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Anne Riecke

FDP 19.03.2026 Sitzungen 20/115

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der SPD-Fraktion greift ein Thema auf, das in der Bildungspolitik seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es geht um Lernstandserhebungen, um Bildungsmonitoring, um Verlaufsdaten und letztlich um die Frage, wie wir aus den vielen Informationen über das Lernen unserer Schülerinnen und Schüler tatsächlich einfach bessere Bildung machen können. Denn eines ist unbestreitbar: Im Bildungswesen stehen heute deutlich mehr Daten zur Verfügung als noch vor einigen Jahren. Digitale Lernplattformen, Vergleichsarbeiten, zentrale Prüfungen oder Bildungsberichte liefern eine Vielzahl von Informationen über Lernstände, Kompetenzen und Bildungsbiografien. Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht, ob wir Daten haben, der entscheidende Punkt ist, ob wir sie sinnvoll nutzen. Genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Herausforderung. Ein viel zu häufiges Problem in unseren Bildungseinrichtungen, nicht nur in Schleswig-Holstein, ist leider, dass Konzepte und Lehrmethoden ohne hinreichenden Wirknachweis in den Schulen ausgerollt werden. Die dafür notwendigen Datenerhebungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse werden in unserem Schulsystem zwar in Teilen erhoben oder bereitgestellt, aber leider nicht oft genug konsequent ausgewertet oder erst recht nicht angewendet. Das Experiment an Hamburger Grundschulen mit der mittlerweile verbotenen Methode „Schreiben nach Gehör“ ist erst wieder abgeschafft worden, nachdem Studien nachweislich ihre Schwächen aufgedeckt haben und das Programm schon eine Zeitlang gelaufen war. (Beifall FDP und SSW) (Anne Riecke) Das Ziel müsste aber sein, dass ungeeignete Methoden gar nicht erst zugelassen werden, weil entsprechende Daten frühzeitig zeigen, dass sie überhaupt nicht funktionieren. Dazu muss man aber den Willen haben, Daten entsprechend zu nutzen, und es darf nicht so verfahren werden, wie es in der letzten oder einer der letzten Bildungsausschusssitzungen mitgeteilt worden ist, als wir auf die Anfrage an LeA.SH, wie die Daten eventuell vom Land genutzt werden, die Antwort erhielten: Die Daten werden nicht vom Land genutzt, sondern sie werden nur für die Schulen bereitgestellt. (Beifall FDP) Das heißt, es werden Lernstandserhebungen bei uns hier in Schleswig-Holstein in den Klassen 1 und 5 gemacht, aber diese Daten werden vom Land Schleswig-Holstein nicht genutzt. Das geht nicht. (Beate Raudies [SPD]: Weiß das Herr Schrödter?) – Weiß ich nicht, aber das ist die Antwort gewesen. Sie nur zu erheben, nützt nämlich erst einmal niemandem. Im Gegenteil, das kostet Zeit und Ressourcen, die im schulischen Umfeld ohnehin knapp sind, und diese Daten, die mit viel Aufwand erhoben werden, verschwinden viel zu häufig dann in irgendeiner Schublade oder aber werden genau dann rausgeholt, wenn sie die eigene Sichtweise stützen sollen. Wir müssen den Schritt dahin unternehmen, dass wir Daten ehrlich, sachlich und vorbehaltlos analysieren und daraus ideologiefrei unsere Schlüsse ziehen. (Beifall FDP und SSW) Nur dann haben Daten tatsächlich einen Zweck. Es geht nicht darum, jemanden und seine Methoden zu brandmarken oder einen Wettbewerb zu entfachen, wir müssen einfach viel besser wissen, wie wir unsere Kinder erreichen oder wie wir sie überhaupt noch erreichen können. Wenn 20 Prozent der Grundschüler die Mindestanforderungen im Lesen, Schreiben, Rechnen nicht erreichen, dann können wir es uns nicht länger leisten, hier Zeit zu vergeuden. Der zweite wichtige Schritt ist, dass wir von dem Gedanken wegkommen müssen, dass das Aufzeigen von Schwächen oder von Lernmethoden durch Datenerhebung zu einer Stigmatisierung oder Ausgrenzung führt, die unter allen Umständen vermieden werden muss. Wenn bei einem Kind Sprachdefizite festgestellt werden und daraus eine Förderung abgeleitet wird, dann hat das nichts mit Stigmatisierung zu tun, sondern mit Verantwortung und mit Fürsorge. Es ist absolut nichts gewonnen, wenn wir Kinder einschulen, die aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse dem Unterricht einfach nicht folgen können und die von Anfang an keinerlei Chance auf eine überhaupt funktionierende Bildungskarriere haben. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir den SPD-Antrag und freuen uns auf die weiteren Diskussionen zu diesem Thema. (Beifall FDP, SPD und SSW) Sehr geehrter Kollege Balasus, ich möchte noch einmal kurz etwas zu Ihnen sagen. Die SPD macht einen Antrag, weil sie etwas fordert. (Martin Balasus [CDU]: Aber nichts Neues!) Also ich glaube, das ist der Sinn eines Antrages. Wenn Sie sagen, sie machen einen Antrag, um dort reinzuschreiben, was alles schon gemacht worden ist, dann ist das Lobhudelei – doch! (Beifall FDP, SPD und SSW – Martin Balasus [CDU]: Die Frage ist, wie es weitergeht!)

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