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Jasper Balke

GRÜNE 19.06.2025 Sitzungen 20/91

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf Wunsch der Kollegin Redmann fange ich meine Rede mit dem Ausruf an: Game on! Wer sich einmal digital oder in Präsenz ein Championship-Game eines ESL-One-Major in Köln oder Katowice oder woanders auf der Welt angeschaut hat, weiß, dass es sich beim E‑Sport längst nicht mehr um ein Nischenthema handelt. E‑Sport bewegt Massen an Menschen und ist längst zentraler Bestandteil von Jugendkultur, digitaler Bildung und wirtschaftlicher Innovationsfaktor. Doch man muss nicht erst nach Köln oder woanders in die Welt fahren. Es reicht, wenn man einmal nach Schleswig-Holstein schaut. Mit dem heute vorliegenden Bericht, für den ich mich herzlich bedanken möchte, zieht die Landesregierung eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Schleswig-Holstein war und ist Vorreiter. Mit dem LEZ.SH in Kiel, den vier regionalen E‑Sport-Zentren und der institutionellen Förderung des E‑SportVerbandes Schleswig-Holstein hat unser Land ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Doch das ist erst der Anfang. Denn was E‑Sport heute leistet, ist mehr als nur der Wettkampf an der Konsole. Es ist Medienkompetenztraining, digitale Jugendarbeit, strategisches Denken, Teamfähigkeit und oft auch der erste Berührungspunkt mit IT, Coding oder Streaming. Es ist Ausdruck digitaler Kultur und damit auch politisch hochrelevant. Es ist deshalb nicht ganz leicht zu verstehen, weshalb es trotz expliziter Nennungen in den letzten beiden Koalitionsverträgen auf Bundesebene und dem jetzigen Koalitionsvertrag bislang nicht gelungen ist, E‑Sport als gemeinnützig anzuerkennen. Das liegt wahrscheinlich nicht am Engagement vor Ort. Es liegt am überholten Sportbegriff in der Abgabenordnung, der körperliche Ertüchtigung verlangt, als wären Reaktionsfähigkeit, Konzentration und mentale Ausdauer nicht ebenfalls eine Leistung. Als begeisterter, aber ziemlich schlechter Schachspieler und Zuschauer kenne ich diese Debatte schon sehr lange. Dabei hat sich selbst der Wissenschaftliche Beirat des ESBD jüngst mit einer neuen, offenen Definition positioniert: „E‑Sport ist der Wettkampf zwischen Menschen auf der virtuellen Ebene eines Computerspiels.“ Ein Versuch, der zeigt, wie dynamisch dieses Feld ist und wie vorsichtig wir als Politik mit überholten Kategorien umgehen sollten. Ich finde, wir müssen endlich klare Verhältnisse schaffen. Denn schon heute gründen Sportvereine eigene E‑Sport-Sparten, kombinieren die Reaktionsgeschwindigkeit am Computer mit dem Ausdauerlauf auf der Tartanbahn. Wer dem E‑Sport das Recht auf Gemeinnützigkeit verwehrt, verwehrt nicht nur steuerliche Entlastung, sondern erschwert auch die Nutzung öffentlicher Räume, den Zugang zu Förderprogrammen und verkennt das immense Potenzial für Bildung, Teilhabe, Gesundheitsförderung und Jugendkultur. Es geht hier nicht um eine Banalität, sondern es geht um die Anerkennung von Lebensrealitäten und von Gerechtigkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Dabei liegt die Zukunft auch wirtschaftlich genau hier. E‑Sport ist längst Treiber der Games-Industrie, die in Deutschland fast 13 Milliarden Euro jährlich umsetzt. Schleswig-Holstein bietet mit dem entsprechenden KI-Cluster, dem Fokus auf digitale Transformation, Medienbildung und den erneuerbaren Energien eine exzellente Grundlage, um Games- und E‑Sport-Standort der Zukunft zu werden. Digitale Technologien brauchen kreative Köpfe, und die kommen aus genau den Bereichen, die wir heute fördern. E‑Sport ist Teil dieser Wertschöpfungskette. Er schafft Communities, Qualifikationen und Innovationen. Aber natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die Definition des Begriffs bleibt umstritten. Der Begriff Computerspiel ist relativ unklar, kann so und so ausgelegt werden und ist auch rechtlich (Jasper Balke) noch nicht final abschließend geklärt. Aber genau deshalb braucht es den politischen Willen, E‑Sport nicht von gestern zu denken, sondern von morgen. Wir brauchen daher eine bundesweite gesetzliche Klarstellung zur Gemeinnützigkeit des E‑Sports, dem Ausbau von Trainings- und Bildungsangeboten in Verbindung mit Medienpädagogik, eine stärkere Verzahnung mit der Kreativwirtschaft und der KI-Forschung in Schleswig-Holstein, sowie die aktive Einbindung des E‑Sports in die Entwicklung unseres Sportlandes und des Sports als solchen. Schleswig-Holstein ist bereit. Wenn wir die Strukturen weiterentwickeln, wenn wir Gemeinnützigkeit ermöglichen und Barrieren abbauen, wird aus dem Level 1 unseres Pioniergeistes ein echtes Level up für unsere digitale Gesellschaft. Das war meine einzige Anmerkung in die Richtung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU – Heiterkeit) Wer mit dem E‑Sport noch ein wenig fremdelt: Am 13. Juli 2025 ist Tag der offenen Tür im Landtag. Hier besteht im Raum 108 die Möglichkeit, in den Räumlichkeiten der grünen Fraktion in Kooperation mit dem E‑Sport-Verband nicht nur gemeinsam ein paar Games zu zocken, sondern auch etwas über kulturelle Bildung zu erfahren. Ich freue mich, wenn Sie alle da sind. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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