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Birte Pauls

SPD 26.02.2026 Sitzungen 20/112

Verehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bedanke mich auch im Namen der SPDFraktion für den Bericht des Ministeriums bei allen Akteuren, die zum Inhalt beigetragen haben, und bei der FDP für die Initiative. (Beifall Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) „Du bist gut, wie du bist!“ – Wie schön wäre es, wenn jedes Kind diesen Satz jeden Morgen zu hören bekommen würde. Vielleicht wären die Kinder und Jugendlichen resilienter, wenn es um Mobbing in der Schule oder im Alltag geht oder die Schönheitsideale, die auf Social-Media-Kanälen kursieren, und das vermeintlich Schöne immer nur mit schlanken und ganz perfekten Körpern einhergeht. Die Zahlen, die uns der Bericht liefert, sind erschreckend: In Schleswig-Holstein erkranken im Durchschnitt mehr Menschen je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern an Essstörungen als in anderen Bundesländern. Die Covid-19-Pandemie ist eben doch nicht spurlos an unseren Kindern vorbeigegangen, wie der Anstieg der Essstörungen in den Jahren 2020 und 2021 deutlich zeigt. Die Anzahl der Behandlungen von zehn- bis 17-jährigen Frauen hat sich in den letzten 20 Jahren auf 6.000 im Jahr 2023 verdoppelt – und das sind nur die Behandlungszahlen. Wahrscheinlich liegt die Dunkelziffer weitaus höher, weil das auch etwas mit Scham und Unsicherheit zu tun hat. Wenn laut einer Studie 60 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen im Alter von acht bis 18 Jahren angeben, dass sie zumindest teilweise unzufrieden mit ihrem Körperbild sind, dann läuft hier ganz gewaltig etwas schief. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Meist sind es die Mädchen, die eine höhere Unzufriedenheit zeigen. Sie haben häufiger den Wunsch, schlanker zu sein. Laut Bericht sind es häufiger die Mädchen und die jungen Frauen, die von einer anerkannten Essstörung betroffen sind – mit all den zusätzlichen Belastungen und Begleiterscheinungen, die damit tatsächlich verbunden sind. Das ergab bereits die Antwort auf unsere Große Anfrage zum Thema Frauengesundheit. Wie schlimm muss es für die betroffenen Mädchen sein, wenn sich alles immer nur ums Essen beziehungsweise ums Nichtessen dreht, wenn jede Kalorie gezählt wird, wenn sich jegliche Unbekümmertheit, die eine Jugend eigentlich ausmachen sollte, in maximale Kontrolle dreht! Was für eine ungeheure Belastung muss das für die Familie sein, wenn man nur daneben stehen kann und hilflos zusehen muss, wie sich das eigene Kind zu Tode hungert! Denn von den Essstörungen ist die Magersucht die psychische Erkrankung mit der höchsten Todesrate und deutlich erhöhtem Sterberisiko. Die Betroffenen brauchen Hilfe, und die Familien brauchen sie (Birte Pauls) auch. Die vielseitigen Angebote finden sich zwar im Bericht wieder, aber ich frage mich tatsächlich, ob sie für die Betroffenen auch immer zu finden sind und vor allen Dingen zur Verfügung stehen. Die Beratungszahlen steigen, aber die Stunden in den Beratungsstellen steigen nicht im gleichen Maße mit. Die Überrollung der Fördermittel durch die Koalition hat eine faktische Kürzung der Beratungsstunden zur Folge. Steigende Kosten und höhere Tarifabschlüsse wurden dieses Jahr nicht berücksichtigt. Lange Wartezeiten für die eigentliche Behandlung nach einer Ersteinschätzung bei Psychologen und Psychotherapeuten sind ebenfalls bekannt. Hier muss dringend gegengesteuert werden. (Beifall SPD, FDP, Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Michael Schunck [SSW]) Nächsten Montag findet hier bei uns im Landtag eine Anhörung zum Thema Social-Media-Nutzung von Kindern und Jugendlichen statt. Wir wissen bereits, dass die Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche enorm ist. Wie wollen wir also in Zukunft damit umgehen, das müssen wir uns ehrlich fragen. Die Vorschläge der SPD diesbezüglich liegen auf dem Tisch. Wir wollen eine altersgerechte Einschränkung der Nutzung, und vor allen Dingen müssen die Konzerne ihre Hausaufgaben endlich machen. Auch Menschen über 16 Jahre sind für die Inhalte empfänglich. Deshalb braucht es einen guten Ausbau von Medienkompetenz. Damit fängt man bestenfalls in der Schule an, aber auch später muss man sich damit auseinandersetzen, weil ja auch dieser Markt immer weiter wächst. Wenn sich 57,2 Prozent der Eltern von Kindergartenkindern und 72,6 Prozent der Eltern der über Zwölfjährigen nicht an die empfohlene Bildschirmzeit halten, dann ist klar, in welche Richtung das läuft. Auch die eigene Gesundheitskompetenz hat laut Bericht einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten. Deshalb haben wir die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften vorgeschlagen, die an Schulen diese Gesundheitskompetenz von Kindern tatsächlich stärken sollen, aber eben auch Auffälligkeiten und Krankheitssymptome frühzeitig erkennen können. Genau diesen präventiven Ansatz haben CDU und Grüne vor zwei Wochen abgelehnt. Wie gesagt, ich bedanke mich für den Bericht. So ein Bericht dürfte allerdings nicht nur eine Drucksachennummer bleiben. Er sollte Auftrag für die Landesregierung und für uns alle sein, die selbst beschriebenen Missstände und Lücken anzupassen. Leider erkenne ich bei der Günther-Regierung keinerlei Motivation dafür, unsere Kinder wirklich stark für die eigene Zukunft zu machen. – Vielen Dank. (Beifall SPD, FDP und SSW – Unruhe)

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