Uta Röpcke
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Unsere Theater sind eine unverzichtbare Säule der kulturellen Landschaft in Schleswig-Holstein. Sie sind Orte der Begegnung, kultureller Bildung und Orte, an denen aktuelle gesellschaftliche und auch politische Fragen – beispielsweise in Aufarbeitung der eigenen Geschichte, über die wir gerade gesprochen haben – früher, direkter und vielschichtiger verhandelt werden als anderswo. Theater allein retten nicht die Welt, aber sie können unseren Blick auf sie verändern. Genau deshalb ist es richtig, dass wir heute über die Zukunft der Theater in Schleswig-Holstein sprechen. Ich danke dem SSW ausdrücklich für diesen Aufschlag. Denn die Herausforderungen, vor denen alle Theater im Land stehen, sind real: Die Folgen der Pandemie noch nicht überwunden, gestiegene Personalund Sachkosten, öffentliche Haushalte unter Druck – wir haben es gehört –, wirtschaftliche Unsicherheiten. Das betrifft die öffentlichen Häuser genauso wie die kleineren privaten Spielorte und die freie Szene. Deshalb stimme ich Ihnen zu: Ja, wir brauchen einen ehrlichen Blick auf die Lage unserer Theaterlandschaft. Ja, wir müssen darüber sprechen, wie öffentliche Theater, freie Szene, private Theater und andere Akteurinnen und Akteure gut zusammenwirken können. Und ja, wir müssen kulturelle Angebote in der Fläche sichern und weiterentwickeln. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Beate Raudies [SPD]) Denn gerade in dieser Vielfalt liegt die Stärke unserer Theaterlandschaft mit den Standorten Kiel, Lübeck und dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Vielen Dank noch mal für die Geschichte des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, die wir hier hören durften. Mir ist dabei auch die freie Szene wichtig, die mit Formaten experimentiert und so neue Perspektiven eröffnet und mit der es eine gute Zusammenarbeit gibt, zum Beispiel mit Produktionen wie „Prinzip (Uta Röpcke) Rauschen“ in Dithmarschen, wo ein Bus über Land fährt und auf Höfen spielt, oder das tief bewegende und persönliche Tanztheaterstück „Herbert“ von Mark Christoph Klee oder dem Nordischen Theaterfrühling im Lübeck mit dem Kindertheaterfestival, das begeistert. Theater ist dort stark, wo es nah an Lebenswirklichkeiten bleibt, ästhetisch etwas wagt und aktuell relevante Fragen bewegt. Genau deshalb brauchen wir verlässliche, institutionelle Förderung der großen etablierten Häuser des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und eine lebendige freie Szene. Beides kann und soll sich ergänzen und gegenseitig bereichern, das ist bereits gelebte Praxis. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aber – Sie haben es geschildert – die Rahmenbedingungen haben sich seit 2013 grundlegend verändert, finanziell, strukturell wie kulturpolitisch, und die Lage ist hochdynamisch. Das haben Sie auch beschrieben. Das Schleswig-Holsteinische Landestheater steht unter erheblichem finanziellen Druck, die kommunalen Gesellschafter tragen einen großen Teil der Verantwortung für die Beschäftigten, für die kulturelle Infrastruktur und für die Menschen, die dieses Angebot nutzen. Deswegen, und da sind wir uns einig, kommt es jetzt auf Stabilität, Verlässlichkeit und gemeinsames Handeln der Beteiligten an. Das heißt, das Land und die Kommunen müssen ihren Teil der Verantwortung weiter tragen. (Sybilla Nitsch [SSW]: Genau! Das Land auch!) – Da sind wir uns einig. (Sybilla Nitsch [SSW]: Guter Punkt!) Ich glaube, es muss uns um die gesamte Theaterlandschaft in Schleswig-Holstein gehen, um kulturelle Teilhabe, um Kinder und Jugendliche, um Kooperationen und darum, wie unter schwierigen finanziellen Bedingungen Qualität, Vielfalt und regionale Erreichbarkeit erhalten werden kann. Und, das ist hier noch nicht gesagt worden, Theater ist auch eine Teilbranche der Kultur- und Kreativwirtschaft. Es schafft Arbeitsplätze, Aufträge für regionale Betriebe, Impulse für die Innenstädte, Gastronomie, Tourismus und regionale Entwicklungen. Das heißt: Theaterförderung ist eine Investition in die kulturelle Infrastruktur. Also: Wir teilen viele Gedanken Ihres Antrags, schlagen aber genau aus diesem Grund nicht eine Fortschreibung des Konzeptes vor, sondern eine Bestandsaufnahme, und zwar der öffentlichen sowie der privat geführten Theater- und Laienbühnen, die erstens die Finanzierungsstrukturen, zweitens die Besucherzahlen und drittens die regionale Verteilung der Theater erfasst. Die Organisationsuntersuchung dazu ist bereits in Auftrag gegeben. Die werden wir durchführen. Ich glaube, wir sollten die Ergebnisse abwarten, bevor wir konzeptionelle Vorfestlegungen treffen und uns dann auf dieser Grundlage mit der strategischen Weiterentwicklung der gesamten Theaterlandschaft in Schleswig-Holstein beschäftigen und vielleicht im Kulturdialog, so regen wir das an, oder in einem anderen Format zu einer guten Lösung für unser gemeinsames Theaterland Schleswig-Holstein kommen. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)
