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Jan Kürschner

GRÜNE 16.10.2025 Sitzungen 20/100

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die gemeldeten Gewalttaten mit Messern sind bekanntlich in Schleswig-Holstein über die letzten Jahre deutlich gestiegen – das haben wir gerade gehört –, als ob manche nicht begreifen, dass ein einziger Stich mit einem Messer potenziell tödlich sein kann. Wir wollen uns dem jedenfalls aufgrund von Fakten und Zahlen nähern, evidenzbasiert, nicht so sehr aus der Ecke der Ängste und Vermutungen. Ein paar Sachen wissen wir schon, aber wir wollen noch weiter aufhellen. Wir möchten gerne identifizieren, wie man Messergewalt durch gezielte Prävention zuvorkommen kann. Gibt es Orte, wo es besonders häufig zu Messergewalt kommt, oder besondere Zeiten? Gibt es Gruppen oder bestimmte Einzelpersonen, auf die präventiv eingewirkt werden kann? Wie erreichen wir vor allen Dingen junge Männer? Welche Öffentlichkeitskampagnen wirken? Projekte wie „Besser ohne Messer“ gibt es bereits in anderen Bundesländern. Wir müssen einfach noch mehr über die Tatverdächtigenstruktur wissen. Zum Effekt von Messerverbotszonen gibt es kaum Forschung. Es gibt auch einige Sachen, die ein bisschen ungewöhnlich sind. Letzte Woche kam der Niedersachsensurvey des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen KFN – diese ist sehr renommiert – raus, wonach die Messerkriminalität im Dunkelfeld nicht zunahm. Auch die Bereitschaft, Messer zu tragen, nahm nicht zu. Aber im Hellfeld gibt es eine starke Erhöhung. Wenn es spektakuläre Einzelfälle gibt, ist der Druck auf die Politik hoch. Insofern will ich jetzt die Gelegenheit nutzen, sozusagen ohne extremen Druck darüber zu sprechen, was genau man da eigentlich machen kann. Klar ist auf jeden Fall, wir werden ziemlich sicher über jüngere Männer – damit meine ich Männer unter 40 – sprechen, bestimmt auch über schwierige Männerbilder und möglicherweise darüber, welche Strategien es bei eigenen Gewalterfahrungen gibt, das nicht weiterzugeben. Der Ausländeranteil im Bereich Messergewalt ist überrepräsentativ hoch. Aber – das muss man sich immer vergegenwärtigen – Ausländer zu sein, ist per se kein Faktor, der Kriminalität erzeugt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und vereinzelt SPD) Was in der Kriminologie zählt, sind vor allen Dingen Geschlecht, Alter, eigene Gewalterfahrung und gewaltorientierte Männlichkeitsnormen. Diese Faktoren müssen wir näher beleuchten und für die Präventionsarbeit fruchtbar machen. Das ist einfach das beste Mittel zur Verhinderung von Gewalt. Wir wollen, dass die Polizei neben ihrer Aufgabe der Strafverfolgung auch der anderen Aufgabe nachkommt oder mehr nachkommt, nämlich der Prävention. Die Präventionsarbeit müssen wir einfach näher an die Personen bringen, die wir hier erreichen wollen. Nicht erst strafen, wenn etwas passiert ist, sondern vorher ansetzen – durch Beratung und Unterstützung bei Selbstwert, möglicherweise (Jan Kürschner) durch so etwas wie Männerbildung oder Traumaarbeit. Das wird sicherlich eine Mischung sein. Das Lehren von Konfliktfähigkeiten und der Umgang mit Aggressionen sind Dinge, die dazu führen können, die Gewalt in der Gesellschaft zu reduzieren. Wenn doch Straftaten geschehen sind, dann sollte es im Jugendstrafverfahren für die Gerichte Möglichkeiten geben, speziell für Messergewalt Maßnahmen nutzbar zu machen. Wir können uns über beide Anträge gern im Ausschuss unterhalten. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SSW)

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