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Cornelia Schmachtenberg

CDU 20.06.2025 Sitzungen 20/92

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir befassen uns heute mit dem Bericht zur sozialen Lage von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein. Dazu möchte ich als allererstes dem Sozialministerium für die Arbeit und den aufschlussreichen und umfassenden Bericht herzlich danken, (Beifall) denn er bietet uns nicht nur eine Vielzahl an Daten, sondern auch eine wichtige Grundlage, um die Lebensrealität junger Menschen in unserem Land zu diskutieren – auf Basis von Fakten, aber auch auf Basis von Rückmeldungen junger Menschen. Bei Kindern ist es besonders entscheidend, die Situation ihrer Lebensrealität anzuschauen und sie im Kontext der Familien zu betrachten, denn sie selbst haben nun einmal keinen Einfluss darauf, wo sie leben und in welchem Umfeld sie aufwachsen. Umso wichtiger ist es, dass wir die Rahmenbedingungen in den Blick nehmen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Die Zahl der Minderjährigen ist in den vergangenen Jahren um 4,3 Prozent gestiegen – ein Zuwachs, der ausschließlich auf Zuwanderung zurückzuführen ist. Während fast 85 Prozent der unter Zehnjährigen mit Migrationshintergrund in Deutschland geboren worden sind, gilt das nur für 40,6 Prozent der 10- bis 18-Jährigen. Rund jedes vierte Kind lebt in Schleswig-Holstein in Armut oder ist auf Mindestsicherung angewiesen. Kinder sind mehr betroffen, denn in der Gesamtgesellschaft ist es jede fünfte Person, die in Armut lebt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Kinderarmut ist keine Randerscheinung, sie ist ein Teil unserer gesellschaftlichen Realität und, das muss man auch sagen, sie ist kein rein finanzielles Problem, denn Kinderarmut ist ein komplexes Geflecht. So lesen beispielsweise berufstätige Mütter ihren Kindern fünfmal mehr vor als Eltern, die nicht erwerbstätig sind. Dort wird beispielsweise mehr Fernsehen gesehen. Der Bericht zeigt klar: Wer in Armut aufwächst, hat ein deutlich höheres Risiko für einen niedrigeren Bildungsabschluss, leidet häufiger unter gesundheitlichen Problemen und hat schlechtere Zukunftschancen. Kinder, die in Armut aufwachsen, leiden häufiger an Übergewicht oder Adipositas. Sie zeigen aber auch überdurchschnittlich häufig psychische Auffälligkeiten, Sprachdefizite und Entwicklungsverzögerungen. Diese Entwicklungen fangen im Kleinen an, ziehen sich aber durch das komplette Leben und haben dadurch große Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf deren ganzes Leben. Die Ursachen von Kinderarmut sind vielschichtig. Sie hängen oft mit dem Bildungsstand und der (Cornelia Schmachtenberg) Erwerbsbiografie der Eltern und oft mit deren Herkunft zusammen. Familien mit Migrationshintergrund haben ein deutlich höheres Armutsrisiko. Eine Kernaussage des Berichts ist, das hat der Minister eben auch schon beschrieben: Erwerbstätigkeit schützt vor Armut. Das ist für jeden nachvollziehbar, und das hätte wahrscheinlich jeder gedacht. Es ist aber wichtig, das auch herauszustellen, weil wir ja hoffentlich die politischen Konsequenzen aus dem Bericht ziehen möchten und darüber auch weiter diskutieren werden. Frühkindliche Bildung ist ein wichtiger Hebel im Kampf gegen Kinderarmut. Kinder, die mehrere Jahre in der Kita betreut werden, entwickeln häufiger eine höhere Sprachkompetenz. Bei vier bis sieben Jahren Betreuung beispielsweise haben 93 Prozent der Kinder eine gute Sprachkompetenz. Wenn Kinder gar nicht in der Betreuung waren, haben nur 44 Prozent der Kinder eine gute Sprachkompetenz. Das zieht sich ja durch das weitere Leben, durch die Schule und Ähnliches. Hier besteht ein Unterschied, und das müssen wir uns angucken. Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen oder mit Migrationshintergrund nehmen seltener frühkindliche Bildung wahr – sei es wegen mangelnder Informationen, sprachlicher Hürden oder fehlender Vereinbarkeit mit familiären Strukturen. Dabei ist ein Kitabesuch ein Schlüssel zur Chancengleichheit.

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