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Jette Waldinger-Thiering

18.06.2025 Sitzungen 20/90

Vielen Dank. – Ich sehe keine weiteren Wortmeldungen. Ich erteile nun für die Landesregierung in Vertretung für die Ministerin Touré dem Minister Goldschmidt das Wort. – Bitte schön. Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Deutschlandweit sind rund 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen, in Schleswig-Holstein schätzungsweise rund 70.000. Eine Demenzerkrankung ist weit mehr als ein medizinisches Thema; sie verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Es macht Angst, wenn Erinnerungen schwinden und Gewohntes plötzlich zur Herausforderung wird. Betroffene und ihre Angehörigen in Schleswig-Holstein kennen die Sorge: Wie organisiere ich den Tag? Wo bekommen wir Hilfe? Wo und wie ist ein selbstbestimmtes Leben möglich? – Demenziell erkrankte Menschen sind nicht mehr so eigenständig wie zuvor und auf eine zugewandte und liebevolle Unterstützung im Alltag angewiesen. Die Hauptarbeit wird von Angehörigen und Personen aus dem direkten sozialen Umfeld getragen. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag, dass die Betroffenen Wohlbefinden und Würde erfahren. Als Land haben wir früh Verantwortung übernommen, uns um diesen Personenkreis gezielt zu kümmern. Seit acht Jahren haben wir einen landeseigenen Demenzplan; über den ist hier viel gesprochen worden. (Christopher Vogt [FDP]: Ja!) Wir sind damit das erste Bundesland gewesen, das so eine Gesamtstrategie für dieses wichtige Thema hat. Bis heute haben nur drei weitere Bundeslän- (Minister Tobias Goldschmidt) der – Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland – eine eigene Strategie. Die 80 Maßnahmen aus der Strategie wurden in Kooperation mit verschiedenen Akteuren, Institutionen, Organisationen, Experten und Betroffenen erarbeitet und berücksichtigen unterschiedliche Perspektiven. Mit der Umsetzung der Einzelmaßnahmen aus dem Demenzplan ist das Kompetenzzentrum Demenz betraut, das wir landesseitig fördern. Die Maßnahmen tragen dazu bei, die Situation für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu verbessern, beteiligte Institutionen für den Umgang mit Menschen mit Demenz zu befähigen, Kooperations- und Infrastrukturen zu schaffen oder auszubauen. Das erfolgt immer mit dem Ziel, dass die Menschen möglichst lange selbstbestimmt und möglichst im vertrauten Umfeld leben können. Rund ein Viertel der Maßnahmen sind Daueraufgaben; auch das ist hier heute gesagt worden. Sie werden kontinuierlich überprüft und gegebenenfalls angepasst und weiterentwickelt. Insgesamt sind wir in den vergangenen Jahren weit gekommen. 71 Maßnahmen sind weitestgehend oder in Teilen umgesetzt. Das ist auch einmal der Moment, denjenigen, die das praktisch tun, Danke zu sagen. (Beifall) Zu diesen Maßnahmen zählen der flächendeckende Ausbau der Pflegestützpunkte, die Förderung von Zielgruppen und Themen spezifischer Öffentlichkeitsarbeit sowie die Erstellung von regionalen Demenzwegweisern für alle Kreise und kreisfreien Städte. Eine unabhängige Analyse von Professor Dr. René Thyrian vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Rostock zeigt klar: Unsere Demenzstrategie hat bereits viel bewegt und damit die Lebenssituation vieler Menschen in Schleswig-Holstein ganz konkret verbessert. Die Analyse zeigt aber auch, dass trotz aller Fortschritte viel zu tun ist. Beispielsweise braucht es mehr Sensibilisierung in unterschiedlichen Berufsgruppen und entsprechende Schulungen. Des Weiteren sind die Versorgungs- und Beratungsangebote auf dem Land ausbaufähig. (Birte Pauls [SPD]: Ja! Das ist mein Reden!) Als Landesregierung liegt unser Fokus aktuell darauf, diejenigen Punkte voranzubringen, die noch nicht oder nicht ausreichend umgesetzt sind. Wir setzen unseren Weg konzeptionell fort, Schritt für Schritt mit klarem Kompass und mit dem Anspruch, dass niemand mit einer Demenz alleingelassen wird. Konzeptionell sind wir klar vor der Welle. In der Umsetzung halten wir Kurs, und jeder Plan und jede Strategie wird zu seinem richtigen Zeitpunkt auch eine Fortschreibung erfahren. Mit Stand von heute ist dieser Zeitpunkt nicht gekommen. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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