Dr. Heiner Garg
Vielen Dank, Herr Kollege. – Beim Primärarztsystem beziehungsweise bei der neuesten Begeisterung darüber bin ich grundsätzlich gar nicht so weit von Ihnen entfernt. Aber würden Sie uns einmal erklären, wie ein Primärarztsystem funktionieren soll, wenn die Kapazität der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte schon überstrapaziert ist? Wenn Menschen keine Hausärztin, keinen Hausarzt finden? (Beifall FDP, SPD und SSW) Wie sollen die zur Verfügung stehenden personellen Kapazitäten bei den Hausärztinnen und Hausärzten denn ausreichen, um eine neue, wenngleich auch sinnvolle Aufgabe der Patientensteuerung zu übernehmen? Wie soll das zu einer Verbesserung der Versorgung für alle Menschen auch im ländlichen Raum führen? – Ich finde, das könnten Sie eben einmal kurz erklären, denn diese Erklärung ist die Bundesgesundheitsministerin bisher schuldig geblieben. (Hauke Hansen) – Kollege Garg, ganz herzlichen Dank für diese Frage. Ich wäre in meinem weiteren Redebeitrag darauf eingegangen, aber nutze jetzt die Chance, das einmal darzustellen. Wir haben verschiedenste Bausteine, die erforderlich sind, um sozusagen die Menge an verfügbarer Patientenversorgung zu erhöhen. Dazu zählt natürlich – das wurde eben schon von der Kollegin angesprochen –, dass wir Aufgaben, die bisher im ärztlichen Bereich angesiedelt sind, an andere Tätigkeitsfelder im medizinischen Bereich, wie zum Beispiel an MFA oder PA delegieren, um diese vorhandenen Kapazitäten, die über großes Fachwissen verfügen, aber bisher ungenutzt waren, nun zu nutzen. Es gehört aber auch dazu, dass wir ganz klar untersuchen, wie wir Doppel‑, Dreifach- oder gar Vierfachuntersuchungen, die nicht notwendig sind und die unser System verstopfen, vermeiden können. – Das sind zwei Aspekte. Aber lassen Sie mich bitte im Verlauf der Rede noch weiter darauf eingehen. Ich komme noch dazu. – Vielen Dank. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Aus Perspektive der CDU hilft es nichts, wenn die Opposition in ihrem Antrag fordert, dass wir als Land ausschließlich medizinische Versorgungszentren, kurz MVZ, in kommunaler Trägerschaft fördern. Wir haben über 3.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in unserem Land und aktuell neun – ich wiederhole: neun – kommunal getragene MVZ.
