Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kulturpolitik hat gerade – ich habe das schon einmal so ähnlich gesagt – nach meiner Wahrnehmung eher ein schweren Stand. Auch die Kulturpolitik dieser Landesregierung kommt mir eher ambitionslos vor, als dass ich den großen Wurf erkennen könnte. 50.000 Euro für die Filmförderung klingen erst einmal nicht nach besonders viel, vor allem dann nicht, wenn man sich die von der MOIN Filmförderung geförderten Projekte ansieht. In einzelne Förderprojekte fließen da schon einmal 20.000, 50.000, 100.000 Euro oder noch deutlich mehr. Film ist teuer. Noch nicht ganz so teuer, aber mindestens genauso förderungswürdig sind die Abschlussarbeiten derer, die gerade gelernt haben, Filme herzustellen. Wir haben in Schleswig-Holstein drei Hochschulen, an denen Studierende lernen, Filme zu drehen; die HAW Kiel, die Muthesius Kunsthochschule und die Hochschule Flensburg. Wir hatten bisher aber – übrigens im Gegensatz zu Hamburg – kein Förderinstrument für die Abschlussarbeiten Studierender in filmnahen Studiengängen, was eine ganz ungute Konkurrenzsituation begünstigt. Auch Abschlussfilme sind teuer. Ich habe mir sagen lassen, dass sich schlecht voraussagen lässt, was ein Abschlussfilm als Kurzfilm generell kostet. Man bewegt sich aber auch da wohl schon in einem unterschiedlich hohen vierstelligen Bereich. Es geht um Sach- und Reisekosten, um Equipment, das die Hochschulen so nicht haben, oder tatsächlich mal um die eine oder andere kleine Gage von Schauspielerinnen und Schauspielern. Die MOIN Filmförderung damit zu betrauen, gemeinsam mit den betroffenen Hochschulen auch für SchleswigHolstein ein geeignetes Förderverfahren zu erarbeiten, halte ich daher für eine gute Idee. (Beifall Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wir als SSW unterstützen diesen Antrag, wie wir auch schon den Haushaltsposten unterstützt haben. Einzig würde ich mir erhoffen, dass wir uns noch einmal nach einem angemessenen Probelauf im Kultur- und Bildungsausschuss anschauen, wie das Verfahren letztlich zur Geltung gekommen ist. Das (Jette Waldinger-Thiering) eilt nicht; es könnte vielleicht nach zwei bis drei Jahren geschehen. (Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja!) Perspektivisch ist möglicherweise jetzt schon klar, dass es neben einer Verstetigung der Mittel auch einen Aufwuchs brauchen wird. Mir kommt die Idee schon jetzt gut durchdacht vor, da die Förderung der Abschlussarbeiten in diesem Antrag direkt in einen Zusammenhang mit dem Übergang ins Berufsleben gestellt wird. So würde ich mir auch erhoffen, durch eine Evaluation zu gegebener Zeit zu erfahren, wie die Abschlussfilme beispielsweise auf Filmfestivals angekommen sind oder ob sie anderweitig Aufmerksamkeit erfahren haben. Aufmerksamkeit, die Währung des 21. Jahrhunderts: Das habe ich neulich erst wieder gelesen. Während sich Kulturstaatsminister Weimer Aufmerksamkeit für Blockbuster Made in Germany wünscht, wünsche ich mir Aufmerksamkeit für die Perspektiven junger Filmemacherinnen und Filmemacher, (Beifall ganzes Haus) für Stimmen, die bisher vielleicht noch nicht ganz so viel Gehör bekommen haben, und für Geschichten aus dem echten Norden. Der Norden ist noch lange nicht abgedreht. So heißt ein Slogan der Filmförderung Hamburg SchleswigHolstein, und ich gebe ihnen da wirklich recht. Einige von Ihnen werden vielleicht den Film Amrum schon gesehen haben. (Zurufe: Ja! Ein sehr guter Film!) Er ist zwar keine Abschlussarbeit, aber auch ein Film, der eine bedeutende Summe Fördermittel von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein bekommen hat. Es geht in diesem Film – grob verkürzt – um die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm auf der Insel Amrum in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Es geht um die deutsche Kapitulation, den Nationalsozialismus, das Leben auf Inseln, die Welt und eben auch um Amrum. Gesprochen wird immer auf Öömrang, das Friesisch, das auf Amrum gesprochen wird. Es gibt hier noch viele Geschichten, die über Morden im Norden hinausgehen. Ich freue mich, wenn es dem Filmnachwuchs etwas leichter gemacht werden kann, diese Geschichten abzubilden. Zum Schluss möchte ich noch sagen: Meine geschätzte Kollegin Beate Raudies hat von einer Feder gesprochen, und es gibt ein ganz wunderbares Märchen von Hans Christian Andersen, das sich um eine kleine Feder dreht, die zu fünf Hühnern wird. Vielleicht kann man sich das mal durchlesen. Dann wird es nämlich so etwas Ähnliches, wie es Frau Raudies vorhin gesagt hat. Man kann von einer kleinen Feder durch viele Gespräche plötzlich zu fünf Hühnern kommen. Insofern: Ein Glück auf für die Filmförderung! (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP)
