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Anne Riecke

FDP 26.02.2026 Sitzungen 20/112

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Frage, ob ein Kind das Gymnasium besucht oder nicht, scheint immer mehr zu einer fast existenziellen Frage zu werden. In Teilen der Gesellschaft ist es offensichtlich weit verbreiteter Glaube, dass nur der Besuch des Gymnasiums eine vielversprechende Bildungskarriere verheißen kann. Das hat sicherlich viele Gründe. Ich finde aber, dass wir uns als politische Entscheidungsträger die Frage gefallen lassen müssen, woher dieser Glaube überhaupt kommt. Auch, wie die aktuelle Wahrnehmung unserer Gemeinschaftsschulen eigentlich ist, wenn viele Eltern partout nicht wollen, dass ihr Kind diese Schulform besucht, unabhängig, wie der Leistungsstand des Kindes, ist und ungeachtet der Tatsache, dass ja auch dort das Abitur gemacht werden kann. Auch die häufig zu einseitige Fokussierung auf die akademischen Bildungswege und die auf der Kehrseite vernachlässigte berufliche Bildung haben sicher von politischer Seite einen Teil zur Wahrnehmung beigetragen, dass am Gymnasium und am Abitur kein Weg vorbeizuführen scheint. Aber womöglich wird das nicht mehr lange so bleiben. Mit dem Aufkommen von KI und einer rasant voranschreitenden Automatisierung gerade von Bürotätigkeiten wird sich vielleicht schon bald herausstellen, dass ein Tischler oder ein Dachdecker sehr viel zukunftssicherer aufgestellt sein wird als ein Jurist oder ein Journalist. Aber wie stellen wir nun sicher, dass der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule verantwortungsvoll, leistungsgerecht und im Sinne der Kinder gestaltet wird? Wie vermeiden wir vor allem Überforderung und Frustration, die diese Kinder unweigerlich erleben, wenn sie dem Unterricht auf dem Gymnasium nicht folgen können? Wie vermeiden wir unnötige Schulwechsel, zusätzlichen Verwaltungsaufwand und das Herausnehmen von Schülern aus dem Klassenverband? Eine Möglichkeit wäre, die Schulartempfehlung verbindlich zu gestalten. Damit würde vermieden werden, dass sich die Eltern über die Einschätzung der Lehrer hinwegsetzen und ihre Kinder trotz fehlender Empfehlung auf ein Gymnasium schicken. Wir glauben aber, dass eine Eignungsprüfung hier der bessere Weg wäre. Der Grundgedanke ist, dass es diese nur geben soll, wenn eine Gymnasialempfehlung nicht vorliegt, das Kind aber durch den Elternwillen trotzdem auf ein Gymnasium geschickt werden soll. Das heißt aber auch, uns geht es natürlich ausdrücklich nicht um zusätzliche Hürden für diejenigen, die eine klare Empfehlung erhalten haben. Für sie soll es beim bisherigen Verfahren bleiben. Aus unserer Sicht braucht es in allen anderen Fällen einen verlässlichen, überprüfbaren Leistungsstand, damit sichergestellt werden kann, dass das Kind dem Unterricht folgen kann. (Beifall FDP) Das ist kein Misstrauensvotum gegen Eltern oder Kinder, sondern dient der Schaffung einer objektiven Einschätzungsgrundlage. Wenn wir damit erreichen, dass Kinder von Anfang an in der für sie passenden Schulart starten, dann ist das ein Gewinn für ihre individuelle Entwicklung. (Beifall FDP) Gleichzeitig betonen wir ausdrücklich die Durchlässigkeit unseres Systems. Ein Kind, das sich auf (Anne Riecke) einer anderen Schulart positiv entwickelt, kann später immer noch den Weg zum Abitur einschlagen.

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