Jette Waldinger-Thiering
Liebe Landtagspräsidentin! Liebe Damen und Herren! Als farmor von drei Enkelkindern hat es mich irgendwie gekitzelt, mich zu diesem Thema und wie wir gerade über Familien, die mindestens drei Kinder haben, sprechen, zu Wort zu melden. Ich glaube, Corona hat uns gezeigt, welchen Einschnitt die nicht vorhandenen Kita-Öffnungszeiten hatten und jetzt noch haben, wenn zum Beispiel der Anruf kommt: Oh sorry, könnt ihr mal das Kind abholen? Die Kita schließt heute früher, weil wir nicht genügend Betreuungspersonal haben. Kære venner, wenn wir von Familien und von Alleinerziehenden sprechen, die mindestens zwei oder drei Kinder haben – es ist völlig Wumpe – und die sich nicht auf Betreuungsangebote, für die sie richtig viel Geld bezahlen, verlassen können, dann ist nur noch der einzige Weg, der übrig ist, ins Homeoffice gehen zu wollen. In den meisten Jobs kann man kein Homeoffice machen, da muss man vor Ort tätig sein. Das heißt, sie nehmen sich wieder Urlaub, damit sie ihre Kinder zu Hause betreuen können. (Jette Waldinger-Thiering) (Christian Dirschauer [SSW]: Homeoffice mit Kind ist auch kein Vergnügen!) Solange wir das nicht nachhaltig und verlässlich gewährleisten, können wir uns noch so viel die Köpfe darüber heißreden, wie es ist, wenn wir Kinder haben und die Armut an die Tür klopft, denn Eltern müssen Geld verdienen. (Christian Dirschauer [SSW]: Ja!) Meiner Meinung nach diskutieren wir schon viel zu lange darüber. Mein geschätzter Kollege Heiner Garg hat gerade etwas angesprochen, was mir auch sehr auf der Seele brennt, und zwar ist das zum einen die Lernmittelfreiheit, zum anderen ein warmes Mittagessen. (Beifall SSW, Dr. Heiner Garg [FDP] und Serpil Midyatli [SPD]) Wenn man seine Kinder einschulen und eine Schultasche kaufen möchte – das ist meine speciel opgave, das zu tun –, dann gibt man locker 380 Euro aus, einschließlich eines eventuellen Rabatts von 25 Euro. Was möchte ich damit sagen? Es ist verdammt teuer. Wenn dann die Kinder in der Schule sind, kommen weitere Kosten hinzu, beispielsweise für Unterrichtszubehör oder Klassenfahrten. Es summiert sich! Damit bin ich bei Skandinavien: Wir müssen endlich eine Lernmittelfreiheit haben, denn dadurch schaffen wir Bildungsgerechtigkeit. (Beifall SSW, SPD und FDP) Insofern haben wir noch viel zu machen, damit sich Familien mit mehreren Kindern in Schleswig-Holstein willkommen fühlen. Das Thema Wohnraum ist schon angesprochen worden. Ja, Kinder und Geschwister sind eine Bereicherung. Es gibt auch große Schwestern, die kleinen Brüdern auf dem Schulhof geholfen haben. Aber nichtsdestotrotz glaube ich: Wir müssen mehr Gas geben, damit wir familienfreundlicher werden. – Tusind tak. (Beifall SSW, SPD, FDP und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
