Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Bevor ich auf den Antrag eingehe, möchte ich nur darauf hinweisen, dass wir uns nicht damit beschäftigen müssten, was Fake News, Hate Speech und Mobbing im Netz bei Kindern und Jugendlichen anrichten, wenn die Plattformbetreiber endlich einen effektiven Jugendschutz installieren würden. Da ist der Europäische Gesetzgeber gefragt. Er muss dafür sorgen, dass seine Gesetze umgesetzt werden. Nun zum vorliegenden Antrag, der mehr Medienbildungsangebote und Demokratiebildung der Schulen fordert. Viele Schulen haben nicht einmal die nötige Ausstattung dafür und viele Schülerinnen und Schüler auch nicht. Immer noch wird in Ermangelung digitaler Technik mit Tageslichtprojektor und Kreidetafel gearbeitet. Die Weiterbildung der Lehrkräfte konnte noch nicht flächendeckend angeboten werden, und die Wartung bestehender Geräte ist in den wenigsten Schulen mit einer eigenen Stelle gesichert. Medienbildung gebührt die absolute Priorität Nummer eins, und daran besteht wohl im Plenum kein Zweifel. Doch wie wir das umsetzen und dabei nicht die Kinder aus armen und bildungsfernen Elternhäusern zurücklassen, ist nach wie vor umstritten. Im Großen und Ganzen ist es in den Schulen in den letzten Jahren ausgesprochen gut gelungen, innovative Konzepte zu entwickeln und zu etablieren, wie auch die schriftliche Anhörung zur Medienbildung zeigte. Dabei haben einzelne Schulen Bahnbrechendes geleistet. Nun ist es an uns, die entsprechenden Rahmenbedingungen für alle Schulen – hier meine ich auch die berufsbildenden Schulen und unsere Förderzentren – zu installieren. Ich möchte aber auch an dieser Stelle einen besonderen Punkt vertiefen. Das ist die Einbindung der Eltern. Die Eltern sind in den Familien die Vorbilder, was die Mediennutzung angeht. Doch die wenigsten Eltern wissen, was sich ihre Kinder anschauen oder hochladen. Zwar gibt es Tipps zu einem kontrollierten Internetzugang, aber da geht es meist darum, dass das Handy nicht mit ins Bett genommen werden soll. Womit die Kinder konfrontiert werden, bekommen die Eltern meist nicht mit – und wenn, verstehen sie oftmals nicht, was sie da sehen. Die Internetcodes und Verweise richten sich dezidiert an junge und sehr junge User. Die Eltern sehen auf dem Bildschirm Unverfängliches und scheitern an der Entschlüsselung. Schulen können die Medienbildung der Eltern nicht auch noch übernehmen. Das können Elternversammlungen nicht leisten – einmal davon abgesehen, dass wir ja auch Eltern haben, die eben halt nicht so gut Deutsch sprechen, um nur eine Gruppe zu benennen. Ich verstehe den Antrag als einen Impuls für eine vertiefende Auseinandersetzung mit erheblichem Verbesserungsbedarf. Wir müssen zunächst für alle Schulen einen verlässlichen Maßnahmenkatalog erstellen – mit sehr konkreten Angeboten und vor allem mit einer zuverlässigen Finanzierung. Vor einer Orientierung der Fortbildungsangebote der Lehrerinnen und Lehrer, wie im Antrag gefordert, müssen belastbare Fortbildungsplanungen erstellt werden, die sicherstellen, dass in absehbarer Zeit alle Lehrkräfte digitale Kompetenzen erwerben. Die Einführung eines Faches Medienbildung halte ich aus pädagogischer Sicht für falsch. (Beifall Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Eingeklemmt zwischen einer Stunde Deutsch und einer Doppelstunde Physik ist Medienbildung ge- (Jette Waldinger-Thiering) nau dort, wo wir sie nicht haben wollen: zwischen zwei Stühlen. Das wäre so, als wenn wir Schreiben und Recherche als Fächer unterrichten würden. Medienbildung gehört zu allen Fächern, sogar zum Sportunterricht, wenn es beispielsweise um gute YouTube-Videos geht. Denn an den Universitäten ist Mediennutzung inklusive Research und Didaktik inzwischen gelebter Alltag. Jetzt müssen die Schulen nachziehen können, wenn sie die entsprechenden Mittel haben. Insofern fände ich gut, wenn wir den Antrag der FDP zusammen mit den anderen beiden Anträgen im Ausschuss diskutieren und dann vielleicht auch noch Lehren aus der schriftlichen Anhörung mitnehmen, damit wir einen vernünftigen Antrag daraus gießen können. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP)
