befürchten: Der nächste Ausfall der Fähre steht bevor. Ich hatte gerade noch einmal nachgefragt: Im Augenblick fährt sie noch. Die Kommunikation vor Ort ist miserabel, die Planung nicht gut, das bisherige Krisenmanagement fehlerhaft. All das führte nun zu Brandbriefen der regionalen Bürgermeister und der angekündigten Sammelklage. Dann wundern wir uns, dass irgendwann die Rechten – wie am letzten Sonntag – auftauchen, das als Politikversagen deklarieren und für sich instrumentalisieren. Das ist nämlich das, was da gerade passiert ist. Herr Minister Madsen, Schluss mit dieser Dauerimprovisation auf dem Rücken der Region. Machen Sie sich ehrlich! Wenn das Ding demnächst nicht voll belastbar und verlässlich fährt, müssen Sie das Ruder herumreißen. Vielleicht gibt es irgendwo auf der Welt einen guten Platz für die Missunde III. Überlassen Sie die Verantwortung den Akteuren vor Ort. Die anliegenden Betriebe verdienen jedenfalls eine Ausfallkompensation. Vor allen Dingen verdienen die Menschen eine Fähre, die fährt. – Danke schön. (Beifall SPD und SSW)

Alle Reden von Birte Pauls Protokoll ↗