Christian Dirschauer
Eine Steuer ist tatsächlich nicht zweckgebunden. Die kann im Haushalt für alle möglichen Maßnahmen verwendet werden. Das ist Fakt. Ja, das wird sicherlich noch einmal zur Klärung der Situation beitragen können, wenn wir uns umfassend noch einmal im Ausschuss – gerne auch mit einem Fach- (Christian Dirschauer) gespräch, das hatten Sie ja vorgeschlagen – weiter austauschen. Das würde ich gut finden. Die Gesamtmengen des Zuckerkonsums sind relevant. Wir haben die offensichtlichen Zuckerquellen wie Süßigkeiten und Schokolade, Softdrinks, Säfte oder Marmelade und Schokoaufstrich, Kuchen und Milchprodukte. Das kennen wir alle. Wir haben auch versteckte Zuckerquellen, beispielsweise in Fertigprodukten, in Ketchup oder in Konserven. Zucker aus dem Weg zu gehen, wird Verbrauchern echt schwer gemacht. Laut einer Untersuchung des Bundesministeriums für Ernährung gibt es einen leichten Rückgang beim Zuckerkonsum bei den 18- bis 64-Jährigen gegenüber den Vorjahren. So konsumiert jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich 33 Kilogramm Zucker im Jahr. Damit nehmen die Verbraucherinnen und Verbraucher immer noch doppelt so viel Zucker zu sich wie empfohlen. Das Zuckerproblem ist also wesentlich vielfältiger. Trotzdem ist die Stoßrichtung beider Anträge richtig. Wir müssen es schaffen, den Zuckerkonsum drastisch zu senken. Die gesundheitlichen Auswirkungen des übermäßigen Zuckerverzehrs sind verheerend. Die Welle baut sich weiter auf. Bereits heute belaufen sich die Kosten für die Behandlung von Diabetes auf rund 21 Milliarden Euro pro Jahr. Diabetes kostet die Sozialsysteme in Deutschland insgesamt 35 Milliarden Euro. Laut einer Studie der Universität Hamburg belaufen sich die Kosten aufgrund von Adipositas auf schätzungsweise rund 34 Milliarden Euro. Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden mit jährlich 46 Milliarden Euro beziffert. Da spielt natürlich nicht nur Zucker eine Rolle, muss man sagen. Indirekte Kosten wie Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung sind hier noch nicht eingepreist. Wir reden hier also von weit über 100 Milliarden Euro, meine Damen und Herren. Das ist nicht nur eine Ausgabe, ich glaube, das ist ein dringender Appell, dass wir handeln müssen, bevor uns die Welle an der Stelle überrollt. Daher muss es uns wirklich gelingen, diese Zuckerwelle zu brechen. Soft- und Energydrinks können daher nur ein Anfang sein, wenn es darum geht, dem übermäßigen Zucker den Kampf anzusagen. Es ist Zeit, dass wir als Landtag Verantwortung für die Gesundheit unserer Kinder und die Stabilität unserer Sozialsysteme übernehmen – gerne auf einer aufgeklärten Grundlage, die wir uns im Ausschuss noch einmal erarbeiten werden. – Ganz herzlichen Dank. (Beifall SSW und Dr. Heiner Garg [FDP]) WP) – 101. Sitzung (neu) – Freitag, 17. Oktober 2025
