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Christian Dirschauer

SSW 19.03.2026 Sitzungen 20/115

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich hier heute über die Flensburger Förde spreche, dann spreche ich nicht nur als Abgeordneter, dann spreche ich auch als Flensborgdreng – zu deutsch: als Flensburger Jung. Ich bin mit der Förde aufgewachsen, mit dem Blick aufs Wasser, ganz viel im Wasser und mit einem Großvater, der im Sommer seine Tätigkeit als Maschinenschlosser ruhen ließ und sich als Strandwärter verdingte, vermutlich auch mit sehr viel mehr Zeit als andere am Wasser, meine Damen und Herren, und immer mit dem Gefühl, dass das mehr als nur ein Ort ist. Es ist Heimat, es ist Identität, und die Förde ist auch Lebensqualität. (Beifall SPD, Rixa Kleinschmit [CDU] und Sybilla Nitsch [SSW]) Genau deshalb trifft es mich wie viele andere Menschen an der Förde, wenn wir sehen, in welchem Zustand sich unsere Förde heute befindet: Sauerstoffmangel, Überdüngung, Artenrückgang. Meine Damen und Herren, das ist keine ideologische Umweltdebatte, das ist tatsächlich unsere Förde und in vielerlei Hinsicht auch unsere Lebensgrundlage. Ich will klar sagen: Ich stehe heute nicht mit irgendeinem neuen Vorschlag aus dem Nichts hier. Als SSW beschäftigen wir uns mit diesem Thema seit Jahren grenzüberschreitend. Bereits 2021 haben wir als SSW den ersten Bericht zum Umweltzustand der Flensburger Förde initiiert – nicht weil es politisch opportun war, sondern weil klar war, wir müssen hinschauen. Wir müssen ehrlich hinschauen. Wir haben uns aber nicht auf Berichte beschränkt. Als SSW haben wir gemeinsam mit dänischen und deutschen Naturschutzorganisationen und den engagierten Taucherinnen und Tauchern von der Mission Förde e. V. auch selbst mit angepackt beim Anpflanzen von Seegras, ganz konkret im Wasser vor Ort – aber auf dänischer Seite, weil es auf deutscher Seite verwaltungstechnisch kompliziert ist und das Wasser- und Schifffahrtsamt sogar Nutzungsgebühren von den gemeinnützigen Vereinen (Christian Dirschauer) verlangt, wenn sie Seegraswiesen anlegen wollen: völlig absurd. Wir haben Runde Tische und Konferenzen organisiert, unter anderem im dänischen Generalkonsulat, parteiübergreifend, um Menschen zusammenzubringen, die Verantwortung tragen: Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Mir selbst wurde die Ehre zuteil, für den UNESCO-Sonderausschuss zur Förde der Kommune Aabenraa benannt zu werden, um zu verstehen und mitzugestalten, wie unsere dänischen Nachbarn die Zukunft der Förde sehen und wie wir gemeinsam Lösungen entwickeln können. Wissen Sie, was sich durch all diese Gespräche gezogen hat? – Drei kurze Sätze, immer wieder: Wir wissen, was das Problem ist, wir handeln gemeinsam nicht konsequent genug, wir brauchen eine Struktur. (Beifall SSW und SPD) Wir müssen den Mut haben, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Dazu gehört für mich ganz klar: Die Wildmuschelfischerei in der Förde muss beendet werden. (Beifall Sybilla Nitsch [SSW] und Dr. Heiner Garg [FDP]) Das fordert auch der Flensburger Fischereiverein. Das ist doch bemerkenswert. Denn sie greift massiv in den ohnehin geschwächten Meeresboden ein, wirbelt Sedimente auf, verschärft Sauerstoffprobleme und zerstört Lebensräume, die wir eigentlich schützen und wiederherstellen wollen. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang ausdrücklich bei dem Unterwasserteam Flensburg für seine beeindruckende Arbeit bedanken und für das Sichtbarmachen dessen, was viele sonst nie sehen würden. Genau da liegt der Kern. Wir haben viele gute Initiativen, viele engagierte Menschen, viele Projekte, aber uns fehlt das Entscheidende: Verbindlichkeit, Koordination und gemeinsame Steuerung. Oder ganz deutlich gesagt: Wir brauchen für die Förde keine Teekränzchen mehr, wir brauchen endlich konkretes Handeln. (Beifall SSW und vereinzelt SPD) Deshalb schlagen wir als SSW heute zwei Dinge vor. Erstens die deutsch-dänische Förde-Agentur als echte handlungsfähige Struktur mit Verantwortung, Personal und Budget, und zweitens das Sonderprogramm Zukunftsraum Flensburger Förde. Denn klar ist auch: Gute Ideen allein retten die Förde nicht. Man braucht auch die Mittel, um sie umzusetzen. Dieses Sonderprogramm ist kein Selbstzweck. Es ist die Voraussetzung dafür, dass wir ökologische Maßnahmen wirklich umsetzen, dass wir Projekte nicht nur anstoßen, sondern zu Ende bringen, dass wir langfristig planen können, statt von Förderperiode zu Förderperiode zu springen. Es geht um die Wiederherstellung von Seegraswiesen, die Schaffung von Steinriffen, die Reduktion von Nährstoffeinträgen, den Schutz unserer Küsten, nachhaltigen Tourismus, Innovation und Forschung und vor allem die Einbindung der Menschen vor Ort. Denn eines ist mir besonders wichtig: Die Flensburger Förde gehört nicht uns als Politik, die wir heute diskutieren, sie gehört den Menschen. Sie verbindet Deutschland und Dänemark, Städte und Gemeinden und auch Generationen. Wenn wir jetzt nicht handeln, dann werden wir in ein paar Jahren nicht mehr darüber diskutieren, wie wir die Förde entwickeln, sondern darüber, was wir alles verloren haben. Ich will das nicht akzeptieren, und die Menschen in unserer Region wollen das auch nicht akzeptieren. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam dafür sorgen, dass die Flensburger Förde das bleibt, was sie für alle ist: ein lebendiger Naturraum, ein wirtschaftlicher Motor, ein Stück Heimat und Kultur. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW und SPD)

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