Anne Riecke
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Thema Schülergesundheit und Schulgesundheit wird in unserer Gesellschaft leider immer relevanter. Die Ergebnisse bei den ärztlichen Untersuchungen zeigen, dass es immer mehr Auffälligkeiten gibt. Vor allem die stetige Gewichtszunahme bis hin zum bereits früh eintretenden Übergewicht bei Kindern muss für uns ein absolut alarmierendes Signal sein. Auch bei der Konzentrationsfähigkeit und den motorischen Fähigkeiten werden immer wieder gravierende Defizite festgestellt. Daher wäre es wichtig, dass wir hier so früh wie möglich gegensteuern. Das sollte aber nicht erst bei der Schuleingangsuntersuchung starten, sondern schon in den Kitas. Denn je früher wir etwas tun, desto besser und effektiver können wir mit Förderung und Hilfen nachbessern. Dafür ist es natürlich erst einmal wichtig, dass die Schuleingangsuntersuchungen überhaupt flächendeckend stattfinden. Ich wusste vorher gar nicht, dass das nicht in allen Kreisen in Schleswig-Holstein stattfindet. Das ist ehrlich gesagt alarmierend. Ich war sehr erstaunt, denn ich dachte, es gehört dazu, wenn ich in eine Grundschule gehe, und dass das eine Voraussetzung ist. (Anne Riecke) (Beifall FDP, SPD und SSW) Dabei sehen wir, wie wichtig es ist, dass wir möglichst alle Kinder eingehend untersuchen, damit wir wissen, wo die Probleme liegen. Insofern wäre es richtig, wenn wir die Schuleingangsuntersuchung nutzten, um gesundheitliche Verbesserungen für unsere Kinder zu erreichen. Damit das aber auch funktioniert, bräuchten wir in Teilen einen anderen Umgang mit Daten und der Datenerhebung. Viel zu oft ist es leider so, dass die Datenerfassung und ‑weitergabe aus den falschen Gründen abgelehnt wird. Da wird dann von Diskriminierung und Stigmatisierung gesprochen – die Kollegen vorher haben das auch schon erwähnt –, wenn etwas geprüft oder gespeichert wird. Dabei ist niemandem geholfen, wenn wir es aus falsch verstandener Rücksichtnahme unterlassen, frühzeitig die Defizite unserer Kinder aufzudecken. Wir sollten also keine Scheu haben, sinnvoll Daten zu erheben und zu sinnvollen Zwecken eben auch zu teilen. Viel zu oft kommt es nämlich leider vor, dass beispielsweise der Datenschutz dafür sorgt, dass bestimmte Informationen nicht weitergeleitet werden, obwohl dies für bestimmte Erkenntnisse sinnvoll und notwendig wäre. Beispiele dafür wären die elektronische Patientenkarte oder die Idee der Schüler-ID. Ohne einen Datenaustausch zwischen Behörden oder Bundesländern könnte dies nicht reibungslos funktionieren. Es ist also grundsätzlich sinnvoll, wenn die Schuleingangsuntersuchungen genutzt werden, um die Daten daraus zu nutzen. Das spart nicht nur viel Aufwand, sondern sorgt auch dafür, dass wir Präventionsangebote und Förderprogramme besser und passgenauer anbieten können, um damit die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen zu verbessern. (Beifall FDP und SSW) Es wäre generell im Schulbereich sinnvoll, wenn wir mehr Daten erhöben und diese auch teilten und nutzten. So wüssten wir besser, welche Lernund Lehrmethoden funktionieren und welche eben nicht. So macht das Hamburg. Der Kollege Habersaat hat das vorhin schon erwähnt. Die Hansestadt fängt bei den Kleinsten an. Alle Viereinhalbjährigen werden auf ihr Sprachvermögen getestet und bei Bedarf gefördert. In den Klassen 2, 3, 5, 7, 8 und 9 werden die Leistungen in Deutsch, Mathe und Englisch mit standardisierten Tests noch einmal überprüft – an jeder Schule. Das ist einer der Bausteine, warum sich in Hamburg in den letzten Jahren die Leistungen der Schüler kontinuierlich verbessert haben. Das alles dient nicht dazu, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und zu sagen, was er nicht kann oder wo seine Defizite sind, sondern dazu, sich ein genaues Bild zu machen und danach zu handeln. (Beifall FDP und SSW) Daher wäre es eine gute Idee, wenn wir das auf eine ähnliche Weise tun könnten, um die Gesundheit unserer Kinder zu verbessern. Ich schlage vor, dass wir das in den Bildungsausschuss überweisen, dass wir gemeinsam darüber beraten, vielleicht mit dem Sozialausschuss zusammen, um hier nähere Informationen zu haben, wie wir diese Daten in Zukunft vielleicht besser nutzen können. – Vielen Dank. (Beifall FDP)
