Rasmus Vöge
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Zunächst ein Dank vorweg an die Kollegen der FDP, die das Thema auf die Tagesordnung gesetzt haben, und für die Gelegenheit, zu diesem wichtigen Thema einen gemeinsamen Antrag in den Landtag einzubringen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir leben in der Zeitenwende, und diese Zeitenwende muss in allen Teilen der Bevölkerung ankommen und endlich umgesetzt werden, und dazu gehören selbstverständlich auch unsere Schulen. Die Skandinavier nennen dies Gesamtverteidigung, und erst kürzlich haben wir uns dafür ausgesprochen, dass ein landesweiter Aktionstag für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz fest im Schulleben verankert werden soll. Heute sprechen wir über eine weitere Säule sicherheitspolitischer Bildung an Schulen und deren Träger, nämlich die Jugendoffiziere der Bundeswehr. Jugendoffiziere leisten seit 1958 einen unverzichtbaren Beitrag, weil sie Jugendliche dort abholen, wo sie stehen – mit offener Aufklärung statt Resignation, mit Fakten statt Furcht. In einer Zeit, in der globale Entwicklungen, Kriege und Krisenherde und neue sicherheitspolitische Herausforderungen direkt in unsere Lebenswelt einwirken, ist es umso wichtiger, jungen Menschen Orientierung zu geben. (Beifall CDU, FDP und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wie funktionieren Bündnisse? Wie arbeiten Institutionen,? Welche Verantwortung tragen Staaten und die Bürgerinnen und Bürger? Die Bedeutung dieser Arbeit liegt aus meiner Sicht in mehreren Dimensionen. Erstens. Aufklärung statt Gerüchte: Die Jugendoffiziere liefern verständliche, faktenbasierte Informationen zu Themen wie Militäraufgaben, Friedenserhaltung, Zivil- und Krisenmanagement. Sie beantworten Fragen, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben: Warum ist Verteidigungsfähigkeit wichtig? Welche Rolle spielen Allianzen wie die NATO? Welche Möglichkeiten gibt es, Frieden aktiv zu unterstützen? Zweitens. Das ist Teil der Demokratieförderung: Informationsarbeit zur Sicherheitspolitik stärkt das politische Grundverständnis der jungen Generation. Sie lernt, wie politische Entscheidungen getroffen werden, welche Interessen abzuwägen sind und wie deren Auswirkungen beurteilt werden können. Das wirkt der Politikverdrossenheit entgegen und fördert Verantwortungshandeln. Es auch eine Wertevermittlung. Sicherheitspolitik berührt zentrale Werte wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität und Frieden. Jugendliche sollen verstehen, dass Sicherheit nicht allein militärische Stärke bedeutet, sondern auch Rechts- und Ordnungsschutz, Cybersicherheit, Krisenvorsorge und eine verlässliche Partnerschaft im europäischen Umfeld. Es geht auch um zukunftsfähige Kompetenzen: Verstehen, beurteilen, diskutieren – diese Kompetenzen helfen jungen Menschen, sich in einer komplexen Welt zu orientieren. Zudem fördert die Beschäftigung mit sicherheitspolitischen Fragen analytisches Denken, Medienkompetenz und verantwortungsvolles Handeln. In Schleswig-Holstein haben wir eine Kooperationsvereinbarung zwischen Land und Landeskommando zum Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen. Das ist soeben vom Kollegen Vogt genannt worden. Für die CDU-Fraktion ist es eindeu- (Rasmus Vöge) tig und klar: Wir wollen diese Kooperationsvereinbarung verlängern, und sie muss selbstverständlich die neue Ausgangslage in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Europa berücksichtigen. Gemeinsam haben wir den Wunsch, dass einsatzerfahrene Veteranen die Jugendoffiziere begleiten dürfen. Das ist ein ganz wichtiger Schritt. (Beifall CDU, FDP und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dabei setzen wir auf klare, faktenbasierte Informationen, auf eine empathische Ansprache, die Schülerinnen und Schüler respektiert und ihre Fragen ernst nimmt. Wir setzen auf die Zusammenarbeit mit Schulen, Lehrkräften und allen außerschulischen Partnern, um Lerninhalte sinnvoll in den Unterricht zu integrieren. Wir setzen auf einen sensiblen Umgang mit kontroversen Themen, sodass Diskussionen fair, sicher und konstruktiv geführt werden, und wir setzen auf eine kontinuierliche Weiterbildung der Jugendoffiziere, damit sie aktuelle Entwicklungen, neue Risiken und Chancen verständlich erklären können. Es ist Aufgabe der Politik, Sicherheitspolitik nicht aus dem Elfenbeinturm zu kommunizieren, sondern sie erfahrbar und nachvollziehbar zu machen. Nur so schaffen wir Vertrauen und fördern eine verantwortungsbewusste, demokratische Teilhabe unserer Jugendlichen. Ich möchte an dieser Stelle den Jugendoffizieren meinen Dank aussprechen für das Engagement, ihre Geduld und ihre Bereitschaft, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen, für ihre Vorbildfunktion im Umgang mit Fragen, Unsicherheiten und Meinungen anderer. (Beifall CDU, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Beifall Dr. Heiner Garg [FDP]) Der Einsatz der Jugendoffiziere stärkt unsere Gesellschaft. Sie stärkt den Dialog zwischen Bundeswehr und Schülern und trägt dazu bei, dass Schleswig-Holstein auch künftig ein Ort bleibt, an dem Sicherheit, Freiheit und Gerechtigkeit gemeinsam gestaltet werden. Deshalb möchte ich abschließend an alle Beteiligten appellieren: Holen Sie die Jugendoffiziere an die Schulen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere jungen Menschen gut informiert, verantwortungsbewusst und mutig in eine sichere Zukunft gehen können. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
