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Anne Riecke

FDP 20.11.2025 Sitzungen 20/103

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach den Kürzungen bei Lehrerstellen und der Kontingentstundentafel haben wir als FDPFraktion nicht nur gewarnt, sondern auch gehandelt. Wir haben früh darauf hingewiesen, dass gerade das Fach WiPo von diesen Sparmaßnahmen betroffen sein würde. Noch im März hatte Frau Prien hier in diesem Parlament zugesichert und gesagt: Bei WiPo wird nicht gekürzt. Es bleibt alles so, wie es ist. – Doch schon wenige Monate später zeigte sich genau das Gegenteil. Sogar Schülerinnen und Schüler wandten sich vor den Sommerferien auf einer Dialog-P-Veranstaltung an unseren Ministerpräsidenten, um ihren Unmut über die Kürzungen zum Ausdruck zu bringen. Erst als diese Stimmen laut wurden, reagierte die Landesregierung endlich. Als Opposition haben wir dann gemeinschaftlich gefordert, dass das Fach WiPo nicht weiter beschnitten wird. Dann allerdings kam es zu einem sehr bemerkenswerten Schritt. Die Koalition kündigte an, das Stundenkontingent für WiPo ab dem Schuljahr 2027/2028, also nach der Landtagswahl, wieder zu erhöhen. Das ist zwar grundsätzlich erfreulich, aber in der Sache ein bisschen inkonsequent: erst kürzen, dann leugnen, dass man gekürzt hat, anschließend es einsehen, und am Ende verkauft man das, was man vorher zurückgenommen hat, als den großen Fortschritt und lässt sich dafür auch noch feiern. Mit der geplanten Aufstockung der Stunden ist klar: Die Fachanforderungen müssen überarbeitet werden. Sie stammen noch aus dem Jahr 2016 und waren damals die ersten Fachanforderungen, die diesen klassischen Lehrplan, den wir kennen, abgelöst haben. Nach fast zehn Jahren ist es höchste Zeit, Inhalte und Kompetenzen an die heutigen Realitäten anzupassen. Denn Politikunterricht ist mehr als nur ein Schulfach. Er vermittelt jungen Menschen, wie unsere Demokratie funktioniert, warum ihre Stimme zählt und wie sie selbst Verantwortung übernehmen können. Er lehrt kritisches Denken und befähigt dazu, informierte Entscheidungen zu treffen, Fähigkeiten, die in einer zunehmend komplexen Welt wichtiger sind denn je. Doch das Fach WiPo, wie mein Fraktionsvorsitzender immer sagt, also Wirtschaft und Politik - und das „Wi“ in dem Wort steht nicht für eine Spielkonsole - findet heute zu wenig Beachtung. Der wirtschaftliche Teil kommt in den aktuellen Fachanforderungen nämlich deutlich zu kurz. Dabei ist ökonomische Bildung unerlässlich, um Märkte, wirtschaftliche Zusammenhänge und auch die eigene Rolle als Verbraucher oder Arbeitnehmer zu verstehen. Gerade in einer Zeit, in der sich nicht nur die sicherheitspolitische, sondern auch die wirtschaftliche Weltlage rasant verändert, brauchen junge Leute mehr Wissen darüber, wie Wirtschaft funktioniert. (Beifall Dr. Bernd Buchholz [FDP] und Marc Timmer [SPD]) Dazu gehört auch finanzielle Bildung, ein Thema, das wir als FDP schon lange vorantreiben. (Beifall Dr. Bernd Buchholz [FDP]) In einer Anhörung zu unserem Antrag „Finanzielle Bildung für bessere Chancen“ wurde von Fachleuten, Schülern und Eltern gleichermaßen betont, wie zentral dieses Thema ist und dass Deutschland europaweit das einzige Land ist, in dem finanzielle Bildung im Unterricht kaum vorkommt. Das muss sich ändern, meine Damen und Herren! Finanzielle Bildung befähigt Schülerinnen und Schüler, kluge Entscheidungen über Geldsparen und Investieren zu treffen.

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