Werner Kalinka
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Seniorenpolitik stärker auf die Tagesordnung zu setzen, ist gut und nötig. Mehr als 900.000 über 60-Jährige leben in Schleswig-Holstein, Tendenz steigend. Altenparlament, Seniorenbeiräte und die Betroffenen erwarten eine entsprechende Gewichtung ihres Themas. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, ihnen für ihre Arbeit zu danken. (Beifall) Es bedarf nicht immer und überall einer Strategie. Herr Kollege Dr. Garg, Sie sprachen eben davon, Sie hätten heute einen guten Tag. Na ja, sage ich mal, Sie hatten schon bessere Auftritte, als das so zu begründen, wie Sie es heute getan haben. (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) Der Kollege Petersdotter hat am Mittwoch gesagt, Strategien begegneten leicht der Gefahr, zu statisch und zu langfristig zu sein. – Richtig! Wichtig ist es, Schwerpunkte zu bilden, konkrete Unterstützungen anzubieten. Wir wollen bei uns im Sozialausschuss vom Ministerium nicht nur etwas hören, wir werden auch selbst Beiträge leisten. Abgeordneten ist es ja nicht verboten, selbst zu denken. (Beifall ganzes Haus) Der 87-seitige Bericht des Sozialministers aus dem Jahr 2021 hat gute Ansätze gegeben. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Oh! Wer war das denn?) Nehmen wir diese, nehmen wir die Weiterentwicklung und die Realität, und dann kommen wir den wesentlichen Problemen näher. (Christopher Vogt [FDP]: Was ist seitdem passiert?) Ich kann es nur stichwortartig machen, weil es nur fünf Minuten sind. Die zunehmende Digitalisierung stellt Ältere vor besondere Herausforderungen. Viele haben keinen Computer, können damit wegen der Komplexität nicht umgehen, können zum Teil Computer auch nicht bezahlen. Ältere wie auch – in Anführungsstrichen – bildungsfremde Menschen dürfen durch Digitalisierung nicht abgehängt werden. Das ist ein ganz wichtiger Punkt der künftigen sozialen Arbeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Anonymisierung der gesellschaftlichen Prozesse. Ich empfehle jedem, der eine Woche lang die Post nicht bekommen hat, einmal die dafür genannte Nummer anzurufen. Was man da in 25 Minuten erlebt! Zuerst hat man die künstliche Intelligenz am Ohr, danach geht es mit dem Menschlichen weiter, und am Ende heißt es: Wir sind nicht zuständig. – Das alles sind Dinge, die für Ältere besonders belastend sind. Sparkassen- und Bankenanträge im Kern nur noch digital haben zu wollen, das geht für Ältere so auch nicht. Einsamkeit ist weiter verbreitet als wir glauben. Wir haben das anhand eines guten Berichts der Regierung schon im Landtag diskutiert. Wir haben auch konkrete Beispiele im Lande, von Mensch zu Mensch im Herzogtum Lauenburg und viele andere. Wir haben Altencafés, wir haben Generationendenken. Wo können wir da unterstützen und fördern? Darüber lohnt es sich, konkret nachzudenken. Dann brauchen wir keine Strategie dafür. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Karin Prien hat einen sehr guten Vorstoß gemacht, das Pflegegeld für die häusliche Pflege. Genau richtig! Die Pflegedienste allein werden es nicht schaffen. Wir müssen die pflegenden Angehörigen mehr unterstützen. Jeder Vorschlag von uns dazu wäre hilfreich, auch in der Durchsetzung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) In Kliniken und in Praxen darf das Menschliche nicht zu kurz kommen. Darüber haben wir durchaus Diskussionsbedarf, auch beim UKSH. Von daher gesehen müssen wir uns dem Thema besonders für die Menschen widmen, die sich vielleicht nicht mehr so ausdrücken können und älter sind. Ein ganz, ganz wichtiges Thema! Medizin darf nicht nur Medizin sein, sie muss das Menschliche immer einbeziehen. (Werner Kalinka) (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW) Mobilität und Barrierefreiheit, ÖPNV, unser ALFA-Modell im Kreis Plön, die Erreichbarkeit von Praxen und Kliniken. Haben Sie schon einmal versucht, in Hotels barrierefreie Hotelzimmer zu bekommen? – Ein großes Thema, sogar wenn man es benötigt, weil man zur Untersuchung irgendwo ist! Im täglichen Leben ist noch verdammt viel zu tun. Meine Damen und Herren, die Kreditfähigkeit Älterer. Wir haben über Wohnungsbau gesprochen. Das sind Themen, da ist ein Riesenpotenzial, das wir besser nutzen könnten. Denn viele Ältere haben Wohnungen. Generationengerechtigkeit. Mehr als 50 Prozent der Ausgaben im Land gehen an Bildung, Kita, Eingliederungshilfe. Mehr als 50 Prozent! Frau Ministerin Schneider hat am Mittwoch sehr zutreffend gesagt, über die Frage, was Generationengerechtigkeit am Ende bedeute, werden wir uns noch lange unterhalten. In der Tat!
