Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn es um eine Neuausrichtung der Grundfinanzierung unserer Hochschulen in Schleswig-Holstein geht, dann sollte da- (Jette Waldinger-Thiering) bei eine Optimierung der Hochschulen entstehen und keine Unterfinanzierung einzelner Standorte oder der Lehramtsausbildung. Da es hier jetzt im Antrag um die Lehrkräftebildung geht, ist die Europa-Universität Flensburg das beste Beispiel. Weil eine neue Grundfinanzierung nicht nach Schema F an allen Standorten gleich gut funktioniert, ist gerade die EUF, an der unsere schleswig-holsteinischen Gemeinschaftsschullehrkräfte ausgebildet werden, jetzt in finanzielle Schieflage geraten. Ohne Kürzungen und Einschnitte in der Lehramtsausbildung wird es der Hochschule nicht gelingen, ihr drohendes Defizit allein auszugleichen. Auch wenn die Präsidentin im Bildungsausschuss zuversichtlich erklärte, dass man mit guter Planung den Hochschulhaushalt wieder flott bekommt, wird das ganz offensichtlich nicht ohne Einbußen in der Lehrkräfteausbildung funktionieren. Deshalb muss eine Neuberechnung in der Hochschulfinanzierung erfolgen, bei der allen Fächern des Lehramtsstudierenden Rechnung getragen wird, statt nur dem willkürlich festgelegten Erstfach. (Beifall SSW) Zurück zu dem Beispiel der EUF. Eine der Einsparungen, die laut des Präsidiums erforderlich ist, liegt im Bereich der Beratung und Begleitung von Studierenden. Auch die Studierendenzahl pro Kurs werde steigen, und somit wird weniger Zeit für den Einzelnen bleiben. Dabei ist es doch so wichtig, den Studierenden zur Seite zu stehen, um unnötige Abbrüche und Wechsel zu vermeiden. Deshalb ist auch der Punkt drei, ein effizienteres Controlling der Maßnahmen für die Lehrkräftegewinnung, richtig und wichtig. Vielleicht sind Mittel der „Allianz für Lehrkräftebildung“ noch besser und zielgenauer einzusetzen beziehungsweise umzuschichten. Über eine Auswertung der Effizienz der einzelnen Maßnahmen würde sich dann auch der Landesrechnung freuen. Letztendlich sinken die Studierendenzahlen fürs Lehramt, und auch wenn die aktuelle Geburtenrate wieder sinkt und vielleicht etwas weniger Schüler und Schülerinnen in den nächsten Jahren auf uns zukommen, so wird im gleichen Zeitraum die Boomer-Generation in Rente gehen beziehungsweise sich bereits in Rente befinden und damit ein Loch in die Personaldecke der Schulen reißen. Da führen ein paar geburtenschwache Jahrgänge höchstens zu einer kleinen Atempause im System, jedoch nicht zur Lösung des Problems. Deshalb müssen wir jetzt grundsätzlich umgehend dafür sorgen, dass unsere Lehramtsstudierenden eine solide Basis für ihre Ausbildung vorfinden und dass sie ganzheitlich auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet werden. An den Schulen haben die Lehrkräfte es momentan schon schwer genug. Daher sollten wir zumindest dafür sorgen, dass sie gut gerüstet dort ankommen. Ich möchte einmal meiner Kollegin Anne Riecke beipflichten: Es ist manchmal echt ein bisschen schräg, wenn wir von der Koalition hören, wir würden uns nie Gedanken machen. Ich glaube, das stimmt nicht. Auch wir in der Opposition machen uns Gedanken darüber, aber wir machen uns andere Gedanken. Wenn man tatsächlich etwas ändern will, dann kann man auch mal gucken, ob man das nicht vielleicht doch mit ein bisschen Opposition, mit ein bisschen Chor hinkriegt, um etwas Vernünftiges für die Lehramtsbildung und für unsere Hochschulen zu erreichen. Das ist nun einmal der Ausgangspunkt für unsere Nachwuchskräfte und für unseren Standort Schleswig-Holstein. Insofern käme da vielleicht von dem einen und dem anderen etwas Gutes zum Zusammenmixen, damit wir am Ende eine gute Lösung dabei herausbekommen. (Beifall SSW und FDP)
