landtag.ltsh.de ↗

Christian Dirschauer

SSW 25.07.2025 Sitzungen 20/95

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die letzten Jahre haben es überdeutlich gemacht: Hitze, Dürre und Starkregen sind keine Ausnahmesituationen mehr, sie sind zur Regel geworden. Davon können wir in Flensburg ganz aktuell, was den Starkregen angeht, ein Lied singen. Ich werde nach Ende dieser Tagung in mein Wahlkreisbüro, das gestern in einem Hotspot lag, fahren müssen und schauen, wie die Lage konkret im Büro ist. Wir begrüßen deshalb ausdrücklich den vorliegenden Antrag der SPD-Fraktion, denn er benennt klar, um was es jetzt gehen muss. Wir brauchen einen strategischen landesweiten Plan zur Anpassung an die Klimafolgen mit ganz konkreten, umsetzbaren Maßnahmen und einer auch ressortübergreifenden Verantwortung. Es geht hier nicht nur um Umweltpolitik, sondern auch um Gesundheit, soziale Teilhabe, Landwirtschaft, Infrastruktur und eben Stadtentwicklung. Damit wird deutlich, dass uns die Auswirkungen von Hitze und Dürre in vielen Bereichen vor He- (Christian Dirschauer) rausforderungen stellen. Wir haben es gehört. Das ist keine neue Erkenntnis, so ist dies auch keine neue Debatte, die wir hier und heute führen. Bereits im letzten Jahr haben wir darauf hingewiesen, dass neben Schwangeren auch Kleinkinder, Kranke und vor allem ältere Menschen unter den Folgen der Hitze leiden. Es braucht daher verbindliche Hitzeaktionspläne für Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas, bessere Aufklärung, technische Schutzmaßnahmen wie Belüftung, Verschattung und vor allem eine breite, öffentlichkeitswirksame Sensibilisierung. Hier dürfen wir als Land unsere kommunale Ebene nicht im Stich und vor allen Dingen nicht alleine lassen. Mit dem Fahrplan für Schleswig-Holstein existieren bereits Grundlagen für eine koordinierte Klimaanpassung. Diese Strukturen sind wichtig, sie könnten aber durch mehr Transparenz und eine konsequent umgesetzte Gesamtstrategie ergänzt werden, wie es der Antrag der SPD fordert. Wir haben längst kein Wissensdefizit mehr, sondern an dieser Stelle ein Handlungsdefizit. (Beifall Sandra Redmann [SPD]) Wir spüren Jahr für Jahr, dass der Klimawandel und seine Extremwetterlagen eben nicht auf uns warten. Ein entscheidender Bereich dabei ist unsere urbane Infrastruktur. Städte heizen sich zunehmend auf, versiegelte Flächen speichern Hitze, und grüne Rückzugsräume sind vielerorts Mangelware geworden. Hier müssen wir durch mehr Begrünung, aber auch durch technische und gestalterische Maßnahmen gezielt gegensteuern. Wir müssen Flächen entsiegeln und für kleine, auch klimaresiliente Wälder, sogenannte Tiny Forests, Platz schaffen. Sie sind ein Beispiel für innovative Ansätze mit großer Wirkung. Sie schaffen Verdunstungskühle, verbessern das Mikroklima und stärken die Biodiversität, und das mitten in der Stadt. Gleichzeitig brauchen wir flächendeckende Entsiegelungskonzepte etwa für Schulhöfe, Parkplätze oder Verkehrsflächen, damit Regenwasser wieder versickern kann und damit wir in Zeiten von Starkregen nicht vor überlasteten Abwassersystemen stehen, wie wir es gerade in Flensburg gesehen haben. Auch Wasserspender, Verdunstungsflächen oder mobile Beschattung sollten viel selbstverständlicher Teil unserer Stadtgestaltung sein. Sie schaffen nicht nur Kühle, sondern schützen ganz konkret die Gesundheit der Menschen. Gerade in dicht besiedelten Quartieren ist das überfällig. Das wissen wir, glaube ich, alle gemeinsam hier. Nicht nur unsere Städte, sondern auch der ländliche Raum braucht vorausschauende Anpassung. Landwirtschaft und Wasserhaushalt geraten durch Dürreperioden zunehmend unter Druck. Hier braucht es eine Kombination aus Moorschutz, Wiedervernässung und Agroforstwirtschaft, also landwirtschaftliche Systeme, die gezielt auf Durchmischung, Wasserrückhalt und Schatteneffekte setzen. (Beifall Silke Backsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Auch mal klatschen, Frau Backsen, danke sehr. Das ist ökologisch sinnvoll, langfristig wirtschaftlich stabilisierend und ein aktiver Beitrag zur Klimaanpassung. Ein strategischer Aktionsplan muss eben mehr sein als eine Sammlung von guten Ideen. Wir brauchen Koordination und Transparenz sowie vor allem Verbindlichkeit in der Umsetzung. Daran hapert es doch in weiten Teilen, das müssen wir uns vor Augen führen und an der Stelle ehrlich sein. Deswegen greift der Antrag der SPD viele Bereiche auf, bei denen wir mit unterschiedlichen Maßnahmen ins Handeln kommen müssen. Zugegeben, damit liegt die Messlatte für einen solchen strategischen Aktionsplan durchaus hoch, aber wir dürfen es uns an der Stelle auch nicht leicht machen und darunter herlaufen, das muss man ganz klar sagen. (Beifall SSW und SPD) Klimapolitik ist für uns nicht nur Umweltpolitik, sondern eine integrative Vorsorgeaufgabe für unsere Städte, für unsere Dörfer, für unsere Landwirtschaft und vor allem für die Menschen, die hier leben, meine Damen und Herren. – Ganz herzlichen Dank. Am Ende der Debatte bleibt von mir dann auch nur noch zu sagen: Ihnen allen einen schönen Urlaub. Sollten Sie im Urlaub nach Flensburg kommen, melden Sie sich bitte nur, wenn Sie ein Fischbrötchen essen wollen. Das geht dann auf mich. Schönen Urlaub! (Beifall und Heiterkeit ganzes Haus)

Alle Reden von Christian Dirschauer Protokoll ↗