Jette Waldinger-Thiering
Hier liegt der Grundstein für ein leistungsstarkes Bildungssystem. Das muss das Ziel sein, auf das wir hinarbeiten. Genau das hätte ich mir von der Regierung bereits in den letzten drei Jahren gewünscht. Dann sprechen wir hier über den Antrag der SPD zum Thema Abordnung Plus. Die Maßnahme Abordnung Plus ist ein hilfloser Versuch, die eigentliche Lehrkräftemisere in den Griff zu bekommen. Durch Abordnung Plus werden die Probleme allerdings nur verschoben und nicht nachhaltig gelöst. Es fehlen Lehrkräfte, und es werden nicht mehr, indem man neue Verteilungsstrukturen einführt. Wenn wir dadurch Lehrkräfte in die unbeliebteren und schlecht angebundenen ländlichen Regionen abordnen, fehlen sie drei Jahre lang an beliebten Standorten in Kiel, Lübeck oder Flensburg. Hier muss dann wieder mit kurzfristigen Provisorien für drei Jahre überbrückt werden, bis die abgeordnete Lehrkraft zurückkommt. Wichtiger ist doch, dass wir ausreichend Lehrkräfte ausbilden, die von Beginn an in die ländlichen Randregionen wollen, zum Beispiel weil sie dort bereits während des Studiums mehrwöchige Praktika gemacht haben und somit bereits eine Verbindung zur Schule und Region aufbauen konnten. Abordnung Plus hingegen schafft noch mehr Chaos und Wechsel an den Schulen. Wir brauchen Kontinuität und Planungssicherheit in den Kollegien der Schulen, egal in welcher Region sie liegen. Dann geht es noch um den FDP-Antrag zum dualen Lehramtsstudium. Hierzu haben wir bereits im letzten Jahr eine sehr kontroverse Anhörung im Bildungsausschuss durchgeführt. Einerseits befürchtet man eine unzureichende Vertiefung in der jeweiligen Ausbildungsphase und somit eine unzureichende Vorbereitung der Studierenden. Andererseits befürworten fast alle an der Diskussion Beteiligten, dass die erste und zweite Phase der Lehrkräftebildung besser verzahnt werden muss. Konkrete Ideen finden wir hierzu nicht einmal im aktuellen Koalitionsantrag, obwohl der die Verzahnung sogar im Titel trägt. Gemeint ist doch, dass Universität und Schulpraxis früher zusammengeführt werden müssen, zum Beispiel durch die bereits erwähnten Praktika, wobei wir damit auch gleich frühe Verbindungen zu Schulen und Regionen schaffen können. Das duale Studium hat nur eine sehr begrenzte Zielgruppe, wie die Erfahrungen an der Europa-Universität Flensburg deutlich zeigen. Die Faktenlage macht deutlich, dass es bisher in der Sonderpädagogik gut gelingt, und auch für Quereinsteiger mit Master- oder Bachelorabschluss könnte ein duales Studium attraktiv sein. Ein duales Studium hat aber nur dann einen Mehrwert, wenn Praxis und wissenschaftsorientierte Ausbildung aufeinander abgestimmt sind. Hierfür fehlen bisher die nötigen Strukturen. Deshalb finde ich es gut, wenn wir alle drei Anträge an den Bildungsausschuss überweisen, damit wir vielleicht eine Anhörung durchführen können. Die Themen sollten noch einmal diskutiert und deshalb alle drei Anträge an den Ausschuss überwiesen werden, und dann gucken wir einmal. (Beifall SSW und SPD)
