landtag.ltsh.de ↗

Jette Waldinger-Thiering

SSW 28.01.2026 Sitzungen 20/108

Was? – Weitere Zurufe) bei der A 20 ist es wahnsinnig teuer für das Land Schleswig-Holstein, aber bei der Schulsozialarbeit, die unsere Kinder ganz direkt betrifft, meine Damen und Herren, finde ich es unverantwortlich, wenn wir da nicht vorwärtskommen. Und ich entschuldige mich ausdrücklich bei der Schleiregion für diesen Vergleich. (Zurufe – Beate Raudies [SPD]: Er hat sich gerade entschuldigt!) Wenn ich meinen Sohn morgens in die Schule bringe, (Zuruf Sybilla Nitsch [SSW]) dann ist das so: Das Schulgelände ist von einer roten Linie umsäumt; ich darf diese rote Linie als Vater morgens nicht überschreiten und stehe mit den anderen Eltern gemeinsam da. (Christopher Vogt [FDP]: Oder ist die nur für dich da? – Heiterkeit FDP und SSW) – Die gilt nicht mir ausschließlich, Herr Kollege Vogt. Wir schicken also unsere Kinder ab dieser roten Linie alleine in ihren Schulalltag. Wir tun das in dem Vertrauen, dass es unseren Kindern gut geht, wenn wir sie diese Linie alleine überschreiten lassen, dass sie in ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden und dass sie Unterstützung bekommen, wenn sie sie brauchen. Dieses Vertrauen brauchen wir als Land von allen Eltern an unseren Schulen. Wir brauchen von allen Eltern das Vertrauen: Gebt uns eure Kinder, und wir kümmern uns bestmöglich um sie. Dieses Vertrauen ist Verpflichtung für uns als Landespolitik, und es ist eine Verpflichtung, die wir nicht einfach nur an die Lehrkräfte weiterleiten können, sondern die Lehrkräfte brauchen auch unsere Unterstützung, dieser Verpflichtung gerecht zu werden. Deswegen finde ich es schwierig, wenn wir sagen, es sollen letztendlich die Schulen alleine lösen. Die Schulen brauchen natürlich, um Problemlagen lösen zu können, bestimmte Unterstützungsmöglichkeiten, die wir ihnen als Land zur Verfügung stellen. Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass Wohlbefinden eine wichtige Grundlage für den Unterrichtserfolg ist. Wenn es um Leistung, um Vorwärtskommen und um gute Noten geht – die ja manchen im Saal besonders wichtig sind –, dann wissen wir auch, Wohlbefinden gehört als wichtige Grundlage dazu. Und wir wissen: Angst schadet der Konzentration. Sich nicht gesehen fühlen führt dazu, dass man selber irgendwann nicht mehr sieht (Martin Habersaat) und den Anschluss verpasst. Eine unsichere Grundstimmung führt dazu, dass man schlecht lernt. Wenn wir also am Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler arbeiten, haben wir vielleicht einen Hebel in der Hand, Schleswig-Holsteins Abschluss bei den diversen Bildungsstudien künftig wieder zu verbessern. Meine Damen und Herren, da sollten wir nicht einfach nur auf bessere Zeiten hoffen, da brauchen wir eine Strategie und klare Schritte, zum Beispiel Standards bei der Schulsozialarbeit, zum Beispiel eine personelle Ausstattung von Schulen, die eher besser wird als schlechter, und eine Landesregierung, die Verantwortung für genau diese Schritte übernimmt. Die SPD erwartet genau das, denn jedes Kind hat ein Recht auf eine Schule, in der Lernen ohne Angst möglich ist. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Alle Reden von Jette Waldinger-Thiering Protokoll ↗