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Jasper Balke

GRÜNE 22.05.2025 Sitzungen 20/88

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte nicht zu vieles von dem wiederholen, was schon die Kolleginnen Pauls und Hildebrand gesagt haben. Ich möchte aber an dieser Stelle einen Dank an Frau Ohlsen von der Landeskoordinierungsstelle des HPVSH aussprechen, die uns gestern Abend noch einmal spannende Informationen übersandt hat: Umfragen von den Hospiz- und Palliativdiensten, die sich insbesondere mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen. Ich habe mir gestern Abend und heute Morgen ein bisschen mehr Gedanken darüber gemacht, als es vielleicht gut gewesen wäre. Es gibt einen Punkt, den ich ansprechen möchte, der zu dem Thema Trauerbegleitung passt. Das ist ein Ergebnis dieser Umfragen, nämlich die Erkenntnis, dass Trauerarbeit und Trauerbegleitung hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Es gibt das eindeutige Ergebnis, dass Männer für ganz viele Kinder und Jugendliche in diesem Bereich nicht als Bezugsobjekte gelten. Das ist ein Umstand, den wir aus der Care-Arbeit kennen, und den wir – wie ich finde – noch zu häufig einfach als gegeben hinnehmen. Das ist nicht gut. Der Umgang mit Trauer, das Zulassen von Emotionen, aber auch sich jemand anderem hinzugeben, das ist keine Frauenarbeit. (Vereinzelter Beifall ganzes Haus) Das betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Wir müssen uns die Frage stellen, wie dieses Denken, Gefühle zuzulassen und zu äußern, für andere da zu sein, warum das für so viele Männer immer noch als Schwäche angesehen wird oder warum es für sie so schwierig ist, diesen Emotionen nachzugeben. Ich glaube, dass wir uns viel mehr mit dem Thema der toxischen Männlichkeit auseinandersetzen müssen. Sie verhindert sehr viel Miteinander, sehr viel Menschlichkeit. Ich finde, wenn wir über das Thema Trauerbegleitung, aber auch das Für-andereMenschen-da-Sein sprechen, dann müssen wir auch Männer in die Verantwortung nehmen. Das möchte ich an dieser Stelle vorweg einmal sagen, weil mir das ganz wichtig ist. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP und Sandra Redmann [SPD]) Wir haben es schon gesagt, nicht aufgearbeitete Trauer kann sich langfristig auf den schulischen Werdegang, das Selbstwertgefühl und die psychische Gesundheit auswirken. Studien zeigen, dass Kinder mit unverarbeiteter Trauer ein erhöhtes Risiko für Depressionen oder Angststörungen haben. Frühzeitige Unterstützung kann dem entgegenwirken. Das ist nicht nur menschlich sinnvoll, sondern auch gesundheitspolitisch klug. Deshalb nehmen wir den Appell auch aus der Anhörung des Sozialausschusses mit und wollen die Trauerbegleitung nicht nur als Teil der Präventionsstrategie aufführen, sondern auch in den Dialog mit den Krankenkassen treten. Denn es ist doch recht absurd, wenn man sich einmal die Finanzierungsstrukturen unseres Gesundheitssystems anschaut, dass rund um die einzigen beiden Sicherheiten, die im Leben bestehen, nämlich rund um die Geburt und um den Tod eines Menschen, die Finanzierungsstrukturen häufig wenig ausreichend, wenn nicht sogar mangelhaft ausgestaltet sind. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das müssen wir aus meiner Sicht verändern. Im Hospiz- und Palliativbereich sind wirklich sehr viele Strukturen durch ehrenamtliches Engagement geprägt. Die Kollegin Pauls hat es gesagt: Vieles läuft über Spendenbasis. Die Themen Sterben, Trauer und Tod sind keine einfachen Themen. Es ist nicht notwendig, sich andauernd und täglich mit der eigenen Vergänglichkeit zu beschäftigen. Aber das ist trotzdem kein Grund dafür, dass diese Strukturen nicht ausreichend über unser Solidarsystem in der gesetzlichen Krankenversicherung abgesichert sind und dass wir darüber nicht auch im Rahmen von solchen Plenartagungen oder Ausschusssitzungen sprechen. Trauer – das braucht Zeit, und sie braucht Menschen, die da sind, und es braucht vor allem Bewusstsein für die Situation vieler Betroffener. Deswegen danke ich nicht nur für die Aufmerksamkeit, sondern auch für diese Debatte hier. – Und ja, vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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