landtag.ltsh.de ↗

Uta Röpcke

GRÜNE 22.05.2025 Sitzungen 20/88

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir sprechen heute über Teilhabe und damit über Gerechtigkeit. Denn noch immer sind die Kultureinrichtungen für viele Menschen in Schleswig-Holstein nicht gleich weit geöffnet, sei es durch bauliche Hürden, finanzielle Einschränkungen, fehlende Ansprache oder fehlende kulturelle Bildung. Der Zugang zu Kunst und Kultur bleibt für viele erschwert. Doch Zusammenhalt in einer vielfältigen, demokratischen Gesellschaft braucht vielfältige und offene Kulturräume, sogenannte dritte Orte, Räume, in denen sich alle wiederfinden, mitgestalten, sichtbar werden können. Bereits 2020 hat das European Disability Arts Cluster in seinem Report „Künstler:innen mit Behinderung im Mainstream“ klare Forderungen formuliert: mehr Inklusion, mehr Teilhabe, mehr Sichtbarkeit für Menschen mit Behinderungen im Kulturbereich, sowohl als Akteur_innen als auch als Publikum. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Im EU-Programm Creative Europe ist dieses Ziel inzwischen als Querschnittsprinzip verankert, ein wichtiger Schritt. Aber auch wir im Land wollen aktiv gestalten. Unser Antrag ist ein weiterer Baustein zur Umsetzung der kulturpolitischen Leitlinien in Schleswig-Holstein. Wir wollen kulturelle Teilhabe und Vielfalt fördern, nicht nur im Sinne der klassischen Barrierefreiheit, sondern auch im Sinne einer sozialen Teilhabe, denn Kultur darf nicht vom Geldbeutel abhängen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Martin Balasus [CDU]) Kultur darf auch nicht ideologisch verzerrt oder politisch umgedeutet werden. Während die AfD in Sachsen-Anhalt ernsthaft vorschlägt, einen sogenannten Stolz-Pass für touristische Orte einzuführen, als Versuch, einen angeblich unbelasteten Bezug zur deutschen Geschichte zu propagieren, stehen wir für eine lebendige, reflektierte Erinnerungskultur, denn Geschichte lässt sich nicht wegrabattieren. Wir setzen auf kulturelle Bildung, auf Vielfalt, auf kritische Auseinandersetzung und nicht auf Nostalgie mit Stempelheft. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SPD) Wenn wir wirklich wollen, dass Kultur offen und zugänglich für alle ist, dann braucht es mehr als symbolische Schlagzeilen, dann braucht es konkrete Schritte vor Ort. Die Kollegin hat die im März 2025 vom MBWFK veröffentlichte Kulturakteursbefragung erwähnt. Sie zeigt: Es braucht gezielte politische Maßnahmen, damit Kultureinrichtungen wirklich offen, vielfältig und beteiligungsorientiert arbeiten können. Besonders soziokulturelle Einrichtungen leisten hier seit Jahren wertvolle Arbeit. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Schleswig-Holstein feiert Diversität“ des Vereins Tontalente in Lübeck. Sechs kulturelle Einrichtungen werden über eineinhalb Jahre begleitet – mit Workshops, Beratung und Raum für kreative Projekte. Ziel ist, Strukturen zu öffnen, Angebote diversitätssensibel weiterzuentwickeln und neue Zielgruppen zu erreichen. So sieht gelebte kulturelle Teilhabe aus, konkret, kreativ und kooperativ. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) In unserem Antrag machen wir unter anderem folgende konkrete Vorschläge: Erstens. Die Servicestelle für Kultur und Nachhaltigkeit am Nordkolleg (Uta Röpcke) soll in einem partizipativen Prozess eine Handreichung entwickeln: Welche unterstützenden Angebote gibt es bereits? Wo gibt es Barrieren? Wie können die abgebaut werden? Wie können vorhandene Angebote vielfältiger und inklusiver werden? Zweitens. Die Kulturverwaltung des Landes soll sich bei Kooperationen, bei Kriterien für Personalauswahl, bei hausinterner Kulturberichterstellung, Konzeptentwicklungen, Förderentscheiden und Beteiligungsverfahren gezielt am Landesaktionsplan 2.0 sowie am Integrations- und Teilhabegesetz orientieren und für die Umsetzung der Gleichstellungsziele sorgen. (Beate Raudies [SPD]: Das ist ihre gesetzliche Aufgabe!) Drittens. Wir brauchen mehr Transparenz in Auswahlgremien, die über Ehrungen, Preise und Förderung entscheiden. Daher bitten wir die Landesregierung um einen schriftlichen Bericht an den Bildungsausschuss über die Besetzung von im Auftrag des Landes aktiven Jurys und anderen Auswahlgremien. Wer sitzt dort? Nach welchen Kriterien werden die Juroren ausgewählt? In welchen Abständen erfolgt eine Neuberufung? Teilhabe beginnt da, wo Verantwortung und Entscheidung geteilt werden. Kultur beginnt in den Köpfen, und Kreativität lebt von Unterschieden und Zusammenhalt von Vielfalt. Auf eine Zusammenarbeit mit unserer neuen Kulturministerin freue auch ich mich. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

Alle Reden von Uta Röpcke Protokoll ↗