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Dr. Heiner Garg

FDP 19.11.2025 Sitzungen 20/102

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wenn wir über junge Menschen mit Pflegeverantwortung sprechen, dann sprechen wir über Kinder und Jugendliche, deren Realität jedenfalls in unserem politischen Alltag aus meiner Sicht immer noch viel zu selten vorkommt. Es sind junge Menschen, die morgens in der Schule sitzen, Hausaufgaben machen, mit ihren Freunden spielen wollen, lachen lernen und die gleichzeitig zu Hause Verantwortung übernehmen, die eigentlich Erwachsene tragen sollten. Viele dieser Kinder und Jugendlichen tun das leise. Sie pflegen Eltern, Großeltern oder Geschwister. Sie helfen beim Anziehen, beim Essen, beim Duschen, sie organisieren Termine, sie übernehmen Haushalt, sie geben Halt. Und das tun sie ohne Klage und vor allem ohne sichtbaren Platz in unserer politischen Wahrnehmung. Sie tragen eine Last, die wir als Gesellschaft aus meiner Sicht viel zu lange übersehen haben. Und sie tun es, weil oft immer noch Strukturen fehlen, weil Unterstützung fehlt, weil wir ihnen zu oft zumuten, ganz alleine zurechtzukommen. Ich will mich ausdrücklich bei den Kolleginnen und Kollegen des SSW für die Initiative und für das Angebot, dass wir hier alle gemeinsam zusammengekommen sind, bedanken. Ich glaube, es ist richtig, dass wir gemeinsam den Fokus genau auf diese jungen Menschen an dieser Stelle richten. (Beifall FDP, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Politisch bedeutet das – darauf hat die Kollegin Pauls gerade hingewiesen –, dass wir handeln müssen. Diese jungen Menschen brauchen nicht nur unseren Respekt, sondern sie brauchen Entlastung. Sie brauchen Schulen, die hinschauen. Sie brauchen Beratungsstellen, die erreichbar sind. Sie brauchen Familien, die nicht alleine gelassen werden. Sie brauchen eine Politik, die begreift, dass Fürsorge von Kindern kein Ersatz für fehlende Hilfen sein darf. Wir reden hier nicht über eine kleine Randgruppe, das ist auch schon von mehreren Kolleginnen und Kollegen angesprochen worden. Wir reden von fast einer halben Million Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Wir reden über junge Menschen, deren Alltag von Verantwortung, die sie sich niemals selbst ausgesucht haben, geprägt ist. Deshalb ist es unsere Aufgabe, ihre Realität sichtbar zu machen. Es ist unsere Aufgabe, Bedingungen zu schaffen, die diese jungen Menschen stärken, und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass kein Kind, kein Jugendlicher in Deutschland Pflegeverantwortung übernehmen muss, weil wir politisch zu spät reagiert haben. (Beifall FDP, SPD, SSW und Dirk KockRohwer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Der Beitrag der Kollegin Pauls hat gezeigt: Hinter jedem dieser jungen Menschen steht eine Geschichte – eine Geschichte von Mut, von Liebe und von unglaublicher innerer Stärke. (Birte Pauls [SPD]: Genau!) Ihnen zuzuhören, sie zu unterstützen und ihnen eine Stimme zu geben, ist nicht nur unsere sozialpolitische Verantwortung. Meiner Meinung nach ist das auch ein Gebot eines funktionierenden Sozialstaates. (Dr. Heiner Garg) Erlauben Sie mir zum Schluss eine persönliche Bemerkung. Ich befürchte, dass nicht viele dieser Young Carers in der Lage sind, eine solche Debatte zu verfolgen, weil sie entweder mit Hausaufgaben oder Pflegeaufgaben betraut sind. Ich habe in den letzten Tagen – als klar war, dass wir über dieses Thema sprechen – versucht, mir vorzustellen, was diese Menschen, die Großartiges für unsere Gesellschaft und für den generationenübergreifenden Zusammenhalt leisten, über die aktuelle Rentendebatte, wie sie gerade durch die Republik tourt, denken, (Lachen Birte Pauls [SPD]) und zwar unabhängig von dem Streit der Regierungskoalition in Berlin, sondern insgesamt nach dem Motto: Die Boomer haben zu wenig Kinder bekommen, die sollen jetzt mal schauen, dass und wie sie mit gekürzten Renten auskommen. Der Kollege Dirschauer hat seine Rede mit dem Stichwort Empathie begonnen, und damit möchte ich enden. Ich glaube, dieser Gesellschaft und den Young Carern täte es unglaublich gut, wenn wir uns dieser Eigenschaft wieder ein wenig mehr vergewissern. Ich glaube, dass wir die dringenden, großen Herausforderungen bei der Alterssicherung, bei der Gesundheitsversorgung und bei der Pflege gesamtgesellschaftlich nur meistern, wenn wir uns als Generation unterhaken, diese Herausforderungen gemeinsam stemmen und es nicht zulassen, dass wir wechselseitig gegeneinander aufgehetzt werden, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall ganzes Haus)

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