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Anne Riecke

FDP 08.05.2026 Sitzungen 20/119

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kunst und Kultur sind ein wichtiger Teil einer freien Gesellschaft. (Beifall FDP, SPD und SSW) Sie sind Orte demokratischer Öffentlichkeit, weil sie gesellschaftliche Konflikte sichtbar machen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Sie fördern Bildung, Empathie und kulturelle Teilhabe, indem sie unterschiedliche Perspektiven, Geschichten und Lebenswirklichkeiten erfahrbar machen. Zugleich prägen sie die kulturelle Identität einer Stadt oder auch einer Region und sind damit weit mehr als nur eine schnöde Unterhaltung. Deshalb sollten uns die Sicherung der Vielfalt der Theaterlandschaft, die künstlerische Freiheit und der Zugang zu unseren Theatern für alle Bürgerinnen und Bürger ein politisches Grundanliegen sein. (Beifall FDP, SPD und SSW) Gleichzeitig müssen wir ehrlich bleiben: Öffentliche Theater kosten Geld, und sie werden in nicht unerheblichem Maße subventioniert. Sie werden auch in Zukunft öffentliche Mittel brauchen, wenn wir sicherstellen wollen, dass wir den Zugang zu unseren Theatern weiten Teilen der Gesellschaft ermöglichen möchten. Natürlich kann ein öffentliches Theater nicht wie ein rein gewinnorientiertes Unternehmen geführt werden. Das wäre kulturpolitisch falsch und würde dem Auftrag nicht unbedingt gerecht werden. (Beifall FDP, SPD und SSW) Aber es ist legitim zu fragen, wie Einnahmen verbessert werden können, ohne den Zugang zu Kultur zu erschweren. Dazu gehören moderne Vertriebs-8952 Schleswig-Holsteinischer (Anne Riecke) wege, attraktive Angebote für junge Menschen, Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und Tourismus, aber auch weniger Bürokratie bei Förderprogrammen und eine kluge Digitalisierung der Angebote. (Beifall FDP und SSW) Auch darf die Theaterpolitik nicht nur die großen Häuser sehen, sie muss die ganze Kulturlandschaft betrachten, auch jenseits der institutionell gut bekannten Strukturen. Förderprogramme sollten daher stärker für kleine Unternehmen und Soloselbstständige der Kultur- und Kreativwirtschaft geöffnet werden. Wir brauchen vereinfachte Antragsverfahren, damit jeder in der Lage ist, Förderungen zu erhalten. Dieser Gedanke gehört klar mit in ein Theaterkonzept. Meine Damen und Herren, die Coronajahre haben auch in der Theaterlandschaft tiefe Spuren hinterlassen. Die Schließungen haben zu Einnahmeausfällen geführt und die Besucherzahlen maximal gedrückt. Es zeigte sich, dass die Theater, aber auch die Kinos große Probleme hatten, wieder auf die alten Besucherzahlen zu kommen. Auch die Energiepreise haben viele Kulturbetriebe getroffen. Tarifsteigerungen müssen bewältigt werden, und die Kommunen haben ohnehin angespannte Haushalte vor sich. Zugleich zeigt die aktuelle Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins, dass die Menschen wieder ins Theater und ins Orchester zurückkehren. Für die Spielzeit 2024 wurden bundesweit 25,3 Millionen Besucher ausgewiesen, ein Plus von circa 13 Prozent gegenüber den Vorjahren. Das ist ein wichtiges Signal. Das Interesse ist da. Aber steigende Besuche lösen nicht automatisch die Finanzierungsprobleme unserer Theater. Um diese zu lösen, brauchen wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Theaterlandschaft in Schleswig-Holstein. Dazu gehört eine Betrachtung der Gebäudesituation und der Investitionsbedarfe, aber auch eine Analyse der Kostenentwicklung, insbesondere beim Personal. Wir müssen uns auch die Frage stellen, wie Theater ihr Publikum wieder dauerhaft erreichen können, wie kulturelle Bildung gestärkt wird und wie Angebote gerade in der Fläche erhalten bleiben, ohne dass es Doppelstrukturen gibt oder Angebote vorgehalten werden, die sich aufgrund der zu niedrigen Nachfrage eventuell überhaupt gar nicht halten. Deshalb sollten wir den Antrag im Ausschuss weiter beraten. Wir sollten dort die Theater selbst, die Kommunen, die freien und privaten Bühnen, die Beschäftigungsvertretungen und die Kulturverbände anhören, um möglichst zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SPD und SSW)

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