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Wiebke Zweig

CDU 28.01.2026 Sitzungen 20/108

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen heute – Herr Vogt hat es gerade schon erwähnt – an einem entscheidenden Punkt unserer wissenschaftlichen und energiepolitischen Zukunft. Die neu gegründete Allianz für Fusionsforschung markiert einen bedeutenden Schritt für Deutschland und für Schleswig-Holstein ganz besonders. Doch was ist Fusionsforschung überhaupt? – Fusionsforschung beschäftigt sich mit einem der faszinierendsten wissenschaftlichen Vorhaben unserer Zeit. Ein Blick in die Natur war der Grundstein für die Idee hinter den aktuellen Entwicklungsvorhaben: die Energiegewinnung nach dem Vorbild der physikalischen Prozesse der Sonne. Das ist das Ziel. Dabei kollidieren Wasserstoffatome und verschmelzen unter hohem Druck und Temperaturen miteinander. Energie wird dann freigesetzt. Zwar können die auf der Sonne herrschenden Druckverhältnisse nicht auf der Erde hergestellt werden; durch hohe Temperaturen ist es aber auch hier möglich, solche Prozesse in Gang zu setzen. Dieser Wärmezufluss ist momentan noch so energieintensiv, dass zur Entstehung dieser Reaktion mehr Energie benötigt, als am Ende gewonnen wird. Genau mit diesen Problemen ist die Fusionsforschung beschäftigt: Wie kann man diesen Pro- (Wiebke Zweig) zess effizient und gewinnbringend weiterbringen, um die Kernfusion auch als Energiequelle nutzbar zu machen? – Die daraus entwickelten Fusionskraftwerke bieten eine riesige Chance für uns alle, eine nach dem menschlichen Maßstab praktisch unerschöpfliche Energiequelle, bei der Energie fast ohne schädliche Endprodukte gewonnen wird, was einen ressourcenschonenden Durchbruch in der Energieversorgung bedeuten würde. Zudem ist die Fusionsenergie, anders als Sonnen- und Windenergie, unabhängig von Wetter und Standort. Das bedeutet konstant verfügbare Energie. Die Fusionsforschung ist durchaus aussichtsreich, aber auch langwierig. Kernfusion hat das Potenzial, die Energieversorgung für die nächsten 1.000 Jahre umweltschonend zu sichern, ein Ziel, das angesichts der aktuellen klimatischen Veränderungen besser heute als morgen angepackt werden sollte. Und, meine sehr verehrten Damen und Herren, genau das tun wir. (Beifall CDU und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Machen wir uns nichts vor: Eine Förderung dieser bahnbrechenden Forschung ist kostspielig, aber wahrscheinlich eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft der nächsten Generationen. Schleswig-Holstein als Land der erneuerbaren Energien ist prädestiniert, Demonstrationsprojekte, neue Technologien und intelligente Netzintegration voranzubringen. Ich begrüße es daher sehr, dass wir uns gemeinsam mit weiteren Bundesländern in der Allianz für Fusionsforschung engagieren. Mit der Gründung dieser Allianz bündeln wir Kräfte aus Wissenschaft, Forschungseinrichtungen und Industrie in Deutschland, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Wir wollen Strukturen schaffen, Know-how konzentrieren, Forschungsstrategien abstimmen und neue Technologien gemeinsam zur Marktreife bringen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mit der Allianz senden wir aus Schleswig-Holstein zusammen mit den Allianzpartnern auch ein klares Zeichen in Richtung Bund. Wir wollen Innovationen für den Wissenschaftsstandort Deutschland, für eine klimaneutrale und ressourcenschonende Energiegewinnung, für die Menschen hier und in der gesamten Welt. Denn dies ist ein Thema, das uns alle angeht. Dabei wollen wir nicht nur mitmachen, sondern aktiv mitgestalten. Wir haben die nicht unrealistische Chance, dass das weltweit erste rentable Fusionskraftwerk Europas in Deutschland und vielleicht sogar in Schleswig-Holstein ans Netz geht. Das sollten wir uns immer wieder auf die Fahne schreiben und uns dafür einsetzen. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Christopher Vogt [FDP]) Wir haben nämlich mit dem X-Ray Free-Electron Laser in Schenefeld eine weltweit einmalige Forschungsgroßanlage zur Erzeugung extrem kurzer und sehr intensiver Röntgenlaserimpulse. (Beifall Martin Balasus [CDU]) Schleswig-Holstein ist jetzt dabei, an einem zentralen Kapitel der Energiegeschichte aktiv mitzuschreiben. Fortschritt braucht Mut, und den beweisen wir mit der Unterstützung der Fusionsforschung. Ein letzter Satz: Jede Energieform ist eine Übergangstechnologie, bis es etwas Besseres oder etwas Fortschrittlicheres gibt. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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