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Jette Waldinger-Thiering

SSW 16.10.2025 Sitzungen 20/100

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die jungen Menschen schauen mit wachen Augen zu, was um sie herum passiert. Es ist an uns, ihnen zur Orientierung solide und verlässliche Informationen zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Meinung bilden sollen und eben nicht indoktriniert werden. Das sollte in allen Schulen selbstverständlich sein. Genau das passiert nicht, wenn sie nur das hören, was sie sowieso schon kennen. Gerade im Politikunterricht ist es richtig, das ganze Spektrum vorzustellen, also auch und gerade kontroverse Positionen. So verstehe ich die Einladung der weiteren Jugendoffiziere. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass der Antrag auch andere Aspekte als den Besuch von Jugendoffizieren berücksichtigt. Damit wird den Schulen eine Einseitigkeit unterstellt, die ich bislang nicht feststellen konnte. Generalinspekteur Carsten Breuer hat im letzten Monat mitgeteilt, dass sich im Vergleich zum Jahr 2024 15 Prozent mehr junge Menschen für den freiwilligen Wehrdienst entschieden haben. Das belegt in meinen Augen, wie aufmerksam die jungen Leute das Geschehen analysieren und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen. Was in der Politik kontrovers ist, muss auch in den entsprechenden Unterrichtseinheiten kontrovers präsentiert werden können. Auf diese Weise werden die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, über die politische Situation und ihre eigene Haltung nachzudenken und aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen. Der Beutelsbacher Konsens, auf den im Antrag verwiesen wird, sieht genau das ausdrücklich vor: Diese Aktivierung soll Schülerinnen und Schüler dazu anregen, ihren Einfluss politisch geltend zu machen. In dem Antrag ist die Rede von Bildungseinrichtungen. Ich hoffe wirklich sehr – das passt gut zu den Antworten aus den Kleinen Anfragen des Abgeordneten Christopher Vogt –, dass damit alle Schulen gemeint sind, also auch die weiterführenden Schulen, die berufsbildenden Schulen, die Ersatzschulen und nicht zuletzt auch die Schulen der dänischen Minderheit. Ich bin auf einem Marinestützpunkt groß geworden und kenne das Sendungsbewusstsein mancher Offiziere. Tatsächlich haben einige Offiziere den Besuch in den Schulen nicht als Teil des Politikunterrichts verstanden, sondern als eine Art von Berufsberatung. (Michel Deckmann [CDU]: Ja, genau!) Dabei haben sie nicht an positiven Berichten über ihren Alltag gespart. Das hat sicherlich viele Eltern alarmiert. Natürlich gehören zur Schule Erfahrungsberichte aus unterschiedlichen Berufsfeldern. Das macht die Handwerkskammer auch so; sie nutzt beispielsweise seit Jahrzehnten dieses Angebot und bietet neben guten Informationen auch praktische Einblicke in den Berufsalltag. Deshalb möchte ich ausdrücklich darum bitten, dass der Besuch der Jugendoffiziere nur der Information gelten soll und um – darüber wurde schon ganz viel gesprochen – zu sensibilisieren, zu erzählen, zu erklären, zuzuhören: Wie sieht gerade die Sicherheitslage besonders bei uns an der Ostsee aus? Wie nah sind wir bei gewissen Sachen? Ich kann sagen: Als ein Mädchen, das auf einem Stützpunkt groß geworden ist, ist es eine harte Sache, wenn der Vater nach Hause kommt und nicht darüber erzählen kann, was er erlebt hat. Was ich damit sagen will, ist: Ich warte auf die Kooperationsvereinbarung. Ich hoffe, dass wir wei- (Jette Waldinger-Thiering) terhin Jugendoffiziere und Veteranen haben, die unseren Kindern eine vernünftige Antwort auf die jeweilige aktuelle Situation geben, ohne zu indoktrinieren, aber sie wachrütteln und sagen: Du kannst ein Teil davon sein, unser Land zu beschützen. Ich hoffe inständig, dass die Regierung in Berlin endlich zu Potte kommt und sich nicht wieder zofft und streitet, was den Wehrdienst angeht. Wenn wir hier sagen, dass wir mehr Jugendoffiziere und Veteranen in unsere Schulen einladen müssen, dann setzt das voraus, dass wir endlich eine klare Ansage zum Wehrdienst erhalten und aufgehört wird, rumzueiern und kaputt zu machen. – Insofern: tusind tak. (Beifall)

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