Dr. Heiner Garg
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Lassen Sie mich versöhnlich beginnen. Das Thema ist nicht ganz einfach, das ist mir schon klar. Das Ziel ist deutlich geworden: Der Anteil von Menschen mit Behinderungen in der Landesverwaltung muss steigen, und zwar nicht, um eine willkürlich gesetzte Quote zu erreichen, sondern weil inklusive Teams, diverse Teams in Unternehmen genauso wie in der öffentlichen Verwaltung einfach ein Riesenvorteil sind. (Beifall FDP, SPD und SSW) Eigentlich machen es ja die SSW-Kolleginnen und Kollegen besonders gern – da ich vor Ihnen reden darf, nehme ich jetzt einmal das Beispiel Dänemark: In Dänemark klappt es exzellent ohne Quote. In Dänemark liegt die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderungen bei 52 Prozent. Damit liegt Dänemark deutlich über dem OECDDurchschnitt. Aber auch Länder wie Kanada haben in den vergangenen Jahren unglaubliche Fortschritte bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen in der öffentlichen Verwaltung gemacht: Im Fiskaljahr 2022 bis 2023 lag der Anteil der Neueinstellungen von Personen mit Behinderungen bei 6,9 Prozent. Ganz besonders bemerkenswert finde ich, dass der (Dr. Heiner Garg) Anstieg in den Führungspositionen in Kanada bei 11,4 Prozent aller Neueinstellungen lag. Es kommt letztlich nicht darauf an, wie hoch man eine Quote ansetzt. Herr Minister Schrödter, ich glaube, dass in Schleswig-Holstein nicht nur Luft nach oben ist, sondern dass wir uns, solange wir mit dem Instrument der Fünfprozentquote arbeiten, aus Eigeninteresse bemühen müssen, das Minimalziel zu übertreffen. Da waren wir schon einmal besser. Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine inklusive Arbeitswelt bringt eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Vorteilen. Es geht um die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit, es geht um die Reduktion von Vorurteilen und Diskriminierung, es geht um eine bessere Integration und Selbstbestimmung. Inklusion im Arbeitsleben stärkt die Autonomie von Menschen mit Behinderungen und ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben. Das ist ein zentraler Baustein einer modernen Sozialpolitik. (Beifall FDP, SPD und SSW) Und es hat natürlich auch Vorbildfunktion für private Wirtschaftsunternehmen. Es gibt aber auch handfeste wirtschaftliche und organisatorische Vorteile. Inklusive Teams, diverse Teams haben eine weitaus größere Innovationskraft, sie haben ein besseres Betriebsklima und eine höhere Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie können aus einem viel größeren Fachkräftepotenzial schöpfen. Nebenbei bemerkt gibt es auch einen Imagegewinn, und es gibt tatsächlich weniger Fehlzeiten und eine geringere Fluktuation. Das heißt, wir haben es mit einem langfristigen gesellschaftlichen Nutzen zu tun. Am Ende bedeuten mehr Teilhabe und mehr Inklusion im Arbeitsmarkt auch weniger soziale Kosten. All das sollte Anlass genug sein – ich verwende jetzt das Wort „Strategie“ mit Absicht nicht –, sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie man in den Ressorts, in denen die Situation besonders schwierig ist, besser wird, um insgesamt besser zu werden, sehr geehrter Herr Minister Schrödter. Davon profitieren wir alle, und das sollte unser Ziel sein. – Herzlichen Dank fürs Zuhören. (Beifall FDP, SPD und SSW)
