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Christian Dirschauer

SSW 25.09.2025 Sitzungen 20/97

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vom Grundsatz her sind wir uns alle einig: Ganz ohne Frage müssen wir vor allem junge Menschen vor den negativen Auswirkungen der sozialen Medien schützen. Das ist in allen Wortbeiträgen deutlich geworden. Es ist ohne Zweifel deutlich geworden, dass es diese negativen Auswirkungen gibt. Das bezweifelt hier auch niemand. Auch das ist in den Wortbeiträgen klar geworden. Spätestens mit der Berichterstattung zu White Tiger und dem sadistischen Online-Netzwerk dürfte allen bewusst sein, wie real und wie gefährlich der digitale Raum für Kinder und Jugendliche sein kann. Es ist Fakt, dass es globale Täternetzwerke gibt, in denen sich Menschen mit sozio- oder psychopathischen Tendenzen radikalisieren. Wir haben es in diesem Fall wahrgenommen: Die Opfer werden durch gezielte Manipulation zu Selbstverletzungen bis hin zum Suizid gedrängt. Das ist natürlich ein Extrem. Doch es wird deutlich, welche krassen negativen Auswirkungen soziale Medien auf Kinder und Jugendliche haben können. Gleichzeitig sind soziale Medien längst omnipräsent. Zwischen 4,5 und 5 Milliarden Menschen weltweit nutzen sie regelmäßig. Soziale Netzwerke haben unser Leben verändert und bieten unbestrittene Vorteile. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nutzen die bekannten Plattformen allerdings besonders intensiv. Die Folgen dieser intensiven Nutzung sind bis heute sehr umstritten. Wenn wir uns die entsprechende Forschung anschauen, gibt es bisher wenig wirklich belastbare Ergebnisse. Aber verschiedene Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Ängsten, Isolation, Depression, Essstörung und digitalem Stress hin. Nicht zuletzt, weil soziale Medien in Verdacht stehen, süchtig zu machen und das Sozialverhalten zu beeinflussen, ist für mich und meine Fraktion völlig klar, dass wir hier sehr genau hinsehen müssen. (Beifall SSW und FDP) Mit Blick auf die vorliegenden Anträge der Koalition und der SPD kann ich sagen, dass wir beide gerne unterstützen. Das Vorhaben, sich zu den Risiken sozialer Netzwerke und zu Schutzmöglichkeiten für junge Menschen mit Expertinnen und Experten auszutauschen, ist absolut sinnvoll. Gleiches gilt für den Ansatz, sich kritisch mit der Rolle der Plattformbetreiber auseinanderzusetzen und Erfahrungen aus anderen Ländern einzubeziehen. Auch die von der SPD angeregte Diskussion über Altersgrenzen oder die Forderung nach einer weitreichenden Medienbildung sind in diesem Zusammenhang ungemein wichtig. Denn die Nutzung sozialer Medien hat in den letzten Jahren noch deutlich zugenommen. Es steht zu befürchten, dass auch die damit verbundenen negativen Effekte – wie etwa Schlafstörungen oder Cybermobbing – zunehmen werden. Es ist also nur folgerichtig, dass uns mit den Anträgen ein umfassender Forderungskatalog vorliegt. Wir haben hier definitiv eine gemeinsame Aufgabe, liebe Kolleginnen und Kollegen. Aber gerade mit Blick auf die Umsetzung und Kontrolle der geforderten Maßnahmen ist es aus meiner Sicht besonders wichtig, dass wir diese Vorschläge und Fragen sehr gründlich im Ausschuss diskutieren. Mit Blick auf das weitere Verfahren möchte ich aus meiner Rolle als Vater heraus für einen ausgewogenen, differenzierten Umgang mit diesem Thema plädieren und werben. Gerade wenn es um Bildung oder Vernetzung geht, bieten soziale Medien enorme Möglichkeiten. Neben den erwähnten Problemen verbinden viele junge Menschen durchaus positive Erfahrungen mit den sozialen Netzwerken. Schlichtes Schwarz-Weiß-Denken bringt uns an dieser Stelle nicht weiter. Es kann also nicht darum gehen, soziale Medien zu verteufeln und einseitig auf Verbote hinzuwirken. Studien zufolge sind mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen durchaus zu Selbstreflexion (Christian Dirschauer) und damit zur Begrenzung ihres Medienkonsums in der Lage. Dass wir uns gleichzeitig Gedanken darüber machen müssen, wie wir die übermäßige, schädliche Nutzung begrenzen können, das steht für uns als SSW völlig außer Frage. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei der Regulierung oder Begrenzung sozialer Netzwerke auf vielen Ebenen angesetzt werden muss. Das haben wir schon gehört. Neben der großen europäischen Bühne, auf der mit den Plattformbetreibern Themen wie etwa Hassinhalte oder algorithmische Transparenz geregelt werden müssen, brauchen wir vor allem mehr konkrete Aufklärung und Anleitung – und zwar explizit nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für die Erwachsenen in ihrem Umfeld, meine Damen und Herren. (Beifall SSW, FDP, Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Kianusch Stender [SPD]) Denn längst nicht alle Eltern, Pädagogen oder Trainerinnen im Sportverein wissen, wie man soziale Medien altersgerecht einbindet und wo Grenzen überschritten werden. Häufig sind Unwissenheit und mangelnder Austausch die Ursache, sodass schon eine einfache Handreichung manchmal helfen kann. Gerade mit Blick auf solche vermeintlich kleinen, aber eben konkreten Dinge erwarte ich nicht nur von der angeregten Anhörung auf Landesebene wichtige Impulse. Wir sollten uns dringend die Strategie für den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt sehr genau anschauen, die derzeit auf Bundesebene erarbeitet wird. Denn eins ist klar: Trotz der bestehenden Risiken dürfen wir jungen Menschen nicht die Chance verbauen, die sozialen Medien für ihre Bildung und Teilhabe zu nutzen und die Chancen wahrzunehmen, die geboten werden. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW und SPD)

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