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Serpil Midyatli

SPD 17.06.2026 Sitzungen 20/120

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe vorhin ja gesagt, dass es manchmal ganz gut ist, wenn Anträge etwas später beraten werden. Wir haben den Antrag ja bewusst vertagt, damit das nicht mehr ganz so emotional ist. Warum der Inhalt für Sie wie ein Sammelsurium wirkt, liegt daran, dass dieser Antrag und die Idee dazu entstanden ist, als die Stadtbilddebatte losgetreten worden war. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Ah!) Vielleicht macht es aus dieser Perspektive Sinn. Wenn über das Stadtbild gesprochen wird, dann ist Sicherheit immer ein ganz großes Thema, ohne aber die soziale Sicherheit zu berücksichtigen. Da sind natürlich auch die Bildungschancen wichtig. Das heißt, wenn ich mir jetzt die Schulabbrecherquoten angucke und sage, da sind aber 80 Prozent Jungs mit Migrationshintergrund, dann weiß ich genau, wie die Debatte geführt wird. Aber wenn ich sage, lasst uns doch bitte einmal gemeinsam schauen, was denn der Grund dafür ist, dann erlebe ich, wenn ich mich darauf einlasse, ganz andere Debatten. Deswegen wirkt es ein bisschen wie ein Sammelsurium, aber das eine wird ohne das andere nicht gehen. Ja, die allermeisten Menschen in Schleswig-Holstein – und das müsst ihr zugeben, weil Ihr auch da wohnt – wohnen in den Städten. Die, die nicht in den Städten wohnen, nutzen aber die Angebote in den Städten. Manchmal ist das total skurril. Sie wissen ja, ich habe früher in Gaarden und dann in Ellerbek gewohnt, und dann bin ich nach Gettorf gezogen. Eines Morgens sagt mein Mann zu mir: Serpil, komm mal schnell, guck mal hier! – Da haben wir beobachtet, wie ein Gettorfer wirklich jeden Morgen, als würde er zur Arbeit fahren, in die Bahn steigt. Wir kannten den vom Vinetaplatz aus Gaarden. Früher haben mir einige Sozialarbeiter_innen erzählt, dass wir so eine Art Tourismus in die Städte haben. Ich habe das nicht geglaubt, ich habe immer gesagt: Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Doch in der Tat: Der ist jeden Morgen aufgestanden, der ist immer bei uns vor der Haustür vorbei, weil er zum Bahnhof musste, und den habe ich dann natürlich nachher auf dem Vinetaplatz wieder gesehen. Das meine ich damit. Wisst ihr, was dieser Mensch gebraucht hat? – Der hat einen Ort gebraucht, an dem er sich zugehörig fühlt, wo er auf Menschen trifft, die ihn dann auch verstehen. Genau daran hakt es, glaube ich, in diesem Moment, dass wir ganz, ganz viel übereinander, aber zu wenig miteinander reden. Deswegen auch dieses Sammelsurium, weil wir auch niemanden vergessen wollen. Herr Buchholz, wenn Sie sagen, da trennt uns dann auch ganz vieles: Das ist vielleicht auch gut so. Sie bringen Ihre eigenen Vorstellungen mit. „Auf Rädern zum Essen“ bedeutet dann nicht, dass Sie mit dem Porsche vorfahren, sondern dass den Menschen, die auf eine Bewegungshilfe wie Rollatoren angewiesen sind, nicht immer einfach nur das Essen nach Hause geliefert wird. Denn die haben am Ende auch nichts davon, wenn sie immer alleine essen. (Beifall SPD) (Serpil Midyatli) Es wäre doch viel toller, Angebote zu haben, die alle erreichen und bei denen es nicht nur um das Geld geht, sondern um das Zusammenleben, darum, dass wir Orte schaffen, wo das selbstverständlich ist und dann vielleicht auch miteinander wieder mehr ins Gespräch kommen. Ich glaube, die Zeit ist wirklich reif, dass wir Orte schaffen, an denen sich die Menschen ins Gesicht gucken, in die Augen gucken, miteinander diskutieren, auch Kontroversen aushalten. Denn ich glaube, im Moment ist die größte Herausforderung, dass die Menschen wirklich nur da sitzen und immer nur wischen. Aber ich merke auch: Der Wunsch ist wieder da, zusammenzukommen. Vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, miteinander so eine Zukunftswerkstatt zu starten. Ich sage jetzt: Das ist noch nicht fertig.

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