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Jasper Balke

GRÜNE 19.06.2025 Sitzungen 20/91

Sehr geehrte Frau Präsident – – Herr Präsident! Entschuldigung. Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! (Heiterkeit – Zuruf Vizepräsident Peter Lehnert [CDU]) Das tut mir leid, Herr Präsident. Liebe Kolleginnen und Kollegen! (Zuruf SPD: Gut gemeint!) – Das ist gut gemeint, ja. – Die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern stagniert auf niedrigem Niveau. Ausdauer und Kraft sind nach Corona deutlich eingebrochen. Motorische Entwicklungsstörungen nehmen zu, und nur 20 Prozent der Kinder erreichen das von der WHO empfohlene tägliche Aktivitätsniveau von 60 Minuten Bewegung. Diese Entwicklungen sind mehr als besorgniserregend, und das auch und insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Ursachen dafür ziemlich eindeutig sind: Neben der Isolation während der Pandemie und sozialen Ungleichheiten wird die Digitalisierung beziehungsweise die zunehmend digitale Welt als einer der Hauptgründe genannt. Die überbordende Nutzung digitaler Endgeräte und sozialer Medien und die daraus entstehende 2D-Realität und ‑Wirklichkeit von kleinen Kindern entspricht nicht der menschlichen Physiologie und vor allem nicht den Entwicklungsvoraussetzungen, die Kinder für ein gesundes Aufwachsen brauchen. Es ist deshalb gut, dass wir aktuell eine breite Debatte über die Nutzung von sozialen Medien, Handys und anderen Geräten haben, denn sie halten junge Menschen von Bewegung, vom Lesen, aber auch von dem normalen Erleben der 3D-Welt ab. Es gibt darüber aktuelle, sehr spannende Studien in der Entwicklungspsychologie. Wenn man sich einen Säugling vorstellt, dann versucht er generell, die Umwelt wahrzunehmen und Reize und Signale auszusenden, auf die es eine Reaktion erwartet. Wenn diese Reaktion nicht kommt, dann ist die Entwicklung insbesondere des Kleinhirns, aber auch anderer Regionen des Gehirns beeinträchtigt. Wir haben leider die Situation, dass insbesondere sehr junge Eltern zu Hause an ihren digitalen Geräten hocken und nicht auf die Reize und Reaktionen eingehen, die von einem kleinen Kind ausgesendet werden. (Beifall Hauke Hansen [CDU], Beate Nielsen [CDU] und Dr. Michael Schunck [SSW]) Das führt dazu, und darüber gibt es aktuell sehr spannende Studienlagen, dass die Entwicklung diesbezüglich gestört ist. Das ist ein richtig großes gesellschaftliches Problem, nicht nur, was die Nutzung von Medien durch unter 16‑Jährige oder Kinder, sondern auch durch Eltern angeht, während sie einen Erziehungsauftrag haben. Darüber sollten wir in diesem Hause häufiger sprechen. Es ist ziemlich klar, wo wir ansetzen müssen. Im Rahmen unseres Fachgesprächs zu unserer Präven- (Jasper Balke) tionsstrategie bestand Einigkeit aller versammelten Expertinnen und Akteure des Gesundheitswesens, dass wir uns bei präventiven Maßnahmen vor allem auf die ersten 1.000 Tage im Leben fokussieren und unsere präventiven Angebote vor allem darauf ausrichten müssen. Wichtig dafür ist allerdings, dass der Bedarf korrekt ermittelt wird. Dafür gibt es neben den U‑Untersuchungen, den kommenden Sprach- und Kompetenzstanderhebungen, die im Alter von viereinhalb Jahren durchgeführt werden sollen, die Schuleingangsuntersuchungen. Durch ihren offiziellen Charakter und die Schulpflicht, die nach den Schuleingangsuntersuchungen erfüllt werden muss, bieten diese einen wichtigen Baustein, um einem der größten Probleme in der Prävention, nämlich dem Präventionsparadoxon, entgegenzuwirken. Denn präventive Angebote, und das ist das Paradoxon, werden hauptsächlich von denjenigen wahrgenommen, die eigentlich gar keine präventiven Angebote brauchen. Dabei muss es bei der gezielten Förderung der Gesundheit von Kindern gerade um die Kinder gehen, deren Entwicklungsstand besonders hinter dem der anderen bleibt, die schon im Alter von fünf Jahren übergewichtig sind oder die, die durch bestimmte familiäre Hintergründe anderweitig beeinträchtigt sind. (Werner Kalinka [CDU]: Das ist der Grund! – Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD und SSW) Leider ist es so, dass genau diese die vorhandenen Angebote durch Krankenkasse, Ärztinnen und Ärzte und zum Teil auch die notwendigen U‑Untersuchungen leider nicht so wahrnehmen, wie es erforderlich wäre. Eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und bedarfsorientierte Schuleingangsuntersuchung kann deshalb ein wichtiger Baustein und eine Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit und gesundheitliche Chancengleichheit sein, wenn wir nämlich genau diejenigen identifizieren, die Bedarfe haben und diese dann an die richtigen Stellen weitervermitteln können. Gerade weil das Thema so relevant ist – ich sehe, dass ich zum Schluss kommen muss –, gibt es seit Längerem Gespräche zwischen der Landesregierung und den kommunalen Landesverbänden darüber, wie die Untersuchungsquote erhöht werden kann. Da wird über bestimmte Modelle gesprochen. In diesem Bereich haben wir auch in den Gesundheitsämtern einen sehr hohen Fachkräftemangel bei den Schulärztinnen und Schulärzten. Der Kreis Plön geht mit einem Modellprojekt dahin gehend voran, dass sie zunächst durch medizinische Fachangestellte alle screenen und dann erst diejenigen an die Schulärztinnen und Schulärzte weiterleiten, die einen besonders hohen Bedarf haben. Das kann ein Ansatz sein, um eine breitere Untersuchungsquote hinzubekommen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Diesen Weg sollten wir gehen. – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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