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Marc Timmer

SPD 25.07.2025 Sitzungen 20/95

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Viel Wahres wurde schon gesagt. Ich möchte das dennoch ein wenig anders einordnen und ein paar zusätzliche Aspekte hinzufügen. Im Kern geht es um die Diskussion zu den Stromgebotszonen. Sie ist in der Tat sehr komplex. Das muss man an dieser Stelle einfach einmal festhalten. ENTSO-E, also der Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber, hat nicht ohne Grund fünf Jahre gebraucht, um seine Empfehlungen zu entwickeln. Die Bundesregierung muss nun eine Stellungnahme abgeben und mitteilen, wie sie verfahren möchte. ENTSO-E empfiehlt, die Zone Deutschland-Luxemburg, also die einheitliche große Stromzone, in fünf verschiedene Stromzonen aufzuteilen. Hierdurch seien Einsparungen von etwa 340 Millionen Euro jährlich zu generieren. Es ist unbestritten, dass der einheitliche Strommarkt in Deutschland falsche Preissignale stellt. Das ist so. Wenn die Windmühlen im Norden brummen, das Angebot also hoch und der Preis gering ist, regt das in Bayern dazu an, Strom einzukaufen. Der Strom kann aber physisch nicht geliefert werden. Deshalb sind dann die sogenannten RedispatchMaßnahmen erforderlich; die kosten Geld, und das ist im System ineffizient. Bei dieser Feststellung können wir es allerdings nicht belassen, und das wäre dann der zweite Teil. Wir müssen die Folgen der Teilung in den Blick nehmen, in Geld bewerten, quantifizieren. Wir müssen andere Maßnahmen mit vergleichbarer Wirkung in den Blick nehmen und diese miteinander vergleichen. Das gehört, denke ich, dazu. Das könnte auch Teil einer Studie oder einer Untersuchung sein, was ich sehr gut finden würde. Zu den Folgen. Während die Preise in einem Strommarkt Norddeutschland aufgrund des hohen Angebotes an erneuerbaren Energien sinken würden, würden die Preise im Rest der Republik steigen. Das bedeutet auch Anreizwirkungen – wir haben es gehört – für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in diesen Regionen, was erst mal ein positiver Effekt ist. Das ist gar keine Frage. Aber die Frage, wie sich energieintensive Unternehmen im Süden verhalten würden, ob die Lasten zu der Erzeugung kommen, möchte ich jetzt offenlassen; denkbar wären auch andere Szenarien. Dass Unternehmen abwandern, wenn die Preise sozusagen im Rest der Republik hoch wären, ist völlig offen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass es um die Frage geht, ob wir große Stahlunternehmen in Schleswig-Holstein haben wollen. Das ist eine andere Frage. (Zuruf Sandra Redmann [SPD]) Im Prinzip ist die Frage offen, nicht geklärt. Das müsste untersucht werden. Man könnte auch an Umfragen bei Unternehmen denken, was sie machen würden, wenn die Preise einen entsprechenden Betrag erreichen, wie ihre Reaktion darauf wäre. Schweden und Dänemark dagegen würden sich na-7138 Schleswig-Holsteinischer (Marc Timmer) türlich über günstigere Strompreise im Norden der Republik freuen und den Handel weiter ausweiten. Ein anderer Effekt ist, dass bei mehreren kleineren Märkten Liquidität verloren geht, was wiederum einen preissteigernden Effekt hat. Darüber hinaus gibt es Effekte auf die zukünftige Ausrichtung des Kapazitätsmarktes, und es wäre auch zu erwarten, dass im Süden – wie bereits gesagt – erneuerbare Energien ausgebaut werden. Zweitens müssen wir andere ähnliche geeignete Instrumente bewerten, die ebenfalls darauf ausgelegt sind, Netzengpässe und deren Folgen zu vermeiden – dazu hat Herr Hein einiges gesagt –, das betrifft zuallererst den Netzausbau, der weiter forciert werden muss. Es gibt aber auch sogenannte nodale Systeme. Diese Systeme sind in der Lage, die Netzengpässe an jedem Netzknotenpunkt preislich abzubilden. Auch das wäre theoretisch denkbar und eine Variante. Beachtenswert ist die Senkung von Netzentgelten bei Einsatz von erneuerbarem Strom zur Nutzung in anderen Bereichen, Stichwort: Sektorkopplung, beispielsweise, wenn Elektrolyseure oder Wärmenetze über eine Großwärmepumpe betrieben werden. Speicher, verbrauchsseitige Flexibilitäten sind super wichtig; das ist eine No-regret-Maßnahme. Das kann man in jedem Fall tun. Darauf muss man beim Strommarktdesign achten. Auch das hat Herr Hein gesagt. In diesem Zusammenhang ist die Rolle von Biogas im Rahmen der Flexibilisierung zu sehen. Das ist ebenfalls super wichtig. Ich stimme mit Ihnen, Frau Täck, überein, wenn Sie sagen: bis zu 20 Gigawatt an Kapazität aus Gaskraftwerken. Da muss man zuerst schauen, was die Biogaskraftanlagen leisten können, und die können 10 Gigawatt deutschlandweit relativ schnell als Reservekapazitäten auf die Beine stellen. Das wäre sozusagen der richtige Weg. Das führt mich zu dem entscheidenden Kritikpunkt bei der NZOE-Empfehlung. Die Betrachtung des Strommarkts ist sehr statisch. Wir haben aber Ausbauziele im Bereich der erneuerbaren Energien. Mit dem Windenergieflächenbedarfsgesetz beispielsweise wird gerade der flächenweite Ausbau von Windenergie in anderen Bundesländern fortgesetzt. Das berücksichtigt die Studie entsprechend nicht; das ist sehr schade. Auch die Netzausbaupläne werden in der NZOE-Studie nicht ausreichend berücksichtigt. Deshalb finde ich es grundsätzlich richtig, dass wir eine Studie – so lese ich den Antrag – beantragen.

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