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Christian Dirschauer

SSW 25.02.2026 Sitzungen 20/111

Kære fru formand! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die frühkindliche Bildung hat uns ja heute schon sehr prominent per Regierungserklärung beschäftigt. Mein Beitrag war dort eher generalisierend übergeordnet, und grundsätzlich will ich jetzt auch nicht, anders als die Kollegin Rathje-Hoffmann, noch einmal alles wiederholen, was da schon gesagt wurde. Meine Damen und Herren, deshalb möchte ich bei dieser Gelegenheit einmal ganz praktisch auf den Kitaalltag schauen und einen, ich sage mal, beispielhaften Tagesablauf beschreiben. Oft ist der Start in den Tag in Kleingruppen sanft und entspannt. Am Vormittag ist Zeit für verschiedene Projekte, etwa für einen kleinen Ausflug ins Grüne oder für Kleingruppenarbeit. Mittags wird gemeinsam gegessen, und die Beschäftigten können und nehmen sich Zeit für die Betreuung der Kinder. Es gibt verlässliche Pausenregelungen, und die Mitarbeitenden haben dann die Gelegenheit, sich ein wenig zu erholen. Am Nachmittag klingt der Tag mit ruhigen Spielphasen aus, und es gibt unter anderem Raum für Dokumentation und weitere Büroarbeit. Hmh. – Der eine oder andere mag jetzt denken, da stimmt doch was nicht – das kann ich auch an den Gesichtern der regierungstragenden Fraktionen sehen. So sieht es in unseren Kitas doch in den seltensten Fällen aus, meine Damen und Herren. Wenn mitunter vielleicht etwas idealisiert, habe ich damit nicht den schleswig-holsteinischen, sondern tatsächlich den dänischen Alltag in Krippe und Kita beschrieben. Das ist doch wirklich spannend. Wer sich das dänische System mal genauer anschaut, wird gravierende Unterschiede erkennen, und zwar nicht nur mit Blick auf den größeren Raum für die pädagogische Arbeit, sondern auch bei Themen wie Arbeitszufriedenheit, Krankenstand, Bezahlung und Arbeitszeit. Natürlich gehört zur Wahrheit dazu, dass Fachkräfte in dänischen Einrichtungen im Normalfall nur rund halb so viele Kinder betreuen wie bei uns. Aber der Blick Richtung Norden zeigt uns, wie wichtig gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten sind. (Unruhe) Er zeigt uns auch, was unter solchen Bedingungen alles möglich ist. Es klingt vielleicht banal, aber genau diese guten Rahmenbedingungen zu schaffen, ist und bleibt für den SSW ein übergeordnetes kitapolitisches Ziel. (Beifall SSW und SPD) Weil eine ganze Reihe von Maßnahmen im aktuellen Reformprozess in diese Richtung geht, haben wir viele dieser Dinge mitgetragen – auch in der letzten Legislatur. Außerdem will ich auch gar nicht von der Hand weisen, dass mehr Geld in diesen (Christian Dirschauer) Bereich fließt als je zuvor. Aber mir ist trotzdem wichtig zu betonen, dass wir uns nicht mit dem Status quo zufriedengeben können. Aktuell rückläufige Kinderzahlen in den Kitas mögen Spielräume eröffnen, die zumindest teilweise sinnvoll genutzt werden, aber in Kitas und Kindertagespflege existieren nach wie vor sehr große Baustellen, meine Damen und Herren. Deshalb müssen mittel- und langfristig weitere Anstrengungen und mehr Ressourcen her, um die frühkindliche Bildung auf ein Niveau zu heben, das dem Begriff Bildung – hier wiederhole ich das, was ich heute Vormittag bereits gesagt habe – gerecht wird. Ich habe das Thema Arbeitssituation erwähnt, und ich denke, dass im aufgezeigten Kontrast zum Alltag in vielen dänischen Einrichtungen eines besonders deutlich wird: Hier bei uns in Schleswig-Holstein ist noch reichlich Luft nach oben! Mein Eindruck ist, dass wir grundsätzlich zu verlässlicheren Rahmenbedingungen und zu einem besseren Arbeitsklima in unseren Kitas kommen müssen. Nur so sorgen wir für zufriedene und motivierte Beschäftigte, die wir als absolute Grundvoraussetzung für gute frühkindliche Bildung brauchen. Leider wurde die Frage, wie zufrieden oder aber unzufrieden die Beschäftigten in Kita- und Kindertagespflege bei uns im Land sind, vor Kurzem von einer anderen Debatte überlagert, und zwar darüber, ob eine entsprechende Umfrage der GEW repräsentativ ist. Aus meiner Sicht ist die Einschätzung der Mitarbeitenden gerade vor dem Hintergrund der vielen Veränderungen durch die Kitareform besonders wichtig. Da wir nicht über Formalitäten diskutieren, sondern uns mit konkreten Anregungen der Beschäftigten zu Themen wie Arbeitsbelastung, pädagogische Rahmenbedingungen oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzen, fordern wir eine entsprechende Umfrage. Das tut die Regierung jetzt auch. Das freut mich. Sie wären gerne willkommen gewesen, unseren Antrag mitzuzeichnen. Dabei hätten alle drei in der Opposition mitgemacht. (Beifall SSW, SPD und FDP) Das wären Signale an die Beschäftigten gewesen. Sie bringen einen Alternativantrag ein und loben sich dann in vielerlei Hinsicht noch selbst. Deswegen können wir dieses Begrüßen, Loben, Feststellen nicht mittragen und werden uns bei Ihrem Antrag enthalten. Ich verbinde mit dieser Befragung, vor allem mit den Ergebnissen die Hoffnung, dass wir das Kitasystem praxisnah und im Sinne der hier Tätigen entwickeln. Das wäre eine durchaus sinnvolle Ergänzung zu den gerade überarbeiteten Bildungsleitlinien, denn diese sollen nach meinem Verständnis allen Menschen, die in der frühkindlichen Bildung arbeiten, ein zeitgemäßes Rüstzeug an die Hand geben und sie möglichst gut in ihrer pädagogischen Arbeit unterstützen. Genau hier – bei der Frage der Unterstützung im Arbeitsalltag der Kitabeschäftigten – scheint es in vielen Fällen noch Verbesserungsbedarf zu geben. Hier sollten wir dringend ansetzen, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, damit die frühkindliche Bildung insgesamt weiter verbessert werden kann. – Jo tak. Zuletzt ging es schnell; meine Zeit ist abgelaufen. Danke schön. (Beifall SSW, SPD und FDP)

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