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Anne Riecke

FDP 25.09.2025 Sitzungen 20/97

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Damen und Herren! Wenn wir den Lehrkräftemangel in Schleswig-Holstein wirksam bekämpfen wollen, müssen wir die Ursachen endlich systematisch angehen, und genau das tut dieser Antrag. Erstens verbirgt sich dahinter die Finanzierung der Hochschulen. Das derzeitige Hochschulfinanzierungsmodell setzt einfach falsche Anreize. Es benachteiligt Lehramtsstudierende, obwohl wir in diesem Bereich den größten Bedarf haben. Für das Schuljahr 2025/2026 stehen in SchleswigHolstein rund 24.000 Planstellen für Lehrkräfte zur Verfügung. Das hört sich vielleicht viel an, aber im Gegenzug – wir haben es die letzten Sitzungen immer wieder bemängelt – sind das 400 Stellen weniger bei steigender Schülerzahl. Aber so wirklich wissen wir das mit den Zahlen nicht, weil dieses Delta am Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern nicht wirklich definiert werden kann. Wir wissen nicht, wie die Deckung an den Schulen tatsächlich ist. Angesichts dieser Situation ist es absurd, dass Lehramtsstudiengänge im Wettbewerb um Hochschulmittel strukturell schlechtergestellt werden. Wir sagen klar: Hochschulfinanzierung muss Bedarfe abbilden, und die liegen eindeutig in der Lehrkräftebildung. Zweitens. Das Lehramtsstudium selbst: Viele junge Menschen schrecken bereits vor Beginn des Studiums zurück, weil die Perspektiven unsicher erscheinen oder – sofern sie denn mit dem Studium begonnen haben –sie brechen es ab, weil die Rahmenbedingungen unfair sind und echte Perspektiven fehlen. (Anne Riecke) Die Folge ist eine hohe Abbruchquote, und die können wir uns in diesen Zeiten bei massivem Unterrichtsausfall schlichtweg nicht leisten. (Beifall FDP und SSW) Wir fordern deswegen bereits seit Monaten eine Reform des Lehramtsstudiums zugunsten eines dualen Modells mit frühem Praxisbezug. Wir müssen die Studienbedingungen attraktiver gestalten durch beispielsweise gezielte Praxisphasen, mehr Durchlässigkeit, klares Aufzeigen von Karriereperspektiven in diesem Bereich, Mentoring-Angebote und Investitionen in mehr Digitalisierung. Denn wenn wir im Studium nicht die Realität der Schule erlebbar machen und die angehenden Lehrkräfte alleinelassen, verlieren wir Potenzial und damit auch zukünftige Lehrkräfte für unsere Schulen hier in Schleswig-Holstein. Oder sie haben eine gute Ausbildung und gehen dann in andere Bundesländer, weil sie hier keinen Platz für ihr Referendariat oder einfach keine weitere Anstellung bekommen. Drittens. Das nicht vorhandene Controlling der Lehrkräftegewinnungspakete. Seit Jahren werden Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung gestartet: Seiteneinstieg, Quereinstieg, neue Masterangebote. Aber über deren Erfolg wissen wir viel zu wenig, weil diese ganzen Programme nicht evaluiert werden. Auch das hat der Landesrechnungshof festgestellt. Was bringen die uns? Ohne belastbares Controlling können wir hier nicht beurteilen, ob diese Maßnahmen langfristig eigentlich zum Tragen kommen, (Beifall FDP und SSW) ob die etwas nützen oder ob sie in diesem Bereich kurzfristige Lückenfüller sind. Es fehlt an einer datenbasierten Steuerung und an Durchschlagskraft einzelner Maßnahmen. Auch der Landesrechnungshof sagt, die Reaktion des Bildungsministeriums ist noch nicht ausreichend. Wenn wir das in Zensuren wiedergeben, ist „nicht ausreichend“ auf jeden Fall keine Vier, sondern eine Fünf. Das hätte zu Hause mächtig Ärger gegeben. (Jette Waldinger-Thiering [SSW]: So ist das!) Unser Antrag setzt folgerichtig hier an. Er fordert ein Controlling, das alle geplanten Maßnahmen des Handlungsplans einheitlich nach den Kriterien wie Aufwand für die Umsetzung der Maßnahmen und Wirkung der Maßnahmen im Hinblick auf die Minderung des Lehrkräftemangels bewertet und die Umsetzung entsprechend steuert. Genauso, wie es der Landesrechnungshof einfach vorschreibt. Zu guter Letzt eine gezielte Werbeoffensive. Es reicht nicht, Stellen auszuschreiben und dann irgendwie auf Bewerbungen zu hoffen. SchleswigHolstein muss aktiv um seine Talente werben. Länder wie Bayern und Baden-Württemberg investieren sehr viel in die Kampagnen für Lehrkräftegewinnung, um ihren Nachwuchs hier zu gewinnen. Wir hingegen setzen bisher eher auf das Prinzip Zufall. Wir brauchen eine professionelle Offensive, die das Lehramt als attraktiven Beruf ins Schaufenster stellt, und keinen zweiseitigen Flyer, der den Lehrerberuf beschreibt und sagt, was man dort machen kann. (Beifall FDP und SSW) Meine Damen und Herren, wenn wir die Lehrkräfteversorgung nachhaltig sichern wollen, brauchen wir genau diese vier Schritte: eine faire Hochschulfinanzierung, ein attraktives Studium, klare Erfolgskontrollen und eine mutige Werbestrategie. Gute Bildung braucht nicht nur genügend Lehrkräfte, sondern auch die richtigen Rahmenbedingungen für die Lehrkräfte, damit diese gerne und dauerhaft bei uns hier in Schleswig-Holstein bleiben. Die gewinnen wir nur mit klaren Konzepten statt mit einem Flickwerk und weiteren Lippenbekenntnissen. Anscheinend werden alle Anträge, die wir von der Opposition hier stellen, wie ich finde, immer mit einer Arroganz abgelehnt, weil ja alles in irgendeiner Weise immer tippi toppi ist.

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