Anne Riecke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Medienbildung und Demokratiebildung sind zwei entscheidende Säulen einer modernen Bildung, die bereits in der Grundschule und sogar im Kindergarten ihren Anfang nehmen sollte. Kinder haben ein Recht auf Beteiligung, auf Schutz vor Diskriminierung und auf Beschwerde. Es ist also unsere Pflicht, ihnen diese Teilhabe zu ermöglichen. In einer Zeit, in der digitale Medien allgegenwärtig sind, ist es unerlässlich, dass Kinder nicht nur die technischen Fähigkeiten erwerben, um Medien zu nutzen, ein Gerät einzuschalten, sondern auch die grundlegenden Prinzipien der Demokratie verstehen. Ohne ein Verständnis der demokratischen Grundsätze ist es kaum möglich, mediale Inhalte kritisch zu bewerten und diese einzuordnen. Bereits im Kindergarten beginnen die ersten Schritte zur Demokratiebildung. Hier lernen die Kinder, wie wichtig es ist, ihre Meinung zu äußern und Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Demokratiefördernde Maßnahmen sollten eine Pflicht sein und auch so angesehen werden. Durch einfache Abstimmungen, Diskussionsrunden oder das Einbringen eigener Ideen in den Alltag erfahren die Kinder, wie (Anne Riecke) sie aktiv an ihrer Gemeinschaft teilnehmen können. Diese frühen Erfahrungen sind entscheidend, um Gefühle für die Werte der Demokratie zu entwickeln, wie Freiheit, Gleichheit und Respekt. (Beifall SSW und Dr. Heiner Garg [FDP]) Gerade in unserer derzeitigen Gesellschaft, in der radikale Ränder erstarken und unsere Demokratie immer mehr bedroht wird, müssen wir bedenken, dass Demokratie von jeder Generation immer wieder aufs Neue gelernt werden muss. Sie ist nämlich nicht selbstverständlich. (Beifall Dr. Heiner Garg [FDP], Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], Martin Habersaat [SPD], Christian Dirschauer [SSW] und Sybilla Nitsch [SSW]) Ein zentraler Bestandteil dieser Demokratiebildung ist das Verständnis für die eigene Stimme und deren Bedeutung. Kinder sollen ermutigt werden, ihre Ansichten zu äußern. Sie lernen, dass ihre Meinung zählt. Dies fördert nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und für die eigenen Überzeugungen einzustehen. Eine demokratische Erziehung in der Grundschule legt somit den Grundstein für das, was in späteren Lebensphasen folgt. Gleichzeitig ist Medienbildung ein unverzichtbarer Teil der Erziehung. In der heutigen digitalen Welt sind Kinder bereits im frühen Alter mit einer Vielzahl von Medien konfrontiert. Da ist es wichtig, dass sie lernen, wie Medien kritisch zu nutzen sind. Medienbildung umfasst nicht nur den Umgang mit technischen Geräten, sondern auch die Fähigkeiten, Inhalte zu verstehen, sie zu bewerten, sie zu gestalten. Hierbei ist entscheidend, dass Kinder lernen, Informationen aus verschiedenen Quellen zu vergleichen und die Glaubwürdigkeit von Nachrichten und Medieninhalten zu hinterfragen. Die Verbindung zwischen Medienbildung und Demokratiebildung wird besonders deutlich, wenn wir darüber nachdenken, wie digitale Medien die Teilhabe an demokratischen Prozessen beeinflussen. Soziale Medien bieten Plattformen, auf denen Menschen ihre Meinung äußern können, aber sie bergen auch Risiken wie die Verbreitung von Falschinformationen oder die Gefahr von Cybermobbing. Um in dieser komplexen Medienlandschaft bestehen zu können, ist es unerlässlich, dass Kinder die Prinzipien der Demokratie verstehen. (Beifall FDP und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Das Verständnis der demokratischen Grundsätze hilft nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen, mediale Inhalte besser zu bewerten. Viele Menschen haben sogar Schwierigkeiten, zwischen Fakten und Meinung zu unterscheiden oder die Absicht hinter bestimmten Informationen zu erkennen. Wenn wir die Prinzipien der Demokratie verinnerlichen, sind wir besser in der Lage, die Herausforderungen, die die digitale Welt mit sich bringt, zu meistern. (Beifall FDP und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Die Rolle der Pädagoginnen und Pädagogen ist hierbei von zentraler Bedeutung. Sie sollten nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch als Vorbilder fungieren. Sie sollten durch eine offene und respektvolle Kommunikationskultur Kindern zeigen, wie wichtig es ist, zuzuhören und verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen und zu respektieren. Bereits im Kindergarten und der Grundschule sollten Kinder die Möglichkeit erhalten, in einer demokratischen Gemeinschaft zu lernen und den kritischen Umgang mit Medien zu begreifen. Dies ist nicht nur für ihre persönliche Entwicklung wichtig, sondern trägt auch zu einer informierten und engagierten Gesellschaft bei. Indem wir Kinder in diesen beiden Bereichen stärken, legen wir den Grundstein für eine aktive und verantwortungsvolle Gesellschaft, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind. – Vielen Dank. (Beifall FDP und SSW)
