Werner Kalinka
Sehr richtig!) Wir müssen vielmehr den Einzelnen und die Einzelne darin stärken, ihre eigene Gesundheitskompetenz zu stärken und zu erhalten und die Eigenverantwortung zu stärken. (Beifall Werner Kalinka [CDU] und Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Der Kollege Dr. Heiner Garg hat es gestern einmal erwähnt: Viele Leute laufen rum und sagen: Ich beschäftige mich mit dem Thema Gesundheit gar nicht, bis ich irgendwie das Verlangen danach habe, einen Facharzt aufzusuchen, und weil der dann keinen Termin hat, gehe ich in die Notaufnahme, um da möglichst schnell behandelt zu werden. – Das ist eine Herangehensweise an unser Gesundheitssystem, die nicht gerecht ist und die auch unserem solidarischen Gesundheitssystem nicht gerecht wird. Wenn man jetzt sagt, wir haben eine Eigenverantwortung, es gibt auch ein Recht auf ungesundes Leben, dann müssen wir uns trotzdem ein paar Zahlen anschauen, die uns hier schon sehr, sehr häufig beschäftigt haben: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland steigen. Wir haben pro Kopf das teuerste Gesundheitssystem der Welt nach der Schweiz und den USA. Die Lebenserwartung ist deutlich schlechter als in den anderen westeuropäischen Staaten. Der Punkt, der mich am meisten beschäftigt, ist der, dass wir bei der vermeidbaren Sterblichkeit – also dem, was durch Prävention, Gesundheitsförderung, das Gesundheitswesen geschaffen werden könnte, um Erkrankungen in der Entstehung zu verhindern – unterhalb des europäischen Durchschnittes liegen. Das heißt, andere Länder sind wesentlich besser darin, Gesundheitskosten und individuelles Leid zu reduzieren, aber auch ei-WP) – 101. Sitzung (neu) – Freitag, 17. Oktober 2025 nen volkswirtschaftlichen Nutzen dadurch zu generieren, dass Prävention und Gesundheitsförderung konkret auf die Agenda gesetzt werden. Bei diesem Thema sind wir in Deutschland sehr, sehr schlecht. Wenn wir uns anschauen, was die prozentualen Ausgaben an unseren gesamten Gesundheitskosten angeht, was in Prävention und Gesundheitsförderung fließt, sehen wir, dass wir in der Europäischen Union eigentlich Schlusslicht sind. (Zuruf SPD) Die Zahl ist so gering, dass man gar nicht konkret benennen kann, wie viel Geld denn tatsächlich in präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen fließt. (Werner Kalinka [CDU]: Sehr interessant!) Das liegt auch daran, dass wir in Deutschland und in unserem Vergütungssystem die sogenannte sprechende Medizin seit Jahrzehnten überhaupt nicht fördern. Vergütungsanreize werden dahin gesetzt, schnelle Diagnosen zu stellen, schnell Medikamente zu verschreiben, aber die zehn Minuten Zeit, die ich mit meiner Patientin vielleicht bräuchte, um darauf hinzuweisen, dass Stress, (Beifall Werner Kalinka [CDU]) ein ungesunder Lebensstil und so weiter vielleicht tatsächlich die Probleme für die Erkrankung sein könnten, werden gar nicht ordentlich vergütet. Das ist ein riesengroßes Problem. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, SSW und Beate Raudies [SPD]) Wir können über ganz viele Dinge sprechen, durch die wir Geld auch in unserem Gesundheitswesen einsparen. Wir haben ein unfassbar ineffizientes Gesundheitssystem, viel zu viel Bürokratie. Bei der Digitalisierung sind wir im Vergleich noch in der Steinzeit, wenn wir uns gerade die skandinavischen Länder anschauen. Es gibt sehr, sehr viele Hebel, die wir irgendwie bewegen können. Aber wenn wir uns anschauen, welches der größte Hebel ist, um langfristig die Gesundheitsausgaben in unserem solidarischen Gesundheitswesen einzusparen, individuelles Leid zu verringern, wenn wir vor allem den Umstand sehen, der ja existiert, dass die Krankheits- und Fehltage in den Unternehmen immer mehr werden, ist das, mehr in Prävention und Gesundheitsförderung zu investieren. Das ist der allergrößte Hebel. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und Birte Pauls [SPD]) (Jasper Balke) Allein durch eine Reduktion des Alkoholkonsums könnten wir volkswirtschaftlich jedes Jahr 50 Milliarden Euro einsparen. Es gibt viele weitere Maßnahmen; die Kollegin Pauls hat es gesagt. Es gibt ganz, ganz viele Punkte, die man ansprechen kann. Aber der wichtigste und der Punkt, den wir ja heute besprechen und der tatsächlich auch am niedrigschwelligsten und am einfachsten einzuführen ist, ist die Zuckersteuer auf Energy- und Softdrinks mit einem sehr, sehr hohen Zuckergehalt. Das zeigt uns die Wissenschaft, und das macht uns Großbritannien vor. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Cornelia Schmachtenberg [CDU])
