Christopher Vogt
Lieber Herr Minister, wir sind uns im Ergebnis einig. Aber der Punkt, über den ja auch der Kollege Dürbrook gesprochen hat, über den ich gesprochen habe – das ist ja tatsächlich die Frage der Perspektive –, ist folgender: Wenn man das jetzt so gemacht hat – Haken hinter, meinetwegen auch die persönliche Anerkennung, da habe ich gar kein Problem mit. Nur frage ich mich schon, weil ich mich ein paar Jahre damit beschäftigt habe: Wie geht es jetzt bei den nächsten Abschnitten weiter – mit Blick auf jüngste Rechtsprechung und mit Blick auf die fehlende Planungsbeschleunigung in Berlin? Ich bin skeptisch, dass das so schnell kommen wird. Deswegen ist natürlich schon die spannende Frage für die Menschen, die westlich von Bad Segeberg leben: Wie geht es da jetzt weiter? – Ich wäre dankbar, wenn Sie dazu etwas sagen würden, weil das angesichts dieser Einigung aus meiner Sicht jetzt schwieriger und nicht unbedingt einfacher geworden ist. – Ja, lieber Herr Abgeordneter Vogt, wenn ich Ihre Argumentation aufgreifen würde, dann müsste ich jetzt warten, bis es weitere Planfeststellungsbeschlüsse gibt. Sie sagen, sonst gibt es ja keine Basis zum Reden. Ich glaube aber nicht, dass das die Antwort sein kann. Die Antwort ist, dass wir sehr viel Vertrauen zueinander aufgebaut haben, dass wir Gespräche führen und dann schauen werden, ob wir einen gemeinsamen Weg gehen können. Es kann sein, dass ich erst dann zu einem Ergebnis kommen kann, wenn ein Planfeststellungsbeschluss vorliegt. Aber die Gespräche werden selbstverständlich fortgeführt. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Weil ich das eben geschildert habe, will ich tatsächlich einmal den Weg beschreiben. Wir – der BUND, der NABU, die DEGES und mein Ministerium – haben im Mai vereinbart, dass wir Gespräche aufnehmen wollen. Man stellt sehr schnell fest, dass man in einem Raum sitzt, der von Ideologie gefüllt ist, die einen doch vor sehr schwierige Herausforderungen stellt, dass man auf der einen Tischseite jemanden sitzen hat, der in allererster Linie den Naturschutz sieht, und auf der anderen Seite vielleicht jemanden, der Asphalt sieht. Man könnte das anders ausdrücken: Asphalt trifft Fledermaus. – Wenn man daran jeweils festhält, dann kommt man nicht zum Ergebnis. Dann wird man vor Gericht ziehen, und dann wird der eine oder der andere gewinnen. Wenn der BUND gewinnt, dann ändern wir unsere Planungen und legen sie nochmals aus. Vielleicht gewinnen eines Tages wir. Aber wer sicher verliert, das sind die (Minister Claus Ruhe Madsen) Menschen und die Fledermäuse. Deswegen glaube ich, ist es der bessere Weg zu sagen: Wie können wir uns verständigen? – Dass das einen Preis hat, ist, glaube ich, klar. Ich habe noch nie an Verhandlungen teilgenommen, bei denen nicht jeweils beide Seiten etwas dazutun mussten. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Verhandlungen sind selbstverständlich nicht nur schwierig wegen Ideologie, sondern es ist auch sehr viel Technisches zu klären. Wir haben Brückenbauwerke, die dort in Wasserschichten vordringen, wo es sehr wichtig ist, wie Konstruktionen gebaut werden, damit wir nicht einen Springbrunnen statt einer Autobahn bekommen. Wir haben einen Seeotter, der an einer denkmalgeschützten Brücke eine Kreuzung haben muss – alles Themen, bei denen man vielleicht den Kopf schüttelt und fragt: Wieso ist das so? – Ja, weil es so ist, und dann gilt es, Lösungen zu finden. So haben wir uns Schritt für Schritt angenähert und gefragt: Welche Schnittmengen haben wir denn? Was, lieber BUND, ist für euch das Allerwichtigste? Was, lieber Herr Minister, ist für Sie das Allerwichtigste? – Das ist in der Tat so geschildert worden, dass man, wenn man sich sehr lange und sehr intensiv mit einem Thema befasst, ein Stück weit ein neues Verständnis bekommt. Ich will ganz klar sagen, dass ich am Anfang sehr stark fixiert darauf war, eine Autobahn zu bauen, aber dass ich mit der Zeit gelernt habe, die Frage zu stellen: Wie könnte dieser Weg sein? – In der Tat wird sehr viel Ausgleich, sehr viel Geld dafür bezahlt, dass eine Autobahn gebaut wird. Die Frage wäre nur mit der Originalplanung: Was passiert eigentlich mit einer Fledermaus zehn Meter hinter einer Autobahn? Was ist, wenn sie dann nicht mehr weiterkommt? Was, wenn sie da keine Leitstruktur hat, keine Jagdreviere und zu guter Letzt keine Dunkelkorridore? Was hätten wir dann gewonnen? Wir hätten sehr viel Geld ausgegeben, und der Fledermaus wäre nicht geholfen. Das, was mit der Stiftung erreicht werden soll, ist in der Tat, den Fledermäusen über einen Ostkorridor zu ermöglichen, zum Kalkberg zu kommen, dass ermöglicht wird, dass diese kleine Kreatur weiterhin einen Lebensraum hat, und wir wiederum als Land eine Autobahn bekommen, der Bund ein Autobahn bekommt, die Menschen eine Entlastung vor Ort. Das heißt, am Ende entwickelt man sich zum kleinen Fledermausfreund, (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Dr. Bernd Buchholz [FDP]) und da sind vielleicht noch mehr Fledermausfreunde im Saal.
