Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe jetzt erst einmal mein Manuskript umgedreht, (Beifall SSW und FDP – Dr. Heiner Garg [FDP]: Jetzt wird es gefährlich!) denn ich glaube, jeder von uns in diesem Saal hat schon ganz viel über die beiden Berichte und ganz viele Zahlen gehört. Unter Punkt a) ist für mich erst einmal ganz wichtig – Malte Krüger hat es auch schon gesagt –, dass wir einmal aufführen, dass Schülerinnen und Schüler ein Förderzentrum mit dem dazugehörenden Schulabschluss verlassen. Ich betone es noch einmal: Es ist ein Schulabschluss für ihre Schule. (Beifall SSW und SPD) Dass sie damit leider keine Aufstiegschancen auf dem Bildungsmarkt haben, etwa um einen Ausbildungsplatz zu kriegen und dann in die Berufsschule zu gehen, um zu versuchen, den ESA zu machen, mit dem sie dann ganz viele Möglichkeiten haben – Haken dran. Das ist für mich die eine Kategorie. Das ist super wichtig. Die andere Kategorie ist aber, dass die die Zahl der Schülerinnen und Schüler dermaßen gestiegen ist, die die allgemeinbildende Schule verlassen, ohne einen ESA zu haben. Das beunruhigt mich sehr. (Beifall SSW, SPD und FDP) Wir haben ganz viel über Unterrichtsversorgung gesprochen. Wir können uns die alle hoch und runter, kreuz und quer rechnen. Wir wissen: Wir brauchen vernünftig ausgebildete Lehrkräfte, stattgefundenen Unterricht und Kinder und Jugendliche, die aufnahmefähig sind. Dann haben diese ganzen Zauberworte wie: Lernen ist ganz wichtig, wir müssen sie motivieren. – Ja, das müssen wir alles, aber wir müssen auch Unterricht machen, der zu den modernen Kindern passt. (Beifall SSW, SPD und FDP) In der ganzen Diskussion über die basalen Kompetenzen, die dazugehören – das wissen alle, die hier sitzen und lesen, die einen Abschluss haben, eine Ausbildung gemacht haben –, haben wir vergessen, dass die Kinder, die jetzt die Schule ohne den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss verlassen haben, genau die Kinder sind, die Corona erlebt haben, die von zu Hause Homeschooling hatten, als die Schulen geschlossen waren, die zum Teil nach Corona in der 7. Klasse noch nicht einmal richtig lesen konnten. So, und was ist nun? – Am Ende des Tages kann man mit diesen Kompetenzen keinen ESA erreichen. Wir sind den jungen Menschen immer noch diese Antwort schuldig. Wie holen wir das eigentlich nach Corona nach? Das hätte auch irgendwann mal in diesen Bericht zur Unterrichtssituation gepasst, weil die Spätfolgen immer noch spürbar sind. Wenn wir die beiden Berichte an den Bildungsausschuss überweisen und wir uns darüber unterhalten, dann müssen wir das ernst nehmen. Denn dieses Herumdoktern am System hilft überhaupt nichts. So. (Beifall SSW, SPD und FDP – Sybilla Nitsch [SSW]: Ja!) Ich finde es gut, dass wir ein funktionierendes duales System haben, sodass man, wenn man als junger Mensch den ESA, egal mit welchem Hintergrund, an der allgemeinbildenden Schule nicht geschafft hat, in das Berufsbildungszentrum wechseln kann. Aber das Berufsbildungszentrum bietet als Überbegriff Berufsbildung und nicht den Abschluss wie an einer allgemeinbildenden Schule. (Peer Knöfler [CDU]: Das stimmt doch nicht!) (Jette Waldinger-Thiering) Den Anspruch müssen wir haben, dass man, wenn man neun Jahre zur Schule geht, befähigt worden ist, dass man seinen Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss an der Schule machen kann. Insofern werden wir da im Ausschuss noch richtig viel drüber reden. Das freut mich. Lehrkräftegewinnung und Lehrerausbildung sind ein riesengroßes Thema. Ich will da gar nicht mehr dazu sagen. Ich freue mich auf die Einzeldiskussion im Ausschuss. Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern ab Ende nächster Woche richtig tolle Weihnachtsferien und euch und Ihnen natürlich auch. – Glædelig jul og tusind tak for opmærksomheden. (Beifall SSW, SPD und FDP)
