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Anne Riecke

FDP 28.01.2026 Sitzungen 20/108

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich diskutieren wir heute darüber, wie wir es schaffen, dass mehr Schülerinnen und Schüler einen Schulabschluss schaffen können. Denn es ist leider offenkundig so, dass wir viel zu viele junge Menschen haben, die ohne einen Schulabschluss in ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg starten. Das ist für uns als Gesellschaft in vielerlei Hinsicht kostspielig und vor allem für jeden Einzelnen dieser jungen Menschen eine Riesenbelastung und ein großes Hemmnis gleich zu Beginn. Es bedeutet aber auch soziale Isolation und weniger Ressourcen. Daher sind wir meiner Meinung nach gut beraten, dieser Entwicklung mit unterschiedlichen Maßnahmen entgegenzuwirken. Ein Schwerpunkt, den wir dabei ausdrücklich stärker betrachten müssen, sind die Flex-Klassen, von denen es aus meiner Sicht als Lehrerin im Land leider viel zu wenig gibt. Warum ist es wichtig, Flex-Klassen zu haben? – Weil Flex-Klassen genau dort ansetzen, wo sich die Bildungsbiografien häufig entscheiden: an Zeit, Stabilität und Übergängen. Wer Lernrückstände, Entwicklungsverzögerungen oder Brüche im Bildungsweg hat, scheitert häufig nicht am Wollen, sondern an einem zu engen Takt: zu wenig Zeit für Grundkompetenzen, zu wenig Raum für systematische Förderung und zu viel Wechsel. Flex-Klassen können eine Struktur bieten und die Lernwege entlasten, ohne die Messlatte bei Abschlüssen abzusenken. Flex-Klassen sind nicht einfach eine weitere organisatorische Schublade an Schulen, richtig gemacht sind sie eine Brücke, eine Brücke zwischen zieldifferentem Lernen und der realistischen Option, bei entsprechenden Lernentwicklungen doch noch den Schulabschluss zu schaffen, und zwar den Ersten allgemeinbildenden Abschluss. Daher wäre es absolut angebracht, dass dieses Konzept evaluiert wird und damit potenziell verbessert werden kann. (Beifall FDP und SSW) Aber das geht natürlich nur, wenn man sich das System einmal anschaut und herausfindet, welche (Anne Riecke) Instrumente hier greifen und welche vielleicht nicht. Insofern gebe ich der SPD vollkommen recht, die hier die Umsetzung des Landtagsantrags und damit die Evaluation der Flex-Klassen nochmals konkret einfordert. (Beifall FDP, SPD und SSW) Die Flex-Klassen sind natürlich nur ein Baustein gegen die Bekämpfung eines großen Problems bei der Frage von fehlenden Schulabschlüssen. Fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler, die ohne Abschluss von der Schule gehen, kommen aus dem Bereich mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf. Wir müssen uns auch hier darüber Gedanken machen, wie die Leistung dieser Schüler am Ende ihrer Schulzeit verlässlich dokumentiert und bildungspolitisch eingeordnet werden kann. Ich halte es für fatal, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf trotz ihrer Anstrengungen am Ende vollständig ohne Abschluss dastehen. Das ist eine demotivierende und frustrierende Erfahrung, die an den jungen Leuten nicht spurlos vorbeigehen dürfte. Daher unterstützen wir grundsätzlich: Wer über Jahre verbindlich lernt, gefördert wird und am Ende ein definiertes Ziel im individuellen Bezugsrahmen erreicht, braucht eine klare und offizielle Bescheinigung über einen Abschluss. (Beifall Dr. Heiner Garg [FDP] und Serpil Midyatli [SPD]) Allerdings sollten wir aufpassen, dass wir Anerkennung nicht mit Gleichsetzung verwechseln. Ein zieldifferenter Abschluss und der Erste allgemeine Schulabschluss sind unterschiedliche Abschlussarten mit unterschiedlichen Bezugsnormen. Wer einen ESA erwirbt, hat einen Abschluss nach klar definierten allgemeinbildenden Standards erreicht. Daran darf auch nicht gerüttelt werden. Wenn wir zusätzliche Abschlussformen im zieldifferenten Bildungsgang stärken und formalisieren, dann nur so, dass bestehende Abschlüsse nicht verwässert werden und die Vergleichbarkeit im System erhalten bleibt. Für die jungen Menschen selbst, für Betriebe, für weiterführende Bildungsgänge und auch länderübergreifend ist das wichtig. Die Leitplanke muss lauten: transparente Kriterien, eindeutige Bezeichnungen und belastbare Vergleichbarkeit. Ich freue mich also auf eine beginnende Evaluation, einen entsprechenden Bericht der Landesregierung dazu und die weitere Diskussion darüber. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SSW und vereinzelt SPD)

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