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Anne Riecke

FDP 27.02.2026 Sitzungen 20/113

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Für viele junge Menschen ist Schule der Ort, an dem sie zum ersten Mal er- (Anne Riecke) leben, ob sie so, wie sie sind, akzeptiert werden, oder ob sie lernen müssen, sich zu verstecken, sich in irgendeiner Weise anzupassen oder vielleicht völlig unsichtbar zu werden, um durch die Schule zu gehen. Wenn wir heute über queere Vielfalt an Schulen sprechen, dann sprechen wir nicht über ein Randthema. Wir sprechen über das Grundversprechen unseres Bildungssystems, dass jedes Kind unabhängig von Herkunft, Glauben, sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität die gleichen Chancen hat. Ich danke der SPD-Fraktion für ihren Antrag. (Beifall FDP, SPD und SSW) Es ist richtig und wichtig, Sensibilität für queere Vielfalt zu fördern. Wir sehen ebenfalls, dass Diskriminierung und Mobbing gegenüber LSBTIQ+-Jugendlichen reale Probleme mit mittlerweile gravierenden Folgen für Bildungsbiografien und psychische Gesundheit sind. Wir sind aber auch davon überzeugt: Wenn wir dieses Problem ernsthaft angehen wollen, dann brauchen wir einen strukturellen Ansatz und keinen Maßnahmenkatalog, der einzelne Aspekte herausgreift. Der SPD-Antrag setzt Schwerpunkte bei der Anerkennung des dgti-Ergänzungsausweises, bei geschlechtergerechter Sprache, bei Unisex-Toiletten und bei einer Handreichung. Das sind Diskussionspunkte, aber sie greifen uns zu kurz. Der Antrag verengt das Thema faktisch auf transund intergeschlechtliche Schülerinnen und Schüler. Diese verdienen selbstverständlich Schutz. Aber queere Vielfalt umfasst viel mehr als das. (Beifall FDP und SSW – Dr. Heiner Garg [FDP]: Das stimmt!) Auch schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche erleben Ausgrenzung – oft alltäglich, oft auch subtil. Wenn wir Vielfalt fördern wollen, dann dürfen wir sie nicht auf einzelne Gruppen reduzieren. Einzelmaßnahmen ersetzen keine strukturelle Verankerung. Eine Broschüre allein verändert keine Schulkultur. Eine Toilettenregelung ersetzt keine pädagogische Auseinandersetzung. Eine Erlassdebatte über Sprache ersetzt keine Fortbildung für Lehrkräfte. (Beifall FDP und SSW) Genau deshalb legen wir einen Alternativantrag vor. Unser Ansatz ist klar: Vielfalt ist Realität. Sie gehört selbstverständlich in den Unterricht. Wir fordern, sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität in angemessener Form in den Fachanforderungen zu verankern: altersgerecht und fachlich fundiert, nicht beschränkt auf den Sexualkundeunterricht, sondern als Teil einer werteorientierten Bildung, (Beifall FDP) die unterschiedliche Lebensentwürfe, Partnerschaften und Familienmodelle abbildet. Das ist kein ideologisches Projekt, sondern das ist eine Frage der Lebenswirklichkeit. Wir wollen außerdem sicherstellen, dass die Sensibilisierung für diese Themen Bestandteil der Lehrkräfteaus- und ‑fortbildung wird, denn am Ende entscheidet sich vieles einfach auch im Klassenraum. Lehrkräfte brauchen Sicherheit im Umgang mit Diskriminierung, mit Konflikten, mit Fragen von Identität. Das darf eben nicht vom persönlichen Engagement einzelner abhängen. Vielfalt sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität soll in angemessener Form im Unterricht stattfinden und in der Lehrkräftebildung systematisch berücksichtigt werden. Genau diesen strukturellen Weg gehen wir. Darüber hinaus wollen wir bestehende Bildungsund Präventionsangebote weiterentwickeln und landesweit zugänglich machen. Projekte wie SCHLAU SH leisten bereits eine wertvolle Arbeit in der Aufklärung und beim Abbau von Vorurteilen. Solche Kooperationen zwischen Schulen und der Gesellschaft wollen wir gestärkt sehen. Uns ist ein weiterer Punkt wichtig, nämlich transparente Beschwerde- und Unterstützungsstrukturen. Schülerinnen und Schüler, die Diskriminierung erleben, müssen wissen, an wen sie sich wenden können – niedrigschwellig, verlässlich und wirksam. Auch der respektvolle Umgang mit selbstgewählten Namen und Anreden gehört dazu. Im Rahmen der geltenden gesetzlichen Vorgaben soll im Schulalltag ein respektvoller und praktikabler Umgang damit sichergestellt werden. Verwaltung und Selbstbestimmung dürfen hier kein Gegensatz sein; sie müssen in einen vernünftigen Ausgleich gebracht werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, junge Menschen sollen sich frei von Angst, Diskriminierung und Ausgrenzung entwickeln können. Vielfalt darf im Schulalltag weder tabuisiert noch auf einzelne Aspekte verkürzt werden. Der Unterschied zwischen dem SPD-Antrag und unserem Antrag liegt im An- (Anne Riecke) satz. Der SPD-Antrag listet Einzelmaßnahmen auf. Wir setzen auf strukturelle Verankerung. Wir wollen keine Symbolpolitik, sondern nachhaltige Veränderung, keine punktuellen Debatten, sondern eine Schulentwicklung, die Vielfalt selbstverständlich macht – für eine Schule in SchleswigHolstein, in der jedes Kind sagen kann: Ich darf hier so sein, wie ich bin. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SPD und SSW)

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