Jette Waldinger-Thiering
Vielen Dank. – Sehr geehrter Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Nach gründlichen Überlegungen haben wir uns entschieden, den Antrag unserer Oppositionskollegen Anne Riecke und Martin Habersaat zu unterstützen und reichen damit – das haben wir schon getan – diesen Antrag gemeinsam ein. Denn alles, was dazu führt, dass wir ein einheitliches und vergleichbares Bild über die Kompetenzen und Defizite an unseren Schulen bekommen, muss gefördert und umgesetzt werden. Nur so können wir dem negativen Trend beim Leistungsniveau unserer Schülerinnen und Schüler entgegenwirken und zielgerichtete und passgenaue Maßnahmen zur Kompetenzsteigerung entwickeln. Flächendeckende Lernstandserhebungen durch standardisierte Tests liefern ein objektives Bild vom Leistungsstandard, unabhängig von den individuellen Bewertungen einzelner Lehrkräfte. So erkennen Lehrkräfte, in welchen Bereichen einzelne Schülerinnen und Schüler oder ganze Klassen Unterstützung brauchen, und können zielgerichtet frühzeitige Fördermaßnahmen einsetzen, bevor sich die Defizite verfestigen. Die Daten helfen, die Unterrichtsqualität und auch die aktuellen Lehrpläne und Methoden zu überprüfen und langfristige Strategien zur Verbesserung zu entwickeln. Die Ergebnisse aus einer standardisierten Lernstandserhebung können als Grundlage für pädagogische Maßnahmen, Ressourcenverteilung oder auch Fortbildung für die Lehrkräfte dienen. Außerdem helfen sie, Bildungsungleichheiten zu identifizieren und diesen entgegenzusteuern. Auch Eltern kann so ein transparentes und objektives Bild über den Lern- und Leistungsstand ihres Kindes vermittelt werden. Das Modell KERMIT, das in Hamburg bereits angewandt wird, bietet die Möglichkeit einer objektiven Vergleichbarkeit durch die standardisierten Kriterien. KERMIT ist ein kompetenzorientiertes Modell und misst nicht nur reines Wissen, sondern auch Kompetenzen, die für den weiteren Lernweg wichtig sind. Es muss aber auch bedacht werden, dass ein Modell wie KERMIT keine Unterrichtsevaluierung ersetzt und mit anderen Tools verbunden werden sollte. Die Ergebnisse der Lernstandserhebung dürfen nicht isoliert bewertet werden, sondern müssen mit dem Setting des Schulalltags und mit laufenden Beobachtungen der Lehrkräfte verknüpft werden können. Wichtig ist, dass die jährliche Erhebung der Lernenden keine zusätzliche Belastung für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler darstellt, sondern gut in die bisherigen Evaluierungsverfahren integriert wird oder diese ergänzt. Es sollten auch keine Doppelstrukturen zum Beispiel mit dem VERA-3- oder dem VERA-8-Erhebungsmodell entstehen, sondern es sollte ein flächendeckendes und gut strukturiertes Erhebungssystem entwickelt werden, damit ein positiver Effekt sichtbar wird. Die Tests dürfen auf keinen Fall zu zusätzlicher Bürokratie führen und somit das System belasten. Es müssen also ausreichend Ressourcen zur Vorbereitung, Durchführung und besonders für die Auswertung und die darauffolgenden Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Wenn dass gelingt und die Lernstandserhebungen niedrigschwellig und formativ gestaltet werden, die Belastungen der Beteiligten im Blick behalten wer- (Jette Waldinger-Thiering) den und am Ende die Ergebnisse konstruktiv für die Unterrichtsentwicklung genutzt werden können, dann können wir höchstwahrscheinlich in anderen Bereichen Ressourcen anders platzieren. Ich würde mich freuen, wenn wir in Schleswig-Holstein diesen Schritt gehen, um so die Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit an unseren Schulen zu steigern. Ich möchte noch mal zwei, drei Worte über den Sprachtest für Viereinhalbjährige verlieren. Ich finde es spannend, wenn unsere ehemalige Landesbildungsministerin jetzt als Bundesbildungsministerin sagt, das könnte ein Game Changer sein. (Heiterkeit – Dr. Heiner Garg [FDP]: Das finden wir auch!) Ich finde es gut, dass sie gute Gedanken aus Schleswig-Holstein und Hamburg auf die Bundesebene mitgenommen hat. Dann hoffe ich, dass es auch Geld dafür gibt, damit wir es tatsächlich umsetzen können. Wenn wir tatsächlich mehr Kinder in der Kita erreichen wollen, dann müssen wir miteinander wirklich einmal über ein verpflichtendes letztes Kitajahr diskutieren. Das kostet natürlich Geld, aber das wird so gut sein, dass wir am Ende des Tages, ich sage mal, „Reparaturkosten“ sparen werden, weil wir nämlich die Kinder im System haben. (Beifall SSW, Beate Raudies [SPD] und Dr. Heiner Garg [FDP]) Ich glaube einfach, ein verbindliches Kitajahr, ein guter Test mit viereinhalb und zu gucken, wo Förderbedarf ist, wäre sehr wichtig, um allen eine gute Lernchance zu geben und Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. Wir könnten viel weiterkommen, wenn wir schon in jungen Jahren Hilfe leisten und Hilfestellung geben. – Insofern vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SSW, SPD und vereinzelt FDP)
