Uta Röpcke
Sehr verehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sie mögen sich wundern, dass wir zu einer im Haushalt bereits bewilligten und vergleichsweise geringen Summe diesen Antrag stellen. Warum tun wir das? (Beate Raudies [SPD]: Das frage ich mich auch!) Deswegen möchte ich Ihnen diese Frage jetzt beantworten: Erstens, weil dieser Haushaltstitel neu ist. Zweitens, weil er noch nicht ausgestaltet ist. Und drittens, weil wir klar benennen wollen, welche Lücke damit geschlossen werden soll. Denn ein Titel im Haushaltsplan allein produziert noch keinen Film. Deshalb wird es in einem ersten Schritt darum gehen, aus diesen Mitteln ein funktionierendes Instrument zu machen, das Studierende schon ab dem Sommersemester 2026 tatsächlich erreicht, und zwar unbürokratisch und fair. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) (Uta Röpcke) In der Regierungserklärung gestern ging es um ein umfassendes Bildungspaket, um Verlässlichkeit, um Chancengerechtigkeit, um Übergänge. Dieser Antrag folgt derselben Logik, nur an einem anderen Übergang: vom Studium in die Praxis, von der Abschlussarbeit zur professionellen Sichtbarkeit. Warum braucht es diese neue Struktur? Weil filmische Studienleistungen keine Seminararbeit mit Kamera sind. Wer einen Kurzfilm, eine Doku oder ein künstlerisch experimentelles Bewegtbildprojekt fertigstellt, braucht reale professionelle Produktionsbedingungen, Dreh, Ton, Schnitt und am Ende eine Postproduktion auf einem Niveau, das festivalfähig ist. Genau hier entscheiden vergleichsweise geringe Summen darüber, ob ein Film fertiggestellt, ob er eingereicht und auch angenommen wird, und damit auch darüber, ob der erste Karriereschritt gelingt, sprich, ob sich ein Talent in eine künstlerische Laufbahn verwandelt. Ein Beispiel aus Schleswig-Holstein macht das greifbar: Flensburg Süßbitter. Fünf Studierende aus dem Bachelorstudiengang Film & Media Arts an der Hochschule Flensburg haben sich filmisch mit der kolonialen Rum-Handelsgeschichte Flensburgs auseinandergesetzt und damit bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt: Der Film wurde beim Deutschen Jugendfilmpreis 2024 ausgezeichnet und begeisterte auf unzähligen Festivals. Solche Beispiele zeigen: Talent ist da, relevante Stoffe sind es auch, aber ohne professionelle Produktionsbedingungen bleibt Qualität zu oft unsichtbar. In Schleswig-Holstein haben wir drei fantastische Hochschulen in dem Bereich mit sehr unterschiedlichen Profilen. In Flensburg ist die technische Ausstattung gut, aber es fehlen oft Mittel für Sachkosten bei Drehs für Reisen, Unterkünfte und Catering. An der HAW Kiel braucht es Mittel für Produktionsnebenkosten, und an der Muthesius stehen wieder andere Bedarfe im Vordergrund. Wenn Absolvent_innen erleben, dass sie ihre Projekte hier professionell verwirklichen können, bleiben sie, gründen und vernetzen sich. Wenn nicht, wandern sie dorthin ab, wo Strukturen verlässlicher sind, nach Hamburg, Berlin, NRW oder Bayern. Genau diese Abwanderung wollen wir mit einem kleinen, klugen Hebel verhindern. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Wie genau das gelingt, wissen Hochschulen und die MOIN Filmförderung aus der Praxis selbst am besten. Wir nehmen die Hochschulen in ihrer Profilfreiheit ernst. Unterschiedliche Bedarfe müssen Stu-dierenden gleich faire Chancen bieten. Daher unser Vorschlag, jetzt zügig eine schlanke Übergangslösung für 2026 zu schaffen, damit Studierende sofort profitieren können, und parallel die gemeinsame Entwicklung eines dauerhaften Verfahrens. 50.000 Euro werden keine ganze Branche finanzieren, aber sie können jedes Jahr mehrere studentische Abschlussarbeiten ermöglichen, die es sonst nicht gäbe, und damit können sie Abwanderung verhindern. Ob Schleswig-Holstein Filmstandort ist, entscheidet sich nicht allein an großen Produktionen wie Amrum oder prominenten Namen, sondern genau dort an den Hochschulen, wo Nachwuchs bleibt oder geht. Film- und audiovisuelle Formate sind Kultur und gleichzeitig kreativwirtschaftliche Wertschöpfung. Dienstleistungsketten vom Tonstudio bis zur Postproduktion bedeuten Ansiedlungen, Gründungen, Aufträge und Innovationen. Der Antrag formuliert deshalb ausdrücklich das Ziel, die Kreativwirtschaft und die regionale Wertschöpfung zu stärken und zugleich Bildungsgerechtigkeit zu fördern, damit Qualität von studentischen Abschlussarbeiten nicht vom Geldbeutel abhängt. Und sie können dazu beitragen, dass Schleswig-Holstein nicht nur Drehort bleibt, sondern Herkunftsort neuer junger Stimmen, Gesichter und filmischer Geschichten aus Schleswig-Holstein. – Ich danke Ihnen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SSW)
