Jasper Balke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin mir sicher, dass wir alle hier bestimmte Erfahrungen und von bestimmten Gesprächen, die wir in der Vergangenheit zu dem Thema geführt haben, berichten könnten. Ich möchte es an dieser Stelle einmal machen, weil es noch so frisch ist. Wir waren vor 14 Tagen als sozial- und gesundheitspolitische Sprecher_innen bei der Landessuchtstelle zu den jährlichen Herbstgesprächen eingeladen. Das ist für uns immer ein super PraxisCheck, weil wir dann mit der tatsächlichen Praxis in der Suchtarbeit, in der Drogenhilfe und so weiter in Berührung kommen. Es war eine Fachkraft aus Flensburg da, die an die Flensburger Schulen kommt, dort mit Schülerinnen und Schülern arbeitet und über ihren Suchtkonsum und die Folgen ins Gespräch kommt. Wir sehen einen enormen Anstieg bei dem Konsum illegaler Drogen von Kindern und Jugendlichen: Die Fentanyl-Welle kommt; wir nehmen da extrem gestiegene Zahlen wahr. In Flensburg kommen diese Dinge auch vor. Ich habe die Frage gestellt: Wie kommen denn eigentlich die Kinder und Jugendlichen an diese illegalen Drogen? Ich hätte in meiner Schulzeit gar nicht gewusst, wo ich dafür hätte hingehen sollen. (Zuruf SPD) Ich hatte zum Glück eben nicht dieses Umfeld. Die Antwort dieser Fachkraft war tatsächlich eindeutig. Ich dachte eigentlich, ich wüsste, welche Auswirkungen Social Media haben. Seine Antwort hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt, denn die lautete: Die Jugendlichen bekommen diese illegalen Drogen über die sozialen Medien. Das geht so leicht, dass sie nur drei Minuten lang auf TikTok unterwegs sein und eine bestimmte Droge in die Suchzeile eingeben müssen, um in dem Algorithmus auf bestimmte Videos zu stoßen. In den Chatkommentaren finden sie dann Nummern von WhatsApp-Chats, Telegram-Gruppen. Da werden sie dann direkt zum Dealer vor Ort geleitet und können innerhalb von fünf Minuten denjenigen erreichen, der ihnen illegale Drogen besorgt. Ich frage mich die ganze Zeit: Haben wir einen rechtsfreien Raum? – Den haben wir auf Social Media anscheinend. Dieser Aspekt, der dazu führt, dass wir bestimmte Dinge nicht mehr kontrollieren können – in diesem Bereich, in der Suchthilfe oder in der Drogenprävention –, das ist auch ein Aspekt von Social Media. Diesen Aspekt müssen wir in dieser Debatte genauso berücksichtigen und bewerten. Es ist so, dass sich viele Menschen im Umgang mit den sozialen Medien hilflos fühlen, gerade Eltern und gerade diejenigen, die junge Kinder haben, die ihnen die Fragen stellen: Darf ich jetzt in die WhatsApp-Gruppe mit rein? Darf ich überhaupt am Leben meiner Freundinnen und Freunde teilhaben? (Jasper Balke) – Auch die Eltern sind hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Auch das ist ein Aspekt, der unbedingt berücksichtigt werden muss. Deswegen finde ich es richtig, dass wir dieses Thema endlich einmal an so prominenter Stelle setzen. Denn es geht nicht mehr, dass wir das so losgelöst, ohne Kontrolle und ohne Regularien, fortsetzen. Das funktioniert nicht, und darüber müssen wir gemeinsam ein ernstes Wort sprechen. – Danke schön. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW)
