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Uta Röpcke

GRÜNE 10.12.2025 Sitzungen 20/105

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein Proberaum irgendwo in Nordfriesland, vier junge Leute, wenig Geld, viel Talent und große Begeisterung für Livemusik. Ohne eine Struktur dahinter bleibt es beim Hobby in der Scheune. Aber mit Vernetzung, Auftrittsmöglichkeiten, Coaching kann daraus eine großartige Band werden, die sich irgendwann auf einer der großen Bühnen in unserem Festivalland präsentiert. Das ist Popkultur made in Schleswig-Holstein. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Popnet ist dafür ein Schlüssel. Mit 60.000 Euro Landesförderung sichern wir die halbe professionelle Stelle, die es seit drei Jahren gibt. Ohne diese Mittel könnte Popnet in der jetzigen Form nicht weitermachen. Hinter dieser halben Stelle stehen Bandcoachings, Workshops, Netzwerktreffen und am Ende ein erster Auftritt der jungen Band von der Westküste auf einem der zahlreichen Festivals in unserem Land. In einer Zeit, in der bundesweit gerade die freie Szene unter Druck gerät, ist das ein bewusstes Bekenntnis zur Popkultur und Livemusik in Schleswig-Holstein. Nach demselben Prinzip funktionieren Film- und Kinokultur sowie Literatur made in Schleswig-Holstein. Jungen Filmemacher_innen von der Hochschule Flensburg oder Kiel fehlt meist das Geld, um ihre Abschlussfilme zu produzieren. Es gibt immer weniger Kinos, in denen diese Filme gezeigt werden können. Hier setzen wir mit 100.000 Euro einen Impuls, damit Filmschaffende Geschichten made in Schleswig-Holstein auch in Schleswig-Holstein erzählen können. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Dass junge Autorinnen wie Zara Zerbe oder Caroline Wahl ihren Lebensmittelpunkt nach Kiel verlegen, mag viele Gründe haben. Aber dass es hier ein Literaturhaus und den Friedrich-Bödecker-Kreis gibt, schadet sicherlich nicht. Die werden künftig noch enger zusammenarbeiten. Dafür gibt es zusätzliche Mittel in Höhe von 50.000 Euro. Damit Kultur nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen endet, stärken wir die Kulturknotenpunkte. Sie erreichen mit 10.000 Euro zusätzlich wieder das Niveau von 2024, denn sie sind die Kümmerer im (Uta Röpcke) Hintergrund. Sie vernetzen Initiativen, beraten Vereine, bringen Kultur aufs Land mit wenig Personal, aber großer Wirkung. Während also der Bund den Kulturpass streicht, die Green Culture Anlaufstelle abwickelt, bei der Soziokultur den Rotstift ansetzt und sich dabei auf die Kulturhoheit der Länder beruft, nehmen wir in Schleswig-Holstein unsere Verantwortung trotz knapper Kassen ernst und die Herausforderung an. Wir sichern die Strukturen in der Fläche. Bei der Soziokultur nehmen wir die Kürzungen von 2025 zurück, und bei den freien Theatern passen wir die Förderung gemäß Kostensteigerungen für Personal und Sachhaushalte an. Wir sichern außerdem die Existenz der Orte, an denen Jugendverbände tagen, sich deutsch-dänische Gruppen treffen, Schulklassen über Europa diskutieren und musikalische Begegnungen stattfinden. Aber ganz besonders freue ich mich darüber, dass uns dies auch bei den Volkshochschulen gelungen ist, bei denen das rund 300.000 Euro mehr bedeutet und zusätzlich 100.000 Euro für Unterstützung beim Nachholen von Schulabschlüssen. Denn Bildungswege verlaufen nicht immer gradlinig, und genau deshalb ist es gut, dass wir die Mittel für zwei neue Grundbildungszentren aufbringen. Das heißt ganz konkret mehr Angebote für Menschen, die als Erwachsene lesen und schreiben lernen und rechnen und Schulabschlüsse nachholen wollen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dass wir das brauchen, darüber sind wir uns fast alle hier in diesem Haus einig. Wer dabei Fortschritte macht, verbessert nicht nur die Jobchancen, sondern auch die Fähigkeit, Formulare zu verstehen und auszufüllen, Wahlprogramme und Zeitungen zu lesen und natürlich, sich politisch einzumischen und sich selbst für die eigenen Interessen einzusetzen. Meine Damen und Herren, dieser Einzelplan ist weit entfernt von der kulturellen Luxusausstattung, die ich mir für unser Land wünschen würde. Er ist eher ein Verantwortungshaushalt, wie mein Fraktionsvorsitzender das genannt hat, aber er hilft, das Fundament zu sichern. Dieser Einzelplan schafft strukturelle Sicherheit für zentrale Einrichtungen der Kultur, eröffnet zweite, dritte Bildungswege, hält junge Talente aus Popkultur, Literatur, Film und Theater im Land und sorgt dafür, dass Kultur auch in der Fläche verankert bleibt. Nicht zuletzt: Wir werden endlich ein Musikschulfördergesetz bekommen und dies auch verlässlich mit finanziellen Mitteln ausstatten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Meine Damen und Herren, wir alle wissen: Dieser Haushalt ist kein Wunschkonzert, aber er zeigt den Anspruch, dass wir Kultur‑, Festival- und Bildungsland sind und bleiben werden. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

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