Anne Riecke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute unseren Antrag zur Eindämmung der Blauzungenkrankheit, ein Thema, das nicht nur die Tiergesundheit betrifft, sondern auch wirtschaftliche Existenzen vieler Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein und in ganz Deutschland. Um Sie alle ganz kurz abzuholen: Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte, hauptsächlich akut verlaufende Krankheit von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen. Zu den Krankheitssymptomen gehören unter anderem Hautveränderungen im Maulbereich, Rückgang von Milchleistungen und ein reduziertes Allgemeinbefinden. Besonders bei Schafen verläuft diese Krankheit meist tödlich. Wenn man mit Schäferinnen und Schäfern spricht, dann erzählen sie: Ihre Tiere gehen in diesem Bereich sehr jämmerlich zugrunde. Von Juli bis September 2024 hat sich die für den Menschen ungefährliche Tierseuche rasant in ganz Deutschland ausgebreitet. Seit Oktober 2024 hat sich das Seuchengeschehen glücklicherweise wieder deutlich abgeschwächt. Das heißt jedoch nicht, dass wir nun auf die nächste Welle der Infektion warten und darauf hoffen, dass alles glimpflich abläuft. Die Seuche wird durch Gnitzen übertragen, winzige Stechmücken, die mit steigenden Temperaturen wieder aktiv werden. Ein Wiederaufflammen der Infektion im Sommer ist somit sehr wahrscheinlich. Daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über mögliche Strategien zur Eindämmung der Blauzungenkrankheit zu sprechen. (Beifall FDP) Dazu gehört eine Überarbeitung des Monitorings sowie ein gezieltes Testverfahren der Seuche. Darüber müssen wir sprechen. (Beifall FDP) Alle Bundesländer haben ihren Status als „frei von einer Infektion mit dem Virus der Blauzungenkrankheit“ letztes Jahr verloren. Allein in Schleswig-Holstein waren über 1.300 Betriebe mit teils dramatischen Folgen betroffen. Ein Beispiel ist ein Schafhalter im Kreis Steinburg, der 135 seiner 750 Mutterschafe sowie knapp die Hälfte seiner Deckböcke verloren hat. Das zeigt: Wir müssen handeln. In der aktuellen Situation ist die Impfung das zentrale Mittel der Wahl, um unsere Tierbestände zu schützen und die Weiterverbreitung der Seuche einzudämmen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat per Eilverordnung die Anwendung von drei Impfstoffen gegen die Blauzungenkrankheit gestattet, um rechtzeitig vor der Gnitzensaison eine Grundimmunisierung zu ermöglichen. Trotz dieser Maßnahmen sind die Impfraten immer noch zu niedrig. In Sachsen-Anhalt beispielsweise wurden bis Mitte März 2025 nur rund 60 Prozent der Schafe und zehn Prozent der Rinder geimpft. Das ist alarmierend, denn eine hohe Impfquote ist entscheidend, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. (Beifall FDP) Dabei zahlt das Land Sachsen-Anhalt sogar 8,35 Euro pro Schaf, die bundesweit höchste Beihilfe zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit. Im Vergleich: Hierzulande erhalten die Tierhalterinnen und Tierhalter einen Zuschuss von einem Euro pro Schaf oder Ziege und zwei Euro pro Rind. Das sind gute und richtige Ansätze. Eine flächendeckende Immunisierung wurde damit leider bis jetzt nicht erreicht. Wir müssen somit dringend ein verlässliches, risikoorientiertes und praktikables Testverfahren entwickeln, um Tiergesundheit zu schützen und gleichzeitig die Interessen der Tierhalterinnen und Tierhalter zu wahren. Ein solches Verfahren würde es ermöglichen, gezielt zu impfen und unnötige Belastungen für die Betriebe zu vermeiden. (Beifall FDP) Wir müssen gemeinsam handeln, um die Blauzungenkrankheit effektiv zu bekämpfen und unsere Tierbestände sowie die Existenz unserer Landwirtinnen und Landwirte zu sichern. Ich fordere daher eine Ausschussüberweisung und schlage vor, dass sich der Umwelt- und Agrarausschuss in Form eines Fachgesprächs mit diesem Thema weiter auseinandersetzt. – Vielen Dank. (Beifall FDP, vereinzelt SPD und SSW – Unruhe)
