Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Mich hat es irgendwie auch noch einmal hierher bewegt, weil Kinder sich nicht aussuchen, in welche Familie und damit in welche soziale Situation sie geboren werden. Punkt. (Beifall SSW, SPD und Dr. Heiner Garg [FDP] – Serpil Midyatli [SPD]: Ja!) Dass wir heute auch mit Würde und Demut über genau dieses Thema sprechen, finde ich, sollte dieser Debatte in gewisser Maßen angemessen sein. Denn, wie ich gerade gesagt habe, die Kinder suchen sich ihre Situation, ihre finanzielle Situation nicht aus. Wir wissen alle: Wer keine Kohle hat, kann nicht in die Kita gehen. Wer keine Kohle hat, kann kein warmes Mittagessen haben. (Widerspruch CDU) 6904 Schleswig-Holsteinischer (Jette Waldinger-Thiering) Und wie viele Kinder haben wir, die auch im Ganztag in der Schule Kaltesser sind, weil ihre Eltern sich das nicht leisten können? (Werner Kalinka [CDU]: Das stimmt doch gar nicht!) Wir sprechen nicht über die Kinder, die von Sozialhilfe- und Transferleistungen abhängig sind. Wir sprechen von den Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen und immer nur so ein bisschen über den Durst verdienen. Für die reicht es am Ende des Tages nicht für das warme Mittagessen. (Werner Kalinka [CDU]: Das stimmt doch einfach nicht! – Serpil Midyatli [SPD]: Natürlich stimmt das!) Wieso sind wir in 20 Jahren mit der Bekämpfung der Kinderarmut noch nicht weitergekommen beziehungsweise, wie kriegen wir die Kinder aus dieser Spirale heraus? – Wir haben gestern über die frühkindliche Bildung gesprochen. Da können wir ansetzen, damit sie einen erfolgreichen Bildungsweg einschlagen können. Ein erfolgreicher Bildungsweg ist der Ausgangspunkt für eine Ausbildung, für einen guten Job, für ein selbstbestimmtes Leben. Deshalb müssen wir uns mit ganz anderen Brillen um die Kinder, um die Jugendlichen kümmern. Ich möchte noch kurz auf die Lernmittelfreiheit eingehen, das ist ein super wichtiges Thema. Dann heißt es: Na ja, aber das betrifft ja dann auch die Familien, bei denen die Eltern Geld haben. – Ja, mein Gott, dann müssen wir irgendwann echt einmal daran denken, dass wir vielleicht auch von denen, die viel Geld verdienen, ein bisschen mehr Steuern erwarten. (Beifall SSW, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) So, fangen wir an. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort: Um ein Kind großzuziehen, bedarf es eines ganzen Dorfes. – Da muss ich ganz ehrlich sagen und dabei auf die Worte des Abgeordneten Kalinka eingehen: Ja, wir haben alle eine Verantwortung. Ich bin bereits Großmutter und habe drei Mädels. Ich freue mich, wenn ich Zeit habe, mit ihnen Qualitätszeit zu verbringen. Wenn sie Hilfe benötigen, bin ich natürlich da. Das aber sind Sachen, die Familie zusätzlich machen kann. Wir als Staat haben jedoch die Aufgabe, für eine vernünftige Ausgangssituation zu sorgen. (Beifall SSW, SPD und FDP)
