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Dr. Heiner Garg

FDP 19.06.2025 Sitzungen 20/91

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich habe mir überlegt, wie man den Vorteil oder auch die Notwendigkeit geschlechtssensibler, geschlechtsspezifischer Medizin in einem Satz unterbringen könnte. Ich meine, dass geschlechtsspezifische Medizin gerade dafür sorgen soll und dafür sorgen muss, dass Frauen nicht durch männlich dominierte Standards bei der medizinischen Versorgung unsichtbar werden. (Beifall FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Birgit Herdejürgen [SPD] und Birte Pauls [SPD]) Ich finde, dass im Zweifel immer Beispiele am hilfreichsten sind, um vielleicht noch die oder den Letzten davon zu überzeugen, wie notwendig dieses Thema ist. Deswegen will ich mich auch bei der Kollegin Birte Pauls ausdrücklich bedanken, nicht nur, dass wir auf ihre Initiative hin nach Kärnten fahren, sondern auch wirklich für die Initiative selbst. (Beifall SPD und Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Herzinfarkt ist jetzt schon zweimal genannt worden. Deswegen würde ich gern Ihren Blick auf Morbus Parkinson lenken. Das ist nämlich die unterschätzte Frauenkrankheit. Parkinson gilt als Männerkrankheit, und ja: Es sind auch häufiger Männer davon betroffen als Frauen, aber Frauen sind eben auch von Morbus Parkinson betroffen und haben völlig andere Symptome. Das hat ganz entscheidenden Einfluss auf Diagnose und Therapie. Das Stichwort Diagno- (Dr. Heiner Garg) severzögerung können Sie schon mal im Hinterkopf behalten. Frauen haben deutlich seltener dieses klassische Zittern, dafür aber viel häufiger psychische Symptome wie Angst oder Depressionen oder auch Muskelsteifheit und Erschöpfung. Das wird dann oft nicht mit Parkinson in Verbindung gebracht, und deswegen erhalten viele Frauen die Diagnose erst ein oder zwei Jahre später als Männer. Das macht dann etwas, das ist nämlich ein Einflussfaktor auf deren Lebensqualität. Die Dosierung der Medikamente ist ebenfalls ein Problem, weil Frauen das sogenannte L-Dopa, also das wichtigste Parkinson-Medikament, anders und verzögert verstoffwechseln. Das führt häufiger zu Nebenwirkungen wie zum Beispiel zu unkontrollierbaren Bewegungen. Trotzdem basiert die Dosierung oft auf Durchschnittswerten aus männlich dominierten Studien. Übrigens ist es bei ParkinsonStudien so, dass häufig Frauen sogar wegen ihres Zykluses beziehungsweise ihres Hormonspiegels explizit ausgeschlossen werden. Eine späte Diagnose zieht einen späteren Therapiebeginn nach sich. Damit verzögert sich nicht nur der Therapiebeginn, sondern auch die Lebensqualität sinkt. Falsch dosierte Medikamente führen zu mehr Nebenwirkungen und weniger Wirkung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, geschlechtsspezifische Medizin ist daher, wie das alle Vorrednerinnen und Vorredner gesagt haben, nicht ein Nice-tohave, sondern etwas, was wir wirklich dringend brauchen – insbesondere, wenn wir in Zukunft auf personalisierte Medizin setzen. Der Kollege Balke hat das sehr ausführlich dargestellt. Personalisierte Medizin braucht aber zwingend Genderdaten. (Beifall FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW – Beate Raudies [SPD]: So ist es!) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, es ist deutlich geworden: Unterschiedliche Geschlechter haben unterschiedliche Krankheitsverläufe, auf sie wirken Medikamente unterschiedlich. Menschen sind im Hinblick auf ihre Genetik und auch im Hinblick auf ihre hormonellen Anlagen unterschiedlich. Deswegen darf man sie bei Diagnose und Therapie nicht länger über einen Kamm scheren. Genauso wenig, wie Kinder kleine Erwachsene sind, sind Frauen irgendwie hübschere Männer in der Medizin. (Beifall FDP, Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Birte Pauls [SPD]) Ich freue mich ausdrücklich auf die Beratung im Ausschuss, weil ich glaube, dass die Inhalte beider Anträge es wirklich hergeben, die Situation für die Menschen, für jeden einzelnen Menschen hier zu verbessern. – Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und Dr. Michael Schunck [SSW])

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