Anne Riecke
Sie nimmt den Schulen Gestaltungsspielräume und trifft letztlich vor allem eins, die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler. Wir als Freie Demokraten sagen: Nicht die Geräte sind das Problem, sondern die fehlenden kompetenten Umgänge mit diesen Sachen. (Beifall FDP und SPD) Genau da muss Politik ansetzen. Die Lösung ist nicht das Handyverbot in der Pause. Die Lösung ist Medienbildung, die diesen Namen auch verdient, und zwar über alle Jahrgänge hinweg, schon ab der 1. Klasse. (Beifall FDP und SPD) Dabei ist die Landesregierung auf einem grundsätzlich guten Weg, das haben Sie vorhin gesagt. Zukunft Schule im digitalen Zeitalter. Hier wurden die Grundlagen gelegt. Medienkoordinatoren, Fortbildung, Verankerung in der Lehrkräfteausbildung, all das sind sinnvolle Maßnahmen. Aber wir müssen diese Initiativen jetzt stärken, nicht vereiteln, (Anne Riecke) indem wir den Eindruck erwecken, dass digitale Endgeräte störend und gefährlich sind. Wer bereits in der Schule den Umgang mit digitalen Endgeräten lernt, wird dadurch selbst zum aktiven Gestalter von digitalen Inhalten. Wir brauchen mehr Formate zur Medienbildung und nicht weniger. Wir erwarten von der Landesregierung entsprechend mehr, einen Plan, wie digitale Kompetenzen im Schulalltag wirklich gelebt werden, nicht, wie man Geräte aus dem Alltag fernhält. Einmal ganz praktisch gefragt – es wurde vorhin schon gefragt –: Wer soll das eigentlich alles kontrollieren? Sollen Lehrkräfte künftig Pausenaufsicht mit Handystreife machen? Wollen wir wirklich Debatten darüber führen, ob die private Nutzung einer Smartwatch eventuell auch ein Regelverstoß ist? (Zuruf CDU: Das ist ein Riesenproblem, die Smartwatch!) Medienkompetenz entsteht nicht durch Wegsperren. Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit digitalen Reizen umzugehen. Wie erkenne ich Fake News? Was bedeutet Datenschutz? Wie verhalte ich mich bei einem Konflikt auf WhatsApp oder Instagram? Diese Fragen lassen sich nicht klären, wenn das Smartphone im Ranzen bleibt. Sie lassen sich nur klären, wenn wir bewusst reflektiert einen Umgang damit haben, fördern durch Unterricht, durch Gespräche und natürlich durch Vorbilder. Wir dürfen unsere Unsicherheit im Umgang mit digitalen Endgeräten nicht auf die nächste Generation übertragen. Unsere Aufgabe ist es, sie zu stärken, nicht sie zu beschränken. Zum Änderungsantrag der SPD, meine Damen und Herren, in der die Bildungsgerechtigkeit angesprochen wird: Wir können nicht davon ausgehen – der Zustand ist so –, dass jedem Kind ein digitales Endgerät zur Verfügung steht. Wenn wir sagen, die 10. Klasse dürfe natürlich mit dem Handy umgehen, weise ich darauf hin: Wir haben den ESA vergessen. Da gibt es die Projektarbeiten in der 9. Klasse. (Cornelia Schmachtenberg [CDU]: Es wurde mehrmals gesagt, dass es für Unterrichtszwecke erlaubt ist!) Wie viele Kinder haben wir gesehen, die ihr private Handy nutzen, um ganze Texte zu schreiben, weil sie keinen Zugang zu digitalen Endgeräten haben? (Martin Habersaat [SPD]: Das klappt nur leider nicht beim Handy!) – Das klappt nur leider nicht. Nein zu pauschalen Nutzungsbeschränkungen, (Cornelia Schmachtenberg [CDU]: Es ist ja nicht pauschal!) nein zu großflächig gesetzlich verordneten Technikverbot, ja zu echter Medienbildung und ausreichend Politikunterricht, ja zu vertrauen in Pädagogik und zu Verantwortung statt Verbot. (Beifall FDP und SPD) Digitale Endgeräte sind die Lebenswirklichkeit unserer Kinder und Jugendlichen. Machen wir Schule nicht zu einer analogen Insel, (Beifall FDP und SPD) sondern zu einem Ort, an dem Kinder lernen, digital in unserer Welt souverän umzugehen, sicher und kreativ zu nutzen. – Vielen Dank.
